Essen in Luxemburg muss cooler werden

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Bildquelle: dpa-Archiv

Die Zahlen, die die Seite lessential.lu vor wenigen Tagen lieferte, sind definitiv erschreckend. Schätzungen zufolge leiden allein in Luxemburg rund fünf Prozent aller Schüler an Fettleibigkeit, während acht Prozent bereits übergewichtig sind. Dem will man entgegenwirken, doch aktuell ist den Jugendlichen gesunde Kost einfach nicht „cool“ genug. Was genau cooles Essen ist, mit dieser Frage müssen nicht nun die Experten auf dem Gebiet der Ernährungswissenschaft auseinandersetzen. Schließlich betrifft die wachsende Problematik nicht nur Luxemburg, sondern deutschlandweit werden Kinder sowie Jugendliche immer dicker. Uncoole Ernährung? Was es nicht alles gibt. Pizza und Burger machen nun mal mehr her als ein Apfel. Die Médecine Scolaire für die Sekundarstufe 2018 beschäftigt sich derzeit mit der Frage, wie man aus guten und gesunden Lebensmitteln echte Hipster machen kann – und steht dabei sicher vor einer großen Herausforderung. Der Tag „gesunde Ernährung, mehr Bewegung“ lud Lehrer aus Luxemburg zu einem Workshop ein, bei dem es nicht allein um das coole und uncoole Essen, sondern eben