Glücksforscherin aus Trier: Sich vor Dauerberieselung schützen

Die Corona-Krise ist eine aufschlussreiche Zeit für Glücksforscher. Freude wird derzeit im engen Umfeld gesucht: darin, sich selbst oder anderen etwas Gutes zu tun, sagt eine Trierer Wissenschaftlerin.

0
Michaela Brohm-Badry, Glücksforscherin und Autorin. Foto: Birgit Reichert/dpa/Archivbild

TRIER. Angst und Traurigkeit – das sind in der Corona-Krise die Gefühle, die die Menschen nach Expertinnenmeinung vor allem bestimmen: «Dies liegt zum größten Teil daran, dass sie spüren, die Situation nicht mehr kontrollieren zu können», sagte Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry von der Universität Trier.

«Und dieser Kontrollverlust verstärkt die negativen Gefühle.» Umso wichtiger sei es jetzt, den Blick auf den «kleinen eigenen Bereich» zu lenken, den man noch steuern könne: «Es geht darum, sich um sich selbst und um andere zu kümmern», sagte die Professorin der Deutschen Presse-Agentur.

«Selbstsorge» meine, sich dem zu widmen, was einem trotz der schweren Zeit wirklich gut tue: zum Beispiel ausreichend Schlaf, gute Nahrung, Bewegung, schreiben, lesen oder Musik machen, sagte Brohm-Badry, die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung ist. Wichtig sei, sich auch selbst zu schützen, indem man etwa nicht permanent Neuigkeiten zu der Entwicklung der Corona-Pandemie verfolge. «Die Dauerberieselung mit Negativem ist das Schlimmste für die Psyche. Wenn man immer wieder schaut, wie sind die Zahlen. Das ist viel zu viel. Sich selbst auf ein oder zweimal am Tag zu disziplinieren, wäre ein guter Aspekt der Selbstsorge.»

Es gebe viele Untersuchungen, die zeigten, dass «in Krisensituationen das Beste im Menschsein an die Oberfläche befördert wird», sagte Brohm-Badry. «Nicht bei allen, aber bei vielen Menschen wird dann der Altruismus (Selbstlosigkeit) wach.» Aus der «Selbstsorge» und aus der «Fremdsorge» könne man Freude ziehen. «Bindungen stärken – das ist im Moment ganz wichtig. Das Sprechen hilft ja auch gegen die Angst.»

Fakt sei: «Im Moment gibt es sehr wenig Glücksmomente.» Ein positives Gefühl werde aber in der Krise verstärkt deutlich: Dankbarkeit. «Wenn die Menschen klatschen auf den Balkonen, dann ist das eine Form der Dankbarkeit.» Oder wenn man Verkäufern oder Pflegekräften direkt danke. Man könne auch dankbar sein für schöne Momente in der Natur oder mit der Musik. «Es ist ein aufbauendes Gefühl, mit dem gegensteuern kann», sagte die Professorin für Empirische Lehr-Lern-Forschung.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.