Winterarbeitslosigkeit trifft die Region – so viele Menschen sind in der Region ohne Job

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Symbolbild: dpa-Archiv

TRIER. Die Arbeitslosigkeit in der Region Trier ist in den letzten vier Wochen deutlich angestiegen. 10.938 Menschen befanden sich im Januar auf Jobsuche, 1.519 mehr als im Dezember. Die Arbeitslosenquote ist um 0,5 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent nach oben geklettert.

Dennoch spricht Heribert Wilhelmi, Leiter der Agentur für Arbeit Trier, von einer üblichen Entwicklung: „Für uns ist die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt ein wiederkehrendes Phänomen. Der Arbeitsmarkt reagiert nicht nur auf konjunkturelle, sondern auch auf saisonale Einflüsse.“ Mit solchen Einflüssen habe man es derzeit zu tun: „Das Weihnachts- und Silvestergeschäft im Einzelhandel und der Gastronomie ist vorüber. In Außenberufen kann bei schlechtem Wetter nur eingeschränkt gearbeitet werden. Und zahlreiche befristete Arbeitsverträge laufen klassischer Weise zum Jahresende aus. Alles Gründe dafür, dass Beschäftigte über Winter ihren Job verlieren,“ sagt Wilhelmi.

Diese Art von „Durchgangsarbeitslosigkeit“ sei aber häufig nur von kurzer Dauer und werde im Frühjahr wieder abgebaut. „Erst im Frühling wird sich dann zeigen, ob neben saisonalen Effekten auch konjunkturelle Einflüsse auf den Arbeitsmarkt einwirken. Wenn die Winterarbeitslosigkeit komplett kompensiert werden kann, war sie ein üblicher Saisoneffekt. Kann diese jedoch nicht wieder im gleichen Maße wie in den Vorjahren abgebaut werden, könnten dies die ersten Anzeichen einer konjunkturellen Eintrübung sein,“ erklärt der Arbeitsmarktexperte.

Derzeit sprechen die Zahlen jedoch eindeutig für ein wiederkehrendes saisonales Phänomen. So verwundert es nicht, dass sich im vergangenen Monat überwiegend Menschen aus dem Baugewerbe (240 neue Arbeitslosmeldungen) und aus der Gastronomie (420 neue Arbeitslosmeldungen) arbeitslos gemeldet haben. Besonders auffällig ist dieser Trend im Landkreis Bernkastel-Wittlich. „Viele Saisonbetriebe an der Mosel machen über Winter komplett dicht,“ weiß Wilhelmi. So haben sich aus dem Gastgewerbe im Kreis Bernkastel-Wittlich alleine in den letzten vier Wochen 235 Menschen arbeitslos gemeldet. Insgesamt ist die Arbeitslosenquote in diesem Landkreis in der Region am stärken angestiegen – um 0,8 Prozentpunkte, von 2,9 auf 3,7 Prozent.

Allen Menschen, die vorübergehend arbeitslos werden, aber auch Unternehmen, in denen es Phasen leerer Auftragsbücher gibt, empfiehlt der Chef der Trierer Agentur für Arbeit: „Nutzen Sie Jobpausen oder Flauten gezielt für die berufliche Weiterbildung. Eine gute Ausbildung ist der sicherste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Und das Thema des lebenslangen Lernens wird in unserer Gesellschaft im Zuge der Digitalisierung noch stärker an Bedeutung gewinnen.“ Betriebe, Beschäftigte und Arbeitsuchende sollten sich deshalb bei der Agentur für Arbeit über Weiterbildungsmöglichkeiten beraten lassen.

Die Arbeitsmarktzahlen im Überblick
In der Region Trier zählte die Agentur für Arbeit Trier im Januar 10.938 Arbeitslose. Somit waren 1.519 Menschen mehr arbeitslos als noch im Dezember und 392 mehr als im Januar 2019. Die Arbeitslosenquote ist merklich von 3,2 auf 3,7 Prozent angestiegen.

Die Bewegungsdaten, die die Zugänge in Arbeitslosigkeit und die Abgänge aus Arbeitslosigkeit bewerten, geben wichtige Hinweise zur Dynamik am Arbeitsmarkt. Mehr Zugänge als Abgänge weisen auf eine steigende Arbeitslosigkeit hin. 3.907 Menschen haben sich im Januar arbeitslos gemeldet, 2.378 Menschen konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden.

Personengruppen – jugendliche und ältere Arbeitslose, Frauen und Männer, Ausländer und Langzeitarbeitslose
Unter allen Personengruppen – egal ob Männer oder Frauen, Jüngere oder Ältere, Deutsche oder Ausländer – ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. 6.158 der Arbeitslosen sind Männer, 4.780 Frauen. Unter den insgesamt 10.938 Arbeitslosen befinden sich 1.263 Jüngere unter 25 Jahren, 2.604 Ältere ab 55 Jahren sowie 2.701 Ausländer, 684 Menschen mit Behinderung und 2.253 Langzeitarbeitslose.

Stellenangebote
Auch der Stellenmarkt mach eine kleine Winterpause. Im Januar wurden dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit 834 neue Jobs gemeldet. Das sind 56 Neuausschreibungen weniger als im Dezember. Allen Jobsuchenden in der Region Trier stehen aktuell 4.621 freie Stellen zur Verfügung. Die meisten freien Stellen gibt es in der Zeitarbeit mit 959 Ausschreibungen, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe mit 737 Angeboten und dem Handel mit 590 Jobofferten.

