Prozess untersucht Geschäfte mit illegaler Netz-Plattform

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BAD KREUZNACH. Wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und anderer Delikte muss sich in Bad Kreuznach ein 34-jähriger Mann verantworten, der die Internet-Plattform «Fraudsters» mitbegründet haben soll. Der Prozess vor dem Landgericht der rheinland-pfälzischen Stadt begann am Montag mit der Verlesung der Anklage, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte.

Dem Mann, der Anfang Juli in Pinneberg in Schleswig-Holstein festgenommen wurde und seitdem inhaftiert ist, wirft die Staatsanwaltschaft auch Beihilfe zu Straftaten, Drogenhandel und illegalen Waffenbesitz vor. Insgesamt gehe es um 113 Fälle, sagte die Gerichtssprecherin. Davon entfielen 109 Fälle auf die Beschuldigung der Beihilfe.

Der Angeklagte soll im März 2016 zusammen mit anderen die Netzplattform «Fraudsters» gegründet haben. Das Forum mit Bezug zu dem englischen Begriff für «Betrüger» wurde Anfang April 2019 abgeschaltet. Der 34-Jährige soll das Forum als Administrator, also als technischer Leiter betrieben haben.

Auf der Plattform soll es zum einen um den Austausch von Tipps für Straftaten im Internet gegangen sein. Zum anderen soll ein als «Blackmarket» (Schwarzer Markt) bezeichneter Bereich dem Handel mit illegalen Waren oder mit unrechtmäßig erlangten Daten gedient haben. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz nannte falsche amtliche Ausweise, Falschgeld, Betäubungsmitteln, verschreibungspflichtige Medikamenten, Kreditkartendaten sowie Daten von Nutzerkonten für die Shopping-Plattform Amazon und den Bezahldienst Paypal.

Die Zuständigkeit des Landgerichts Bad Kreuznach habe sich daraus ergeben, dass Waren auch an Packstationen in dieser Stadt geliefert worden seien, sagte die Gerichtssprecherin. Bei «Fraudsters» waren zeitweise 30 000 Nutzer registriert, wie Staatsanwalt Jürgen Brauer von der Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz nach der Festnahme des Angeklagten mitteilte. Es sei dort alles verfügbar gewesen außer Kinderpornografie und Mordaufträge. Die Ermittlungen erstreckten sich demnach auf den Verdacht der Beihilfe in insgesamt mehr als 1700 Fällen zu Betäubungsmittelstraftaten, Datenhehlerei, Urkundenfälschung und Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz.

Die Plattform war unter anderem über das sogenannte Darknet erreichbar, einem Bereich im Netz, der über eine Anonymisierungssoftware zugänglich ist. Die ersten Ermittlungen begannen nach Angaben des Staatsanwalts bereits 2016.

Der Angeklagte wird beschuldigt, in einer Art Treuhandmodell Geld in der digitalen Währung Bitcoin entgegengenommen und dann weitergeleitet zu haben. Dabei sei eine Gebühr von fünf Prozent des Transaktionswertes an den Angeklagten und die anderen Betreiber fällig gewesen. Eine weitere Einnahmequelle soll die Schaltung von Werbung gewesen sein. Der Prozess wird am 10. Januar fortgesetzt. Weitere Termine sind zunächst bis Mitte März angesetzt.

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