Schreiner statt Soldaten: Neue Gewerbeflächen für Handwerksbetriebe in Trier

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OB Wolfram Leibe (l.) präsentiert gemeinsam mit Alexander Fisch (Mitte) von der städtischen Wirtschaftsförderung und Tim Hartmann von den Stadtwerken den Plan zur Umgestaltung der ehemaligen General-von-Seidel-Kaserne in ein Gewerbegebiet.

TRIER. Die Problemlage ist schnell umrissen: Der Stadt stehen wenig bis keine Flächen als Gewerbegebiete zur Verfügung – gleichzeitig ist der Bedarf da, vor allem das Handwerk boomt aktuell. Um die Nachfrage nach Gewerbeflächen bedienen zu können, präsentierte OB Wolfram Leibe vergangene Woche eine Lösung.

Treffpunkt des Pressetermins an diesem kalten Wintermorgen ist das rund zehn Hektar große Gelände der ehemaligen General-von-Seidel-Kaserne in Euren. Hier will die Stadt in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken einen attraktiven Gewerbestandort entwickeln. Für knapp 1,2 Millionen Euro hat die Stadt das Gelände von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft. OB Wolfram Leibe weiß um die Vorteile des Areals: „Es ist stadtnah und gut angebunden. Neben dem Busverkehr wird auch ein Haltepunkt der Weststrecke in direkter Nähe eingerichtet.“ Alternativen gibt es keine: „Es ist die einzige Fläche, die wir noch entwickeln können.“ Für eine Wohnbebauung sei sie nicht infrage gekommen, da sie zwischen der Bahnstrecke und der vielbefahrenen Luxemburger Straße liege, informiert der OB.

Soldaten zogen 2012 ab

Die General-von-Seidel-Kaserne wurde zu Beginn der 1950er-Jahre gebaut und war damals das Hauptquartier für die 4. Alliierte Taktische Luftflotte der NATO. Ab Ende der 1950er-Jahre waren unterschiedliche Einheiten der Bundeswehr darin untergebracht, etwa Luftwaffe- und Fernmeldeeinheiten. Hiervon zeugen noch schallisolierte Räume und die hohen Sicherheitsvorkehrungen, die auf dem Kasernengelände herrschten. Die letzten Soldaten zogen 2012 ab. Ab Herbst 2015 waren in Gebäuden und Zelten auf dem Kasernengelände Flüchtlinge untergebracht – das Land hatte dort eine Außenstelle der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende eingerichtet.

Die 35 Gebäude sind überwiegend in einem sehr schlechten Zustand, sodass voraussichtlich der Großteil davon abgerissen wird, wie Tim Hartmann, Projektleiter bei den Stadtwerken, erläutert. Nur bei wenigen lohne es sich, sie zu erhalten, so Hartmann. Mit Altlasten in Form von Bodenverunreinigungen oder ähnlichem rechnen die Verantwortlichen nicht in großem Maße. Einzig volle Benzintanks lägen in der Erde. Diese sollen leergepumpt und der Sprit verkauft werden. Geplant ist, den Gewerbepark CO

2- neutral und nachhaltig zu entwickeln, das heißt konkret: Das Abbruchmaterial soll – sofern möglich – recycelt werden und der Strom, der im Gewerbegebiet verbraucht wird, auch dort erzeugt werden.

Wie Alexander Fisch, stellvertretender Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, erläutert, soll das Gelände im Lauf des Jahres 2023 vermarktet werden. Erste Betriebe könnten sich entsprechend Ende 2023 oder Anfang 2024 ansiedeln. Zielunternehmen sind vor allem Handwerksbetriebe, aber auch Dienstleister sind vorstellbar. Die ersten Mieter stehen bereits fest: Die freiwilligen Feuerwehren aus Euren und Zewen werden gemeinsam in einem sanierten und umgebauten Gebäude untergebracht. Auch die Hundestaffel der Trierer Berufsfeuerwehr findet dort ein neues Zuhause.

OB Wolfram Leibe, der zugleich auch Finanzdezernent ist, freut sich über den neuen Gewerbestandort an der Luxemburger Straße, der auch die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt erhöhen soll.

7 KOMMENTARE

  1. Echt jetzt,
    Trier hat 1,2 Millionen Euro um eine Kaserne zu Kaufen? Na ja, bei dem Schuldanstand ist das einfach. Oder haben wieder die Stadtwerke die Schatulle öffnen müssen wie schon beim BKSZ oder Energie- und Technikpark. Wahrscheinlich wird der BER eher fertig wie der ETP.

    • 1,2 Mio.für so ein Gebiet ist ein Vorzugsschnäppchenpreis. Da hätte jeder Investor alla Adrian, Eifelhaus oder Schäfer normalerweise lächelnd das 3-5 Fache für bezahlt.
      Die Feuerwache 2 hat die Stadt(mit hohen Landeszuschüssen) bezahlt. Die Leistungen der SWT wurden auch bezahlt.
      Der Städt.Anteil am Bauhof in Kürenz wird später locker durch die Vermarktungserlöse vom alten Bauamt bzw.altem Gartenamt bezahlt. A kann sogar noch was über bleiben.

  2. Sehr geehrter Herr Leibe,

    Sie sagen dass Altlasten kaum vorhanden seien??? Man erkennt aber bereits im Vorbeifahren dass fast alle Gebäude auf dem Gelände mit den guten alten Eternitplatten (= Asbest) gedeckt sind. Ich hoffe ja sehr dass Sie nicht vorhaben diese einfach mit dem übrigen Bauschutt zu vermengen und auf dem Gelände zu vergraben. Die Entsorgung andererseits wird eine Stange Geld kosten.

    • Och, so ein paar Eternitplatten sind pipikram. Gut Plan-und Kalkulierbar. Das taucht bei jeder Sanierung von Kitas, Schulen und Feuereachen auf.Was richtig Probleme machen würde wären Sickerstoffe im Boden. Das ist damit wohl gemeint.

      • Daran dachte ich auch, insbesondere, in Bauten aus der Zeit taucht regelmässig PCP auf, krebserregend.
        Aber
        „Mit Altlasten in Form von Bodenverunreinigungen oder ähnlichem rechnen die Verantwortlichen nicht in großem Maße.“ Heisst das man hat vorab kein Gutachten eingeholt? Klingt nicht so.

        „Einzig volle Benzintanks lägen in der Erde.“ Benzin ist auch nicht ewig haltbar und einfach so hat die Bundeswehr die ja sicher nicht zurückgelassen.

        Und wie ist die vertragliche Gestaltung bezüglich der Übernahme von Altlasten? Muss das der Käufer zahlen? Sprich die Trierer Steuerzahler? Klingt alles nicht sehr professionell.

  3. Zunächst mal eine gute Investition, man verhindert, dass Betriebe in die Fläche gehen, nach Trierweiler oder Föhren aber wieder mal typisch, trierisch Kleingekläckere, ich mache was aber möglichst klein gehalten und somit nicht richtig, zum Schluss wurde was aufgezogen aber keiner nutzt es. Trier schreibe mal Gewerbeflächen für gute, grosse Unternehmen aus aber selbst Globus ist ja 2 Nummern zu groß. Somit bleibt es sehr spartanisch wie immer, siehe Trier Galerie mit 16 leeren Geschäftsräumen, das Saarparkcenter in Neunkirchen ( echt attraktiv) brummt.

    • Erstmal muss sich hier überhaupt ein Betrieb ansiedeln wollen.

      „OB Wolfram Leibe, der zugleich auch Finanzdezernent ist, freut sich über den neuen Gewerbestandort an der Luxemburger Straße, der auch die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt erhöhen soll.“

      Der Herr Leibe sollte sich mal über Dinge freuen, sobald sie eingetreten sind, nicht über Luftschlösser.
      Über die Verbesserung der Zuganbindung nach Metz freut er sich ja auch, die komme aber frühestens 2024.

      Nicht dass am Ende dann wieder eine Abstellfläche für Alteisensammler draus wird.

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