Debatte um billige Lebensmittel

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Foto: dpa-Artikel

BAD KREUZNACH. Der rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) hat vor Vereinfachungen im Streit um Billigangebote für Lebensmittel in Supermärkten gewarnt. «Das mit den Erzeugerpreisen ist eine echte Herkulesaufgabe», sagte Wissing am Montag in Bad Kreuznach. Es genüge nicht, einfach zu sagen, die Preise in den Märkten seien zu niedrig. Es helfe auch nicht, mit dem Finger auf den Handel zu zeigen. Handelsunternehmen seien abhängig von Marktpreisen und müssten sich der Nachfrage anpassen. Zudem kauften die Handelsketten in der Regel nicht direkt bei Landwirten ein.

Am Montag hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin mit Vertretern von Handel und Ernährungsindustrie getroffen. Sie rief den Handel zu fairen Bedingungen für die Bauern auf. Dafür ziele die Politik nicht auf staatlich verordnete Mindestpreise. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) kündigte ein gemeinsames Treffen mit Handel und Landwirtschaft an. Das Ministerium will unter anderem eine «Beschwerdestelle» einrichten, bei der Erzeuger Probleme und Dumpingpreise melden können. Zudem soll es eine «Kommunikationsallianz» von Bauern und Handel zur Wertschätzung von Lebensmitteln geben, die sich laut Klöckner auch im Preis ausdrückt. Eine EU-Richtlinie, die Praktiken von Händlern zulasten kleinerer Lieferanten verbietet, soll schnell umgesetzt werden.

Bauernpräsident Joachim Rukwied nannte das Handels-Treffen in Berlin einen «ersten wichtigen Schritt». Auch die Richtlinie habe aber Lücken, viele Probleme blieben damit ungelöst, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). Der Bundesverband des Lebensmittelhandels und der Handelsverband Deutschland betonten, die Branche sei bereit, den Anteil regionaler Produkte zu steigern.

2 KOMMENTARE

  1. Welche Rolle spielen eigentlich die landwirtschaftlichen Genossenschaften dabei? Eigentlich sollten sie doch durch Zusammenschluss die Bauerninteressen „auf Augenhöhe“ mit dem Handel vertreten. Gelingt ihnen offensichtlich nicht.

    • Das Genossenschaftsrecht sagt, eine Genossenschaft (wie etwa die Sparda Bank e. G.) darf keine Profite machen, sondern muss alle Gewinne an ihre Mitglieder ausschütten. Deshalb sind Sparda-Kunden auch keine Kunden, sondern Mitglieder bzw. Genossen, die eine Einlage leisten und hierauf Dividende erhalten.
      Unter anderem auch die Raiffeisen-Genossenschaft hatte es mindestens 2 Jahrzehnte so gemacht: Die Filialen wie z. B. die Raiffeisen in der Ruwerer Straße sind Genossenschaften, aber ihre Dachorganisation war die DRWZ GmbH in Frankfurt (FFM, die AWO-Skandalstadt). Eine GmbH darf sehr wohl Gewinne machen, was sie etwa mittels Markennutzungsrechten und Preisgestaltung bei der Warenvermittlung an die genossenschaftlichen Filialen auch schafft. Raiffeisen ist auch in Luxemburg, da darf der Quartalsüberschuss natürlich auch gern hin.
      Letztendlich werden Kartoffeln, Äpfel, Weizen, Milch, Biodiesel etc in die Städte geliefert und die Bauern kriegen dafür ein wenig mediales Entertainment von den Städtern bereitet als Vergütung. Kein Produktionsarbeiter, kein Bauer, kein Wertschaffender wird je von Bürokraten wirklich errettet werden ( – höchstens bei Verwandschaft).

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