Eintracht Trier: „Da fehlt es an Professionalität“

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TRIER. Er ist der einzige Schweizer, der bisher das Trikot von Eintracht Trier trug. Eine Saison lang beackerte Stefan Kohler (28) die Räume vor der eigenen Abwehr. Im Sommer 2011 verließ er den Fußball-Regionalligisten von der Mosel. Er sei geldgierig, wurde ihm damals von Ernst Wilhelmi, dem Vorstandssprecher des Klubs, vorgeworfen. Darüber kann Kohler nur lachen. „Dem Verein mangelt es in der Führungsetage an Professionalität“, kontert der Schweizer heute locker. „Denn mit unserer damaligen Mannschaft hätten wir durchaus Großes erreichen können.“

Wenn Stefan Kohler über Fußball spricht, leuchten die dunklen Augen des Schweizers. Dann sprudeln die Geschichten nur so aus ihm heraus. „Das ist immer noch mein Leben, auch wenn ich mit dem Fußball momentan nicht meinen Lebensunterhalt bestreiten kann.“ Sein Geld verdient er heuer in erster Linie bei der Schweizer Post. Daneben spielt er beim FC Wettswill-Bonstetten in der dritten Liga. Der Klub wird von Kohlers Arbeitgeber gesponsert. Seine große Leidenschaft aber gehört inzwischen dem Trainerdasein. Bei seinem Stammverein Grasshoppers Zürich ist er als Jugendtrainer eingestiegen. Den jüngsten Nachwuchstalenten der U8 bis U11 vermittelt er die technischen Grundlagen des Sports.

Trier war für Kohler nur eine kurze Etappe in seiner Karriere. Und dennoch zieht es ihn hin und wieder an die Mosel. Beim Zurlaubener Heimatfest machte er wieder einmal Station in Deutschlands ältester Stadt. „Weil ich hier immer noch Freunde habe“, sagt er, als er vor der Porta Nigra in der Juli-Sonne sitzt. Auch die Kontakte zu den ehemaligen Kollegen seien nie abgerissen. „Unser Kapitän Josef Cinar und Alban Meha haben mich im Dezember in der Schweiz besucht. Mit Thomas Drescher und Thomas Kraus telefoniere ich regelmäßig.“ In Trier traf er sich mit Andy Lengsfeld und Chhunly Pagenburg – natürlich bei Nico in der Jacobstraße, beim Stamm-Italiener „Fornelli“. Als er davon spricht, bekommen die dunklen Augen einen anderen Glanz. „Wir hatten eine geile Mannschaft – damals.“

Kohlers kurze Pause vor den nächsten Sätzen ist wie die Ruhe vor dem Sturm. Dann legt er los. „Mir ist ja damals, im Sommer 2011, von Ernst Wilhelmi über die Medien vorgeworfen worden, dass ich geldgierig sei. Mir selbst hat er das nie ins Gesicht gesagt.“ Die Verhandlungen über den neuen Vertrag gestalteten sich seinerzeit schwierig. „Dabei ging es lediglich um einen niedrigen dreistelligen Betrag“, sagt der Schweizer. „Und dann muss ich mir vorwerfen lassen, ich sei geldgierig.“ Er habe das mit einem Schmunzeln aufgenommen. „Denn was hätte ich anderes tun sollen?“

Kohler erging es ähnlich wie vielen seiner Kollegen vor und nach ihm. Irgendwann geriet er in Konflikt zur Führung des Klubs. „Ich wäre gerne geblieben – ebenso wie Alban Meha oder auch Lukas Mößner.“ Bei Meha, der inzwischen für Paderborn in der zweiten Liga spielt, sei es so gewesen, dass er seine Lebensgefährtin gerne nach Trier geholt hätte. „Der Verein hätte ihr nur einen Job besorgen müssen“, so Kohler. Aber auch das sei nicht geschehen. So sei die Mannschaft wegen der mangelnden Professionalität im Vorstand zerbrochen. „Dabei hätten wir hier etwas bewegen können.“ Der Schweizer ist sich nach wie vor sicher, dass der Aufstieg in die dritte Liga geschafft worden wäre. „Hätte der Verein diese Mannschaft zusammengehalten und vielleicht noch auf zwei, drei Positionen verstärkt, wären wir in der letzten Saison aufgestiegen – davon bin ich überzeugt.“

Die mangelnde Professionalität in der Führungsriege des Vereins macht der Schweizer auch an der Tatsache fest, dass ein Mann wie Michael Berger vergrault worden sei. Berger, Lizenznehmer mehrerer Burger-King-Filialen in der Region, im Saarland und in Luxemburg, war 2010 kooptiertes Mitglied des Aufsichtsrates, geriet dann aber in Konflikt zum Vorstand und zum Aufsichtsratsvorsitzenden Frank Natus. „Dabei wäre er durchaus bereit gewesen, Spieler wie Meha, Mössner, Cinar oder auch mich zu halten“, sagt Kohler.

