Überblick: Angespannte Lage in rheinland-pfälzischen Pflege-Einrichtungen

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Foto: dpa-Archiv

RLP. Drei Menschen sind in einem Koblenzer Heim für Menschen mit Behinderungen gestorben. Auch in anderen Heimen in Rheinland-Pfalz kommt es zu gehäuften Infektionen mit dem Coronavirus. Viele Pflegekräfte sind an der Belastungsgrenze.

In mehreren Pflege-Einrichtungen in Rheinland-Pfalz wird in dieser Woche um das Leben von infizierten Bewohnern gerungen. «Sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Bewohner ist das eine kaum zu bewältigende Belastung», sagte am Montag der Sprecher des Caritasverbands Koblenz, Marco Wagner, nach dem Tod von drei am Coronavirus infizierten Bewohnern im Haus Eulenhorst. In der Einrichtung im Stadtteil Metternich werden Menschen mit Behinderungen bis ins hohe Alter betreut.

Das Gesundheitsamt im Kreis Mayen-Koblenz bemühe sich um einen «maximalen Schutz» der pflegebedürftigen Menschen, hieß es am Montag in der Kreisverwaltung. «Unser Gesundheitsamt ist in ganz engem Kontakt zu den Einrichtungen», sagte ein Sprecher.

Im Haus Eulenhorst des Caritasverbands Koblenz bestand nach Caritas-Angaben bereits zum Zeitpunkt des ersten Todesfalls am 24. März ein absolutes Besuchsverbot, das Haus wurde danach unter Quarantäne gestellt. Dennoch starben am vergangenen Donnerstag und Freitag zwei weitere infizierte Bewohner im Alter von 66 und 67 Jahren.

Im Haus Eulenhorst mit 38 Bewohnern gab es zuletzt sieben infizierte Bewohner und fünf infizierte Mitarbeiter. Im etwas kleineren Haus St. Franziskus, in dem ebenfalls Menschen mit Behinderungen wohnen, waren fünf Bewohner und vier Mitarbeiter infiziert. Erstmals wurde auch im Haus Oberwerth des Caritasverbands Koblenz ein Bewohner positiv getestet.

Die Pflegekräfte seien bis an den Rand ihrer Belastungsgrenze eingespannt und leisteten eine herausragende Arbeit, sagte Caritas-Sprecher Wagner. Für sie gebe es Unterstützungsangebote wie psychologische Beratung am Telefon. «Ein großer Lichtblick sind die Freiwilligen, die uns unterstützen, auch die Kollegen aus anderen Diensten, da gibt es eine unglaubliche Solidarität.» Auf einen Hilferuf des Caritas-Verbands hätten sich 160 Menschen gemeldet. Jetzt gebe es die ersten Freiwilligen im Einsatz, nach einem Pflege-Crash-Kurs im katholischen Klinikum. «Wir sind bemüht, die Personalstärke in den Häusern hochzuhalten, damit alle in der Krise ihre Arbeit leisten können.»

In einem Seniorenpflegeheim in Worms wurden 18 Mitarbeiter und 9 Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet, wie am Montag eine Sprecherin des Landkreises Alzey-Worms mitteilte. Zwei Bewohner werden im örtlichen Klinikum behandelt. Die anderen sieben seien mit leichten oder keinen Symptomen getrennt im Pflegeheim untergebracht. In der vergangenen Woche war ein infizierter Bewohner gestorben – allerdings gilt als unklar, ob er an dem neuartigen Coronavirus starb oder an einer Vorerkrankung.

Einige der betroffenen Mitarbeiter in Worms – darunter Pfleger, Küchenpersonal und Reinigungskräfte – befinden sich der Sprecherin zufolge mit leichten Symptomen oder symptomfrei in häuslicher Quarantäne. Andere dürfen mit Schutzausrüstung weiterarbeiten, da sie für das Funktionieren der Einrichtung wichtig sind. In dem Heim leben rund 150 Menschen, darunter eine große Anzahl Demenzkranker. Für Besucher ist das Haus seit 15. März geschlossen.

Auch in einem Mainzer Seniorenheim kam es in der vergangenen Woche zu einem Todesfall aufgrund der vom Coronavirus übertragenen Krankheit Covid-19. Auch im Kreis Mainz-Bingen werden alle Bewohner und Pflegekräfte von Pflege-Einrichtungen getestet, sobald sie Symptome der Krankheit zeigen.

In einem Altenheim in Hillesheim im Kreis Vulkaneifel wurden 15 Bewohner und 5 Pflegekräfte infiziert. Zwei der Bewohner seien bereits genesen, zwei andere würden derzeit im Krankenhaus in Gerolstein behandelt, teilte die Kreisverwaltung am Montag in Daun mit. Die anderen elf Bewohner zeigten bisher keine oder nur milde Symptome. Der betroffene Wohnflur der Einrichtung mit ihren insgesamt 105 Bewohnern sei unter Quarantäne gesetzt worden, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm will Corona-Tests in allen 14 Pflegeheimen des Kreises anbieten. Die Reihe begann in einer Einrichtung in Schönecken, wie eine Sprecherin am Montag in Bitburg mitteilte. In dieser Woche solle ein Fahrplan für weitere Tests stehen. Sie seien freiwillig und würden von der mobilen Sichtungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes ausgeführt. In den Pflegeheimen des Kreises lebten rund 1000 Menschen.

Insgesamt leben rund 40 000 besonders gefährdete Menschen in Pflege-Einrichtungen in Rheinland-Pfalz. Damit der Betrieb auch am Laufen gehalten werden kann, wenn Mitarbeiter in Quarantäne müssen, hat die Landespflegekammer einen Freiwilligenpool für Menschen aus den Gesundheitsberufen aufgebaut.

(dpa)

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