Frostige Nächte und eisige Kälte: Wie Städte bei Kälte Wohnungslosen helfen

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Symbolfoto. Foto: dpa-Archiv

RLP/TRIER. Viele Kommunen in Rheinland-Pfalz bieten Obdachlosen im Winter Unterkunft und Beratung an. Für diese Menschen ist Frost besonders bedrohlich. Oft kämpfen sie mit gesundheitlichen Problemen.

Mit Unterkunft und Beratung wollen viele Kommunen in Rheinland-Pfalz auch in diesem Jahr obdachlosen Menschen durch die kalte Jahreszeit helfen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei ausgewählten Städten. «Niemand muss im Freien übernachten, wenn er es nicht möchte», heißt es etwa in Trier. In Landau wiederum achten Polizei und städtische Ordnungskräfte in den Wintermonaten bei ihren Streifen ganz besonders darauf, dass Obdachlose die Nacht nicht draußen verbringen.

Wer Menschen bei Minusgraden auf der Straße schlafen sieht, sollte die Behörden verständigen – diese Empfehlung geben Mediziner seit langem. Eine Übernachtung im Freien bei Frost könne lebensbedrohlich werden. Hintergrund: Oft sind Obdachlose aufgrund von Vorerkrankungen geschwächt. Viele suchten daher Schutz in Bahnhöfen, Parkhäusern oder öffentlich zugänglichen Foyers.

Viele der befragten Kommunen stellen Räume zur Verfügung, etwa Ludwigshafen. In der zweitgrößten Stadt in Rheinland-Pfalz wird eine «Kältewohnung» geöffnet, wenn um 19.30 Uhr die Temperatur unter null Grad Celsius fällt. Die beheizte Zweiraumwohnung ist etwa 32 Quadratmeter groß und mit Toilette sowie vier Betten und vier Spinden ausgestattet. «Sie ist anonym und kostenfrei nutzbar», sagt Sprecherin Sandra Hartmann. In Koblenz gibt es ein Übernachtungsheim, das obdachlosen Männern und Frauen Tag und Nacht Platz anbietet.

«Ferner bietet der Caritasverband neben der Beratung ein Wohnungslosencafé, eine ärztliche Kontaktstelle, eine Kleiderkammer sowie einen ausgebauten Sanitärbereich, in dem die Wäsche selbst versorgt werden kann», sagt der Koblenzer Sprecher Thomas Knaak. In Idar-Oberstein stellt das Ordnungsamt in Zusammenarbeit mit weiteren Organisationen kurzfristig und kurzzeitig Platz zur Verfügung.

In Landau sind Obdachlose in einer Unterkunft untergebracht, in der früher Flüchtlinge gelebt haben. «Hier sind aktuell 20 Menschen, wobei sich diese Zahl fast wöchentlich ändert. Aufnehmen könnte die Unterkunft 40 Menschen», sagte Stadtsprecherin Sandra Diehl.

«Wenn Obdachlose sich in einer hilflosen Situation befinden, in kalten Nächten schlafend auf einer Parkbank liegen, stark alkoholisiert sind und sich nicht mehr alleine helfen können, sollte niemand sich scheuen, die Feuerwehr, die Stadtverwaltung oder die Polizei zu informieren», betont Triers Sprecher Björn Gutheil. Seit Jahren habe die Hilfe für Wohnungslose einen hohen Stellenwert. Auch aus Koblenz heißt es, Polizei und Ordnungsamt hätten in der kalten Jahreszeit ein Auge auf Wohnungslose und verweisen auf Hilfsangebote.

In vielen Kommunen in Deutschland haben sich sogenannte Kältebusse etabliert. Damit fahren Mitarbeiter von Hilfsorganisationen nachts durch Großstädte und suchen Obdachlose auf. In Koblenz betreibe der freie Träger «Die Schachtel» einen solchen Bus, heißt es. Im Winter versorgt er demnach mehrmals wöchentlich Wohnungslose mit Schlafsack, warmer Bekleidung und heißen Getränken. In Trier wird aktuell über einen solchen Kältebus diskutiert. In manchen Städten wiederum gibt es eine ganzjährig gut ausgebaute Wohnungslosenhilfe, weswegen besondere Winterangebote nicht nötig sind, etwa in Kaiserslautern.

Zum Stichtag Ende September 2018 galten in Rheinland-Pfalz 7659 Menschen als wohnungslos. Das ging im Oktober 2019 aus einer Antwort von Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Steven Wink (FDP) hervor. Von den Wohnungslosen hätten 272 von ambulanten Angeboten wie einer Fachberatung Gebrauch gemacht, hieß es. Neue Zahlen gibt es nicht.

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