„Natürlich wären da Köpfe gerollt, wenn Berger wirklich in eine Führungsposition gekommen wäre.“ Namen will der Schweizer allerdings nicht nennen. Doch es ist ein offenes Geheimnis im Umfeld des Vereins, dass der Trierer Unternehmer schon als Aufsichtsratsmitglied auf den Rauswurf von Geschäftsstellenleiter Dirk Jacobs gedrängt hatte. Das spitzte den Konflikt zwischen Wilhelmi und Natus auf der einen und Berger auf der anderen Seite endgültig zu. Den Machtkampf hinter den Kulissen verlor Berger schließlich und zog sich als Sponsor aus dem Klub zurück.

„Ich habe heute immer noch ein freundschaftliches Verhältnis zu Michael Berger – wie viele andere Spieler aus der alten Mannschaft auch“, so Kohler. Berger habe ihn zum Heimatfest nach Zurlauben eingeladen, und diese Einladung habe er sehr gern angenommen. „Mit ihm hätte der Verein sicher andere Ziele erreichen können, als das jetzt der Fall ist.“ Die Arbeit des aktuellen Vorstandes beurteilt Kohler als „amateurhaft“. Damit sei alles gesagt.

Im Gegensatz zu Oliver Stang hat Kohler mit Trainer Roland Seitz bis heute kein Problem. „Seitz ist ein Arbeiter, ein Trainer der alten Schule. Wenn man das weiß und seine Leistung bringt, hat man kein Problem mit ihm.“ Grundsätzlich habe er immer ein gutes Verhältnis zu Seitz gehabt – mit einer Ausnahme. „Nach meinem Abschied von Trier habe ich ihm eine SMS geschickt und ihm viel Erfolg für die neue Saison gewünscht. Leider habe ich bis heute keine Antwort darauf erhalten. Das fand ich schon etwas schwach von ihm.“

Seine eigene Zukunft sieht der Schweizer als Trainer oder auch als Sport-Manager. „Ich habe ja schon zwei Trainerscheine, die anderen werden sicher noch folgen.“ Er habe sich nach seiner Zeit in Trier bewusst gegen die Angebote aus der zweiten Schweizer Liga und der vierten Liga in Deutschland entschieden. „Dann spielst du noch ein paar Jahre für kleines Geld und irgendwann ist der Zug abgefahren, um sich eine echte berufliche Existenz aufzubauen.“

Sein Einstieg als Jugendtrainer bei den Grasshoppers habe ihm die Tür geöffnet. „Das ist ein Anfang, auf dem man aufbauen kann.“ Sein zweites Standbein sieht Kohler in der Zusammenarbeit mit Elio Basci, der Spieler berät und managt. Roberto Di Matteo, in der Schweiz (Schaffhausen) geboren und Trainer von Champions-League-Sieger FC Chelsea, ist der Patenonkel von Bascis Kindern. „Über diese Schiene ist für Basci auch die Tür in England offen.“ Dort schnuppert Kohler gerade hinein – an der Seite von Basci.

So oder so gehe er seine Zukunft aber entspannt an. „Ich denke, dass ich mich für den richtigen Weg entschieden habe, weil ich in ein paar Jahren nicht vor dem Nichts stehen wollte.“ Mit Ende 20 sei es an der Zeit umzudenken. „Natürlich wäre es schön gewesen, wir hätten mit Trier den Aufstieg in die dritte Liga gepackt – dann hätte ich sicher auch noch ein paar Jahre professionell Fußball gespielt. Aber das sollte eben nicht sein – leider.“ (et)

1 KOMMENTAR

  1. Alles schön u gut , Herr kohler , jemand zum moselfest einzuladen oder die privatschatulle für die Finanzierung eines spieleretats zu öffnen sind zweierlei!! Hätte zu gern gesehen mit welch fadenscheinigen Argumenten sich dieser B-Promi aus der Verantwortung gestohlen hätte!

  2. In dem Verein ändert sich nie was solange die Herren an der Macht sind. Die Eintracht ist echt ein hoffnungsloser Fall.

  3. Guter Wille alleine reicht nicht. Auch aus der Ferne wird deutlich, dass die Führung nur Amateurniveau besitzt. Aber sie ist mit Herz dabei und versucht für Ihre Möglichtkeiten alles! Schade nur, dass man jegliches Konkurenzaufkommen im Keime erstickt und auch deshalb die Verantwortung auf viele Schultern verteilt um sie so nicht zu verlieren!
    Ein Beispiel hierfür ist die nutzlose kostenintensieve Aufstockung der Geschäftstelle um den „sagenhaften“ Herr Jaobs.

  4. Die Aussage von Herrn Kohler spiegelt das wieder das von einigen Usern schon des öfteren hier vermutet wurde.
    Es ist beschämend wie man einen Herrn Berger hier abgesäbelt hat.
    Ich persönlich bin auch der Meinung hätte man einem Herrn Berger die Chance gelassen wären wir bereits in der dritten Liga.
    aber vielleicht will man das ja auch garnicht.