Unterbeschäftigung
Wer an einer Qualifizierung teilnimmt oder erkrankt ist, wird während dieser Zeit laut Gesetz nicht als Arbeitsloser gezählt. Um hier Transparenz zu schaffen, publiziert die Bundesagentur für Arbeit jeden Monat die sogenannte Unterbeschäftigungsquote. Sie bezieht zusätzlich zu den Arbeitslosen unter anderem all jene ein, die zur Erhöhung ihrer Integrationschancen arbeitsmarktpolitisch gefördert werden. Laut aktueller Datenbasis lag im Januar die Unterbeschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Trier bei 14.183 Personen. Die Unterbeschäftigungsquote ist um 0,4 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent gestiegen.

Blick in die einzelnen Regionen

Stadt Trier
Die Arbeitslosigkeit in der Stadt Trier ist im Januar deutlich angestiegen. Mit 3.370 Jobsuchenden sind 343 Menschen mehr arbeitslos als im Dezember. Besonders auffällig ist der Anstieg allerdings im Vergleich zum Vorjahr. Im Januar 2019 waren 510 Menschen weniger von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitslosenquote ist von 2019 auf 2020 um 0,8 Prozentpunkt auf 5,6 Prozent gestiegen.
Unter allen Personengruppen – egal ob Männer oder Frauen, Jüngere oder Ältere, Deutsche oder Ausländer – ist eine Zunahme der Winterarbeitslosigkeit zu verzeichnen. 2.013 der Arbeitslosen sind Männer, 1.357 Frauen. Unter den insgesamt 3.370 Arbeitslosen befinden sich 456 Jüngere unter 25 Jahren, 614 Ältere ab 55 Jahren und 2996 Ausländer. Im Vergleich zum Vorjahr ist insbesondere die Ausländerarbeitslosigkeit gestiegen. Knapp 30 Prozent aller Arbeitslosen in der Stadt Trier haben einen ausländischen Pass. Das hat damit zu tun, dass Trier als Oberzentrum eine große Anziehungskraft auch auf die Geflüchteten hat, die nach dem Wegfall der Wohnsitzauflage nun in Trier ihr Glück suchen.

Landkreis Bernkastel-Wittlich
Im Landkreis Bernkastel-Wittlich schlägt die Winterarbeitslosigkeit am deutlichsten zu Buche. 2.374 Bürger befinden sich dort auf Jobsuche, 531 mehr als im Dezember. Die Arbeitslosenquote ist innerhalb der letzten vier Wochen sprunghaft um 0,8 Prozentpunkte von 2,9 auf 3,7 Prozent angestiegen. Grund dieser Entwicklung ist insbesondere die gastronomisch geprägte Region rund um Bernkastel-Kues. An der Mosel entlang schließen zahlreiche Betriebe über die kalte Jahreszeit hinweg komplett. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass sich im Januar überwiegend Beschäftigte aus dem Gastgewerbe arbeitslos gemeldet haben.

Positiv zu verzeichnen ist, dass die Winterarbeitslosigkeit bisher etwas moderater ausfällt als im Vorjahr. Im Januar 2019 waren 52 Personen mehr auf Jobsuche. Die Arbeitslosenquote lag bei 3,6 Prozent.
Insgesamt befinden sich unter den 1.239 arbeitslosen Männern und 1.135 arbeitslosen Frauen, 247 Jüngere unter 25 Jahren, 655 Ältere ab 55 Jahren und 599 Ausländer.

Eifelkreis Bitburg-Prüm
Der Eifelkreis Bitburg-Prüm blickt auf einen robusten Arbeitsmarkt. Die Winterarbeitslosigkeit fällt mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote von 2,4 auf 2,7 Prozent moderat aus. 1.458 Menschen befinden sich aktuell im Eifelkreis auf Jobsuche, 207 mehr als im Dezember, 112 weniger als im Januar des vergangenen Jahres.
Unter den aktuell 832 arbeitslosen Männern und 626 arbeitslosen Frauen befinden sich 160 Jüngere zwischen 15 und 24 Jahren, 381 Ältere ab 55 Jahren und 347 Ausländer. 389 Menschen konnten im Januar ihre Arbeitslosigkeit beenden, 603 Personen meldeten sich erstmals oder erneut arbeitslos.

Kreis Vulkaneifel
Auch die Vulkaneifel ist von einem Abstieg der Winterarbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitslosenquote ist von Dezember auf Januar um 0,5 Prozentpunkte auf glatte 4 Prozent angestiegen. 1.366 Bürger des Vulkaneifelkreises befinden sich aktuell auf Jobsuche. Das sind 174 mehr als im Dezember, aber 46 weniger als im Januar 2019. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit dementsprechend leicht gesunken.
Von den 1.366 Arbeitslosen sind 769 Männer und 597 Frauen, darunter befinden sich 121 Jüngere unter 25 Jahren, 346 Ältere ab 55 Jahren und 250 Ausländer.

Landkreis Trier-Saarburg
Leichter Wintereinbruch auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Trier-Saarburg. Die Arbeitslosenquote ist von Dezember auf Januar um 0,3 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent gestiegen. 2.370 Menschen sind aktuell als Arbeitslose registriert, 264 mehr als vor vier Wochen, 92 mehr als vor einem Jahr. 518 Menschen konnten im Januar ihre Arbeitslosigkeit beenden, 788 mussten sich neu oder erneut arbeitslos melden.
Unter den 1.305 arbeitslosen Männern und 1.065 arbeitslosen Frauen befinden sich 279 Jüngere unter 25 Jahren, 608 Ältere ab 55 Jahren und 509 Ausländer.

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