«Das Land rückt zusammen»: Engagement in der Corona-Krise

Auch in Rheinland-Pfalz läuft die Wirtschaft im Corona-Krisenmodus. Schutzmasken, Beatmungsgeräte und mehr Desinfektionsmittel als sonst sind gefragt. Die Hilfe rollt - und Unterstützung kommt auch anonym.

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MAINZ/LUDWIGSHAFEN. Zahlreiche Unternehmen, Künstler und Privatpersonen in Rheinland-Pfalz engagieren sich im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Desinfektionsmittel aus der freien Wirtschaft sollen zum Beispiel Ärzte und Krankenhäuser dabei unterstützen, die Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 zu verlangsam. Anderenorts werden Beatmungsgeräte produziert oder Schutzmasken hergestellt.

Etwa in der Schneiderei des Pfalztheaters Kaiserslautern. «Der Bezirksverband Pfalz will damit helfen, die Krise zu überwinden», sagt Bezirkstagsvorsitzender Theo Wieder, der mit dieser Idee an die Leitung herangetreten war. Im Theateralltag sind die Werkstätten unter anderem für maßgeschneiderte Kostüme bekannt. Da der Betrieb seit Mitte März zwangspausiert, rattern die Nähmaschinen in neuer Mission. Hunderte «Behelf-Mund-Nasen-Schutzmasken», so die offizielle Bezeichnung für die waschbaren Objekte, sollen nach vorliegenden Schnittmustern gefertigt und an die Stadtverwaltung gegeben werden.

«Wir haben in den Schneidereien hochmotivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen die abrupte Einstellung des Spielbetriebs sehr nahe geht – genau wie unseren Künstlerinnen und Künstlern auf der Bühne und der ganzen Belegschaft hinter den Kulissen», sagt Intendant Urs Häberli. «Mit der Produktion der Schutzmasken haben wir die Möglichkeit, einen Beitrag außerhalb des Pfalztheaters für die Allgemeinheit zu leisten. Vielleicht wecken wir damit bei Menschen Interesse, einmal hinter die Kulissen des Hauses zu blicken.»

In Koblenz hat eine Herstellerin von Taschen ihren Betrieb mit vier Mitarbeitern auf die Produktion von einfachen Schutzmasken aus Baumwolle umgestellt. Sie sei einer Anfrage der Diakonie und des Arbeiter-Samariter-Bunds Bad Kreuznach gefolgt, sagt Unternehmerin Lena Eiler. Mehr als 300 Masken habe sie bereits genäht, nach einer Anleitung der Stadt Essen für einen Behelfs-Mund-Nasenschutz. Der Präsident der Handwerkskammer Koblenz, Kurt Krautscheid, begrüßt das Engagement der 37-Jährigen. Nicht jeder sei dazu wirtschaftlich in der Lage, deshalb sei ein solcher Einsatz nicht selbstverständlich.

In Frankenthal fragte das Robert-Koch-Institut (RKI) unlängst bei KSB an, ob das Maschinenbauunternehmen Komponenten für Beatmungsgeräte im 3D-Druck erstellen könne – Metall oder Kunststoff. «Wir können beides», sagte ein Sprecher. Allerdings besitze das Unternehmen keine Freigabe für medizintechnische Produkte, und auch die Patentfrage sei nicht geklärt. «Wenn diese Fragen geklärt sind oder wir von der Produkthaftung freigestellt sind, produzieren wir gerne. Das RKI hat gesagt, dass es bei Bedarf auf uns zukommt», sagte der Sprecher.

Der Medizintechnikhersteller Löwenstein Medical aus Bad Ems liefert im Auftrag der Bundesregierung im Laufe der nächsten drei Monate 6500 Beatmungsgeräte. «Alle Mitarbeiter tun ihr Möglichstes, um die Geräte in dieser kurzen Zeit zu fertigen und den Menschen mit Corona und anderen Atemwegserkrankungen zu helfen», teilte die Geschäftsführung mit. Das Unternehmen hatte im Februar begonnen, seine Fertigung deutlich zu erhöhen – nicht zuletzt aufgrund der Nachfrage aus China.

Der BASF-Konzern hatte vom Gesundheitsministerium in Mainz eine Sondergenehmigung für die Produktion von Hand-Desinfektionsmittel erhalten. Zunächst belieferte das Unternehmen gratis Krankenhäuser der Metropolregion Rhein-Neckar, dann hausärztlich tätige Arztpraxen mit Notfallversorgungsfunktion. Bislang meldeten sich bundesweit mehr als 1000 Kliniken und ähnliche Einrichtungen bei dem Chemieriesen.

BASF ist kein traditioneller Hersteller von Desinfektionsmitteln, wesentliche Rohstoffe hat das Unternehmen zugekauft. Der Konzern produziert etwa 35 Tonnen Hand-Desinfektionsmittel pro Woche.

Stellvertretend für die vielen wenig sichtbaren Spender steht ein ungenanntes rheinland-pfälzisches Unternehmen, das der Landesregierung bis zu 100 000 Liter Desinfektionsmittel überlassen hat. Das Gesundheitsministerium zitierte die Firma mit den Worten:

«Es ist uns ein ernstes Anliegen, niemanden in diesen Tagen hilflos zu lassen; am allerwenigsten diejenigen, die die Versorgung und die optimale Betreuung unserer Mitmenschen bis über die Grenzen ihrer eigenen Belastbarkeit gewährleisten.» Das Land übe sich zwar in sozialer Distanz, sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), aber es «rückt doch ein Stück zusammen».

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