  5. und die Hetze geht weiter….
    Fakt ist doch : Nachkarten und das nach gefühlten 2 Jahren, ist noch viel weniger professionell… und wiedermal ohne die andere Seite zu hören…

  6. Warum gibt es zur Saisonvorbereitung der Eintracht nichts anderes zu berichten als die persönliche Meinung von Oliver Stang zum Prämienstreit und zu Querelen in Verein und Mannschaft im Vorjahr (immerhin sehr interessant) sowie die Ansichten eines früheren Spielers, der glaubt, mit einem anderen Vorsitzenden wäre er seinerzeit aufgestiegen. Sonst war nichts Berichtenswertes in den letzten vier Wochen? Da kann der Leser von „lokalo“ ja noch froh sein, dass wenigstens der Saisonstart rechtzeitig mitgeteilt wird. Seriöser Journalismums sieht anders aus!

  7. Aufschneider, Günter und mrö,
    frei nach den Worten von Indira Gandhi „Die Geschichte ist der beste Lehrer mit den unaufmerksamsten Schülern“ wäre es wichtig, aus den Fehlern der letzten zwei Jahre lernen zu wollen. Unser Verein kommt mir schon langsam so vor wie ein Abklatsch der politischen Verhältnisse in Russland und der Ukraine. Dort bekämpft man auch unliebsame Oppositionelle, auch wenn sie für das Volk (bei uns sind das die Mitglieder) nur gut wären. Das mittlerweile bewiesene, unwahre und verunglimpfende schmutzige Spiel der Vereinsverantwortlichen gegenüber vielen Spielern sollte man natürlich irgendwann vergessen. Aber zuerst müssen die Vereinsverantwortlichen Sorge dafür tragen, dass zumindest noch die Altlasten entsorgt werden. Derzeit stehen ja immer noch berechtigte Prämienforderungen von Spielern im Raum, die mittlerweile jedem Spieler in diesem Land bekannt sind. Wie will man da in Zukunft Spieler zu unserem Verein holen, wenn solche Verhältnisse herrschen?

  8. Auf der Startseite werden die Burger King Coupons vertickt und im Artikel erscheint Herr Berger als verschmähter Heilsbringer. So ein Zufall und unabhängiger Journalismus par excellence!

  9. Ach ja….was ein Vergleich..!!
    Was die Prämienforderungen anbelangt, auch hier gibt es unterschiedliche Auffassungen , wobei der, der Recht hat, Recht bekommt…also abwarten !!
    Umso verwunderlicher : Der Verein hat doch tatsächlich 13 neue Spieler verpflichten können, warum wohl ?
    Die Spieler haben ihr Geld bekommen und zwar pünktlichst !!
    Auch das spricht sich rum..

  10. Das Problem in meinen Augen ist einfach , dass bei den Trainern und Verantwortlichen im ganzen Verein (spricht Jugendmannschaften bis Erste Mannschaft) nicht sehr viel Kompetenz, im sozialem und fachwissenschaftlichen Bereich vorhanden ist!

  11. @Günter was ein Kappes. Wenn der Gabriel im Spiegel über die Merkel herzieht rufen die ja auch nicht gleich die Alte an. Bei einem Gespräch muss doch keiner die „Gegenseite“ fragen. Typisch provinzielle Vorstellung von dem Metier. Der Vorstand kann ja auf die Vorwürfe reagieren. Da er das nicht tut stimmt scheinbar alles was in dem Artikel steht.

  12. @ #Ronald

    Zur Klarstellung: Es gibt keine Verbindung zwischen der Vermarktung von lokalo und der Redaktion. Letztere ist – ganz im Gegensatz zu anderen Internetportalen und Medien – völlig unabhängig. Es gibt auch keine Einflussnahme unserer Verlagsführung, respektive Geschäftsführung – wie so oft bei Medien – auf die Redaktion.

    Wo die eigentlichen Verflechtungen und Abhängigkeiten zwischen Redaktionen und Herausgebern (sprich: Vermarktern) sind, werden wir in einem unserer nächsten Artikel zu Eintracht Trier deutlich herausarbeiten.

    Ferner dazu, wie von Seiten des Vereins aus versucht wurde, Druck auf unsere Redaktion auszuüben, um Artikel zu verhindern bzw. zu verbieten – so unter anderem mit der Androhung einer Einstwiligen Verfügung. Mehr dazu sicher in den kommenden Tagen auf lokalo.

    Für die Redaktion

    Eric Thielen
    Redaktionsleiter

  13. Zu Kommentar Nummer 13 kann man eigentlich nur noch den Kopf schütteln.
    Jetzt rechnet der Herr Thielen demnächst auch noch mit seinem Ex-Geschäftspartner ab – klar.
    Warum wohl???
    Wer im Glashaus sitzt…!!!
    Es kommen bestimmt wieder Zeiten, in denen es bei der eintracht mal nicht so läuft und dann ist Herr Thielen, pardon: Herr Redaktionsleiter (wen leitet er denn?) wieder da und bringt es auf den Punkt, Unabhängig. Objektiv. Ausgewogen. Null polemisch.
    Ich glaube, die fans von Herrn Thielens Artikeln werden immer weniger. Wer ihn noch nicht durchschaut hat, ist selber schuld.
    Ich bin gespannt auf die aufzuzeigenden Verstrickungen.

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