Zufall gepaart mit einer gezielten Förderung: Berufsperspektive für Rollstuhlbasketballer Patrick Dorner

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TRIER. Gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden, ist heutzutage in fast jeder Branche schwierig. Das weiß auch Thomas Thyssen von der Hausverwaltung Plus in Trier. Um seinen Immobilienbestand von rund 1.000 Wohneinheiten in der Region Trier, Wittlich und Luxemburg managen zu können, stehen dem Verbandsmitglied der Immobilienverwalter Rheinland-Pfalz/Saarland e.V ausschließlich qualifizierte Mitarbeiter zur Seite: „Alle meine Mitarbeiter greifen auf eine über zehnjährige Berufserfahrung in der Immobilienbranche bzw. der Buchhaltung zurück. Seit Sommer 2017 wird unser fünfköpfiges Team durch einen Auszubildenden zum Kaufmann für Büromanagement unterstützt,“ erklärt Thyssen. Zwei Mitarbeiterinnen über 50 – eine in der Buchhaltung, eine im Sekretariat – verfügen über jeweils mehr als zehn Jahre Berufserfahrung in der Hausverwaltung. Eine weitere Mitarbeiterin ist als Reinigungskraft in den zu bewirtschafteten Gebäuden eingesetzt.

Deshalb war es auch alles andere als selbstverständlich, als vor einigen Wochen der frisch gebackene Ausbildungsabsolvent, Patrick Dorner, zu dem eingespielten Team dazu stieß. Und das in zweifacher Hinsicht. Erstens: Als Fachkraft für Büromanagement ist er Quereinsteiger in der Immobilienwirtschaft. „Das geht nicht nur durch Learning on the Job“, weiß Arbeitgeber Thomas Thyssen. „Auch eine intensive Einarbeitung und ein diszipliniertes Eigenstudium sowie externe Schulungen sind für unseren Branchenneuling zwingend erforderlich.“ Zweitens: Der heute 21-Jährige leidet an einer angeborenen neuralen Fehlbildung im Rückensegment und ist deshalb für die Bewältigung längerer Strecken auf einen Rollstuhl angewiesen. Dies hindert den begeisterten Rollstuhlbasketballer, der bereits auf eine beeindruckende Laufbahn unter anderem als Vize-Europameister in der U22-Nationalmannschaft und Zweiter bei den Deutschen Meisterschaften der Junioren zurückblicken kann, jedoch nicht daran, neue Wege einzuschlagen. Denn durch den Wechsel zu den Doneck Dolphins in Trier stehen neben dem Wohnortwechsel, dem Berufseinstieg, der Unabhängigkeit von den Eltern und der Vereinbarkeit von sportlicher und beruflicher Karriere, gleich mehrere Herausforderungen an.

„Um das alles unter einen Hut zu bringen, bedarf es viel Engagement, Flexibilität und Toleranz auf beiden Seiten, bei Arbeitgeber und Arbeitnehmer,“ weiß Torsten Dellwing, der als Experte der Agentur für Arbeit, Unternehmen bei der Einstellung von Menschen mit Behinderung berät. Zusammengebracht hat der Zufall Patrick Dorner und Thomas Thyssen. Bei einer Wohnungsanmietung haben sie sich kennengelernt. Unternehmer Thyssen konnte sich den Rollstuhlbasketballer mit seiner ruhigen und sachlichen Art direkt gut als neuen Büromitarbeiter vorstellen. Im gemeinsamen Gespräch mit Arbeitsvermittler Dellwing einigte man sich dann auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag in Teilzeit mit einer zweijährigen finanziellen Unterstützung durch die Arbeitsagentur.

Für den Immobilienverwalter steht bei Patrick Dorner nicht die körperliche Beeinträchtigung, sondern das geistige Leistungsvermögen im Vordergrund. Der Arbeitgeber kommt seinem neuen Mitarbeiter bei den Arbeitszeiten entgegen, so dass er nebenher auch seiner sportlichen Karriere nachgehen kann. Dadurch, dass Dorner auf den Rollstuhl angewiesen ist, wird er ausschließlich im Innendienst eingesetzt. Außendienste mit Objektbegehungen oder Handwerkertermine übernehmen andere Kolleginnen und Kollegen. Dieses Entgegenkommen weiß Patrick Dorner zu schätzen: „Jetzt muss ich mich nicht nur als ´Sportskanone´, sondern auch als ´kluger Kopf´ unter Beweis stellen,“ schmunzelt der 21-Jährige.

Weitere Informationen zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung gibt es für Unternehmen aus Trier und den Landkreisen der Region bei den Beratern der Agentur für Arbeit Trier, Ruth Sungen und Torsten Dellwing, unter Trier.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de.

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