Freie Apothekerschaft plant Petition gegen Kassenbonpflicht

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Foto: dpa-Archiv

HERXHEIM. In der Diskussion über die Kassenbonpflicht hat die Freie Apothekerschaft eine Petition beim Bundestag gegen die neue Regelung angekündigt. «Die Bevölkerung wird durch die Bonpflicht als Finanzkontrolleure missbraucht», sagte Vorstandsmitglied Reinhard Rokitta am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Zudem entstehe eine Unmenge Abfall. «Wir reden über Umweltschutz und produzieren hier Milliarden von Bons, die teilweise als Sondermüll entsorgt werden müssen», meinte er. Die Menschen wollten die Bonpflicht offensichtlich nicht. «Verantwortungsbewusste Politiker müssen auch Entscheidungen revidieren, wenn sie nicht in die Zeit passen.»

Die seit Januar geltende Bonpflicht ist Teil eines bereits Ende 2016 beschlossenen Gesetzespakets, mit dem der seit Jahren grassierende Steuerbetrug an Ladenkassen eingedämmt werden soll. Der Staat verliert hohe Summen, weil Unternehmen ihre Umsätze mit manipulierten Kassen, Schummelsoftware oder fingierten Rechnungen nicht oder falsch erfassen – vor allem in der Gastronomie und in anderen Branchen mit hohem Bargeldanteil. Die Steuergewerkschaft und einige Bundesländer bezifferten den Schaden in der Vergangenheit auf jährlich etwa zehn Milliarden Euro. In Staaten wie Österreich, Italien, Portugal, Schweden, Slowenien und Tschechien gilt die Bonpflicht laut dem Bundesfinanzministerium schon länger und funktioniere auch.

Die Freie Apothekerschaft hofft nach eigenen Angaben, dass der Handel bei der Petition mitziehe und innerhalb von vier Wochen die 50 000 Unterstützer erreicht werden, die im Regelfall zur Behandlung im Petitionsausschuss nötig sind. Die Unterstützerzahl wirkt sich aber grundsätzlich nicht auf die parlamentarische Prüfung einer Petition aus, für den Umfang der Prüfung ist allein das Anliegen entscheidend.

Der 2010 gegründete Verein Freie Apothekerschaft mit Sitz in Herxheim (Rheinland-Pfalz) hat nach eigenen Angaben derzeit 170 Mitglieder.

7 KOMMENTARE

  1. Wieso werde ich eigentlich den Verdacht nicht los, dass diejenigen die jetzt wegen den Pflicht-Kassenbons rum possaunen (Bäcker, Metzger, Handwerker und jetzt noch Apotheker) auch diejenigen sind, die bisher vielleicht nicht alles ordnungsgemäß in die Kasse getippt haben?
    In keinem Artikel konnte ich irgendwo lesen, dass Aldi oder Lidl ein Problem mit den Bons hätten. Warum auch? Die machen das schon immer. Nicht weil es Pflicht wäre oder dem Kunden nützt sondern weil dahinter die gesamte Logistik abgebildet ist. Nur über ordnungsgemäße Verbuchung in der Kasse weiß der Konzern schließlich was wo in welcher Menge über das Band gezogen wurde und was dementsprechend wieder nachgeliefert werden muss.
    Schon merkwürdig, dass ausgerechnet diejenigen jetzt jammern – und die Umwelt vorschieben – die traditionell sehr erfinderisch sind wenn es um flexibelen Umgang mit dem Finanzamt geht.

    • @Manuel:Weil Sie nicht verstanden haben warum es geht!!! Seit Jahren kann schon jeder Kunde einen Bon ausgedruckt bekommen, 95 -98% wollen aber bei kleinbeträgen keinen Bon!!! Und genau für diese ca.95% werden Papier und andere Resourcen verschwendet! Wieso glauben Sie eigentlich,dass jeder der diesen Bon-Unsinn kritisiert ein Steuerhinterzieher ist! Haben Sie eigentlich schon mal Steuern bezahlt? Wahrscheinlich tanken und kaufen Sie auch regelmäßig in Luxemburg ein! Und wahrscheinlich auch über die Freimenge hinaus, aber ist nur ne Mutmaßung, so wie Ihre Mutmaßungen!

      • Warum sollte ich? Die Freimengen sind völlig ausreichend.

        Aber zurück zum Thema:
        Mit dem Pflichtbon will der Gesetzgeber sicherstellen, dass der Geschäftsvorfall ordnungsgemäß in die Kasse eingegeben wurde. Nur dann kommt nämlich ein korrekter Beleg raus. Der beliebte Bin auf dem „Zwischenrechnung“ steht ist damit Geschichte. Ebenso wie die Praxis Einnahmen einfach gar nicht einzutippen oder nur einzugeben um die Kasse rechnen zu lassen danach aber ein Sofortstorno zu drücken. Die Möglichkeiten sind bisher einfach endlos.
        Da wird in der Gastronomie einfach mal auf „außer Haus“ gebucht womit dann statt 19% nur 7% USt fällig sind. Da das Brutto gleich bleibt erhöht das unweigerlich den Ertrag.
        Wenn man sich auf so manchem Beleg die fortlaufend vorgeschriebenen Belegnummern ansieht, dann kommen einem schon Zweifel, ob da wohl alles mit rechten Dingen zugeht.

        Außerdem kann der Händler den vorgeschriebenen Bin auch digital übergeben. Damit hat sich das Argument mit dem Papier dann schon erledigt. Das wird ohnehin nur vorgeschoben.

        • Alles das geht auch digital!! Absoluter Nonsens und umweltschädlich! Wieder mal ein Thema was dem SPD-Finanzministerium viele Pluspunkte bringt! Naja is ja nicht mehr lange,da hilft auch das windradbürgergeld nicht mehr!

  2. Manuel, Abrechnung und Lagerhaltung, Besteuerung usw. geht elektronisch, auch ohne einen Bon, egal bei wem. Ich möchte für 10 Brötchen keinen Bon bekommen.

  3. Ich sammle alle diese Bons und wenn die Tüte mal wieder voll ist, entleere ich sie in den Briefschlitz des Finanzamts Trier.

  4. an Locafox ist die DDVG mit 47,8% beteiligt (Hersteller von Kassensystemen) Die DDVG ist eine 100%ige Tochter der SPD. Die SPD ist eine Konzernpartei u.a. ist sie an ca 40% der deutschen Zeitungsverlage und ca 70% an Zeitschriftenverlagen beteiligt. Aus der Parteienfinanzierung bekommt die SPD immer weniger Geld, Großspenden lassen nach, also müssen neue Geldquellen erschlossen werden.
    Manipulationen an Kassen sind weiterhin möglich, ob mit oder ohne Bon.

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