Mit Lernpaketen durch die Krise

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Pflegeschulleiter Andreas Okfen und sein Team begrüßte die neuen Auszubildenden am Montag in Kleingruppen. Foto: Brüderkrankenhaus Trier

TRIER. Jeweils im Frühjahr und Herbst beginnen an der Pflegeschule des Bildungsinstituts der Barmherzigen Brüder Trier neue Kurse in der Ausbildung von Pflegefachpersonen. So auch in diesem Jahr, und das trotz deutlich erschwerter Bedingungen. Da das Bildungsinstitut derzeit geschlossen und Präsenzunterricht nicht möglich ist, wurden die Auszubildenden für die ersten Wochen mit Lernpaketen versorgt. Die 28 jungen Frauen und Männer sind froh, dass sie ihre Ausbildung trotz Krise starten konnten.

Dass 2020 für die Pflegeschule auf dem Gelände des Brüderkrankenhauses Trier ein besonderes Jahr werden würde, zeichnete sich schon ab. Schließlich steht die Umstellung auf die Generalistische Ausbildung an, eine umfassende Reform, die es in sich hat und auf die sich alle Beteiligten bereits lange zuvor intensiv vorbereiteten. Doch als man Mitte März in Mainz verfügte, dass aufgrund der Corona-Krise sämtliche Schulen in Rheinland-Pfalz bis mindestens nach Ostern geschlossen sein werden, stand das Bildungsinstitut der Barmherzigen Brüder Trier, zu dem die Pflegeschule zählt, vor einer ganz neuen Herausforderung: Wie im April mit einem neuen Ausbildungskurs starten, wenn ein regulärer Schulbetrieb nicht möglich weil unzulässig ist?

Für 28 junge Menschen und auch deren Lehrkräfte galt es binnen weniger Tage eine Lösung zu finden, die zum einen den rechtzeitigen Start des neuen Kurses garantiert und zugleich gewährleistet, dass die Pflegeschülerinnen und –schüler am Ende ihrer drei Jahre dauernden Ausbildung das vom Gesetzgeber geforderte Pensum in punkto Praxis und Theorie abgeleistet haben werden. Kursleiterin Christine Heinz war von Beginn an klar, dass nur unkonventionelle Wege zum Ziel führen können, und diese wird sie nun gemeinsam mit ihren Kollegen und den Schülern beschreiten.

So begann die Ausbildung mit wenigen Tagen Verspätung, die in Urlaub umgewidmet wurden, am vergangenen Montag. Getrennt voneinander durchliefen die Schülerinnen und Schüler das übliche Aufnahmeprozedere, stellten sich in der Personalabteilung vor und absolvierten die gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen durch die Arbeitsmedizin. Vor allem aber erhielten sie das erste von insgesamt drei analogen Lernpaketen, mit denen sie in Kombination mit ihren Lehrbüchern zu Anatomie und Pflege sich nun erste theoretische Inhalte im Selbstlernverfahren erarbeiten müssen.

Es geht um insgesamt 120 Stunden theoretischen Lernstoff, der nicht im Frontalunterricht vermittelt wird, sondern sich die Auszubildenden zuhause beibringen müssen. Die Themen reichen von der eigenen Rolle in einer sozialen Gruppe bis hin zu Fragen der Hygiene, Körperpflege und Bewegung oder auch Ernährung. Christine Heinz und Pflegeschulleiter Andreas Okfen betonen, dass ihr Team telefonisch und per Mail erreichbar sein wird, die Auszubildenden sich also bei Problemen an ihre Lehrer wenden können. Zudem werden alle einmal wöchentlich zum persönlichen Gespräch ins Bildungsinstitut eingeladen, bei dem sie ihre ausgefüllten Arbeitsbögen zum jeweils vorangegangenen Lernpaket abgeben müssen.

Im Bildungsinstitut ist man zuversichtlich, dass dem neuen Kurs trotz schwieriger Rahmenbedingungen ein guter Start gelingen wird. „Wir hoffen natürlich, dass die Zeit, in der wir keinen Unterricht vor Ort durchführen können, nicht zu lange dauert“, sagt Institutsleiterin Monika Serwas und ergänzt: „Diese Art des Unterrichts ist und bleibt für einen so praktisch ausgerichteten Beruf eher ein Provisorium. Die aktuelle Zeit nutzen wir, um wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Es bleibt in jedem Fall spannend.“ Kursleiterin Christine Heinz ist überzeugt: „Die meisten unserer neuen Schülerinnen und Schüler sind erst einmal froh, dass es los geht und sie keine Sorge haben müssen, dass die Ausbildung nicht stattfinden könnte.“ Das bestätigt auch Miriam Scherf aus Osburg, die am Montag ebenfalls ihre Ausbildung startete. Zwar sei sie insgesamt „recht entspannt“, berichtet die 19-Jährige, doch in den vergangenen Wochen haben auch sie sich hin und wieder gefragt, ob der Kurs wegen Corona gefährdet sein könnte. Nach einem Anruf im Bildungsinstitut der Barmherzigen Brüder Trier sei sie aber rasch wieder beruhigt gewesen.

Schulleiter Andreas Okfen kann der Herausforderung derweil auch etwas Positives abgewinnen: „Man besinnt sich noch einmal auf die Dinge, die wirklich wichtig sind und spürt, wie sehr wir alle aufeinander angewiesen sind.“

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