Städtische Eigentumswohnungen: Sanierungsstau wird mit der gbt angepackt

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In der Magnerichstraße in Trier-West hat die gbt bereits städtische Wohnungen saniert – die Modernisierung der Gebäude wird hier mit der neuen Gesellschaft fortgeführt. Foto: Stadt Trier

TRIER. 826 Wohnungen befinden sich im Eigentum der Stadt, davon sind rund 700 zu sanieren, da sie zum Teil in einem desolaten Zustand sind. Über 70 Millionen Euro kostet die Sanierung dieser Wohnungen – für die Stadt mit ihrer angespannten Haushaltslage nicht zu realisieren. Um diese Herausforderung zu meistern, hat sich die Stadt nun einen erfahrenen Partner zur Seite geholt.

Gemeinsam mit der Wohnungsbau und Treuhand AG (gbt) gründet die Stadt die Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Trier“ (WiT), deren Zweck es ist, die städtischen Wohnungen zu sanieren. In nicht-öffentlicher Sitzung hatte sich der Stadtrat vergangene Woche für die gbt als Partner ausgesprochen, wie OB Wolfram Leibe bei einer Pressekonferenz berichtete. Die gbt hält 51 Prozent der Anteile an der Gesellschaft, die Stadt 49 Prozent.

OB Leibe machte deutlich, worum es ihm geht: „Wir entziehen uns unserer Verantwortung nicht. Zwar gehört Wohnungsbau zu den sogenannten freiwilligen Leistungen einer Stadt, aber es geht um ein elementares Gut, das Wohnen, und damit auch um soziale Gerechtigkeit.“ Vor dem Hintergrund der Fördermöglichkeiten von Bund und Land sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um diesen Weg zu gehen, sagte Leibe. Auf die europaweite Ausschreibung für den Kooperationspartner der Stadt gab es zwei Bewerbungen. Aufgrund ihrer regionalen Expertise freut sich Leibe, dass die gbt den Zuschlag erhalten hat.

Mit der gbt hat sich die Verwaltung einen Partner an Bord geholt, der bereits vielfältige Erfahrungen bei der Sanierung städtischer Wohnungen hat. So hat das Unternehmen für die Stadt bereits Objekte in der Magnerichstraße in Trier-West und in Mariahof saniert. An diesen beiden Standorten wird die gbt die Sanierung weiterer Wohnungen in diesem Jahr fortsetzen, neu hinzu kommt ein Teil des Burgunderviertels in Kürenz. In der ehemaligen französischen Wohnsiedlung entsteht ein innovatives Wohnquartier.

Die gbt verfügt über rund 3200 eigene Wohnungen und verwaltet circa 3000 Wohnungen für Eigentümer. Wie gbt-Vorstand Dr. Stefan Ahrling informierte, investiert das Unternehmen seit Jahren erhebliche Beträge in den eigenen Bestand, 2019 waren es 6,6 Millionen Euro. Dadurch, dass die gbt über eigene Wohnungen im gesamten Stadtgebiet verfügt, kann den Mietern während der Sanierung Ersatzwohnraum möglichst im eigenen Quartier zur Verfügung gestellt werden.

Stadt bleibt Eigentümerin

OB Leibe betonte eines ganz klar: „Die Stadt bleibt Eigentümerin der Wohnungen.“ Für die Mieter ändert sich also nichts, Mietvertragspartner bleibt die Stadt. Man habe mit dem sogenannten „Nießbrauchrecht“ einen neuen Weg eingeschlagen, so Leibe. Dem Grunde nach bezeichnet diese Rechtsform, dass jemand Anteil an einem fremden Gut hat und aus diesem in irgendeiner Form Profit zieht, ohne selbst Eigentümer der Sache zu sein. Die Stadt räumt der WiT ein entgeltliches „Nießbrauchsrecht“ am städtischen Wohnungsbestand mit einer Laufzeit von 24 Jahren ein. Danach überträgt die WiT der Stadt die modernisierten Wohnungen gegen Zahlung eines Wertausgleichs oder die Gesellschaft bleibt weiter bestehen.

Was den weiteren Zeitplan angeht, muss zunächst die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion der Gründung noch zustimmen. Ziel ist, diese noch im ersten Quartal 2020 zu vollziehen und den Aufsichtsrat zu bestimmen.

Die Fraktionen im Stadtrat begrüßten die Gründung der Wohnungsbaugesellschaft außerordentlich. Einzig die Linken sehen sie teilweise kritisch, da es sich nicht um eine rein städtische Wohnungsbaugesellschaft handele und der Wohnungsnotstand dadurch nicht gelöst werden könne.

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