Bald in ganz RLP: Zentrale Notruf-Stelle soll Polizeiarbeit noch besser machen

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Andreas Arnold

MAINZ. Mainz zeigt jetzt schon, wie es künftig im ganzen Land gehen soll. Notrufe bei der Polizei gehen nur noch im zuständigen Präsidium ein. Dort wird zentral geplant und koordiniert. Die Umstellung kostet Millionen, soll aber im Alltag und bei komplexen Einsatzlagen helfen.

Mit einem zentralen Management der auf der Nummer 110 bei der Polizei eingehenden Notrufe soll die Polizeiarbeit künftig in Rheinland-Pfalz noch effektiver koordiniert werden. Am Donnerstag stellten im Mainzer Polizeipräsidium Innenminister Roger Lewentz (SPD) und Polizeipräsident Reiner Hamm das Konzept vor. Dort ist es in den vergangenen Jahren getestet worden, bis 2025 werden die anderen Präsidien nach und nach folgen – erst Koblenz bis Ende 2022, dann Trier 2024 und Kaiserslautern sowie Ludwigshafen bis Mitte 2025.

Kern des zentralen Notruf- und Einsatzmanagements ist, dass Notrufe nicht mehr in sämtlichen Dienststellen eingehen, sondern ausschließlich im jeweiligen Präsidium landen. Das soll eine bessere Koordination aller in einer Region verfügbaren Kräfte ermöglichen, die Koordination bei sich über größere Gebiete erstreckende Einsätze verbessern und Dienststellen in der Fläche von Telefondiensten entlasten. «Mit den veränderten organisatorischen Strukturen verbessert sich die Einsatzfähigkeit der Polizei», befand Lewentz.

Allein im Mainzer Präsidium, das für rund 800 000 Menschen in Rheinhessen, dem Kreis Bad Kreuznach und in Teilen des Donnersbergkreises zuständig ist, gehen im Schnitt etwa 400 Notrufe pro Tag ein. Um die Masse bewältigen zu können, musste die Zahl der Beamten im Wechselschichtdienst in der Notrufzentrale von 25 auf 45 erhöht werden. Wenn 2025 alle Präsidien nach diesem Prinzip arbeiten, dürften Lewentz zufolge bis zu 80 Kollegen zusätzlich in den Führungszentralen arbeiten. Im Mainzer Hauptraum können gleichzeitig bis zu acht Polizisten ihren Dienst tun. «Sollte ein amerikanischer Präsident Mainz besuchen, ist es hier voll», scherzte Lewentz.

Polizeipräsident Hamm nannte die Führungszentrale den «Maschinensaal oder das Herzstück» des Präsidiums. Hier brauche es erfahrene Kollegen, die entscheidungssicher seien und Situationen fundiert einschätzen könnten. Zudem benötigte die in der Form seit Ende 2016 existierende Mainzer Führungszentrale neue Technik, Räume mussten umgebaut werden. Rund vier Millionen Euro flossen dafür.

An der Wand hängt eine lange Reihe an Flachbildschirmen, von jedem Arbeitsplatz im Raum können sie angesteuert werden, um dort etwa Übersichtsaufnahmen eines Tatorts, Karten, Aufnahmen aus einem Hubschrauber oder anderes einzublenden. An den Einsatzleittischen können per Knopfdruck Direktleitungen beispielsweise zu Feuerwehr oder Rettungsdienst angewählt werden. Wie wichtig eine fixe, umfassende Koordination sei, habe etwa die mehrere Stadtteile betreffende Amoklage 2016 in München gezeigt, sagte Lewentz. «Das sind Szenarien, auf die wir uns auch hier vorbereiten müssen.»

Dass heutzutage recht viele Notrufe eingehen, liegt auch daran, dass Menschen permanent mit ihren Smartphones unterwegs sind. Früher sei bei einem Unfall auf einer Autobahn ein Zeuge zu einer Notrufsäule gefahren und habe sich gemeldet, erklärte Hamm. Heutzutage gehe eine ganze Reihe Notrufe von Handys aus ein. Das könne kleinere Dienststellen überlasten. Wenn diese fortan keine Telefondienste mehr bereitstellen müssten, könnten mehr Kollegen draußen unterwegs sein.

Dittmar Fuchs, Leiter der Abteilung zentrale Technik beim Polizeipräsidium Einsatz, Logistik und Technik (ELT), sagte, die neue Führungszentrale ergänze sich mit dem zunehmend mobilen Arbeiten der rheinland-pfälzischen Polizei. Im Zuge dessen sollen laut Innenministerium bis Ende 2021 alle Polizisten im Streifendienst und im Kriminaldauerdienst ein persönliches Smartphone bekommen, insgesamt 4800 werden im Land verteilt, zudem rund 500 Laptops. Mit den Geräten können schnell Fotos gemacht, mit eigens entwickelten Apps Personen- und Fahrzeughalterdaten abgefragt und Vorgänge von unterwegs im polizeilichen Bearbeitungssystem angelegt werden.

(Von Christian Schultz (Text) und Andreas Arnold (Foto), dpa)

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