Richter-Fenster kommen: Mönche stellen sich auf Besucher ein

Mit der Ruhe in Tholey könnte es bald vorbei sein. In wenigen Monaten sollen in der Abteikirche drei Kirchenfenster des Künstlers Gerhard Richter eingebaut werden. Das stellt die Benediktinermönche aus Deutschlands ältestem Kloster vor Herausforderungen.

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Das neu eingebaute Glasbild "Satanssturz" von Mahbuba Maqsoodi in der Abteikirche Tholey. Foto: Katja Sponholz/dpa

THOLEY/NORDSAARLAND. Frater Wendelinus Naumann weiß nicht, ob es hundert oder gar tausend Besucher sein werden, die künftig täglich die Abteikirche im saarländischen Tholey besuchen. Wenn in der zweiten Jahreshälfte 2020 die drei Kirchenfenster des Künstlers Gerhard Richter eingebaut sind, sei allerdings wohl «mit erheblichem Zuspruch zu rechnen», sagte er am Mittwoch im Benediktinerkloster. «Wir wissen ja von anderen Projekten, wie allein der Name Richter wirkt.» Gerade am Anfang werde «der Zauber des Neuen» sicherlich sehr groß sein.

Das Benediktinerkloster zu Tholey, das 634 n.Chr. erstmals erwähnt wurde und als das älteste Kloster in Deutschland gilt, stelle dies sowohl logistisch wie auch inhaltlich vor Herausforderungen. Etwa, was das Problem der Parkplätze angehe. «Da brauchen wir Hilfe, unsere Flächen sind begrenzt und unsere Kapazitäten auch», sagte Naumann. Umso dankbarer sei er, dass der Gemeinderat Tholey gerade dem Bau von 242 neuen Parkplätzen zugestimmt habe.

Doch es komme noch eine zweite Frage hinzu: «Wie gehen wir als Konvent mit all dem um?», so der 47-Jährige. «Wir hatten bisher ein sehr beschauliches Leben, was zum Monastischen gut passt. Aber gleichzeitig beklagen wir auch, es könnten sich mal ein paar Menschen mehr fürs Kloster interessieren oder für den Glauben.» Die große Herausforderung sei, wie man dies nun miteinander in Einklang bringen könne. «Es gibt viele Konzepte und es finden viele Gespräche statt.» Der Zeitrahmen sei sehr eng, weil zwischen September und November die Eröffnung sein werde – «und bis dahin muss man zu Lösungen gekommen sein.»

Die millionenteure Renovierung der Abteikirche im Benediktinerkloster geht derweil weiter. Frater Wendelinus präsentierte erste Kirchenfenster, die von der afghanischen Künstlerin Mahbuba Maqsoodi in München angefertigt wurden. Neun der insgesamt 34 Fenster mit Szenen und Personen aus dem Alten und Neuen Testament sind bereits installiert. «Wir sind überglücklich, den Weg gegangen zu sein», so der Benediktiner mit Blick auf den Wettbewerb zur Gestaltung der Fenster. Als besonders spektakulär entpuppt sich bereits das Westfenster vom Satanssturz, das auf das Lukas-Evangelium zurückgeht. Viele Handwerker, so beobachtete der Mönch, hätten innegehalten und seien von dem Kirchenfenster fasziniert gewesen.

Die gotische Abteikirche wird seit mehr als zwei Jahren renoviert. Neben den technischen Notwendigkeiten wie Erneuerung der Elektrik, Beleuchtung und Beschallung, der aufwendigen Reinigung des Sandsteins und Sanierung der Orgel geht es laut Naumann auch darum, die «Sprachfähigkeit der christlichen Botschaft» bei der Gestaltung zu erlangen. Von den ersten Ergebnissen zeigte sich der Benediktiner begeistert. Das bisherige dunkle und eher düstere Gebäude gehöre der Vergangenheit an, nun herrsche eine «helle, freundliche, Menschen froh stimmende und nicht bedrückende Raumwirkung».

Die drei Richter-Fenster sollen am 6. März in München vorgestellt werden. Die ursprüngliche Zeitplanung sieht vor, dass sie im Juni in Tholey eingeweiht werden.

Der 88-jährige Richter, der als einer der wichtigsten Gegenwartskünstler gilt, hat den in Tholey lebenden elf Mönchen seine Kunst geschenkt. Er hatte zuvor schon ein Fenster für den Kölner Dom entworfen, das 2007 eingeweiht wurde.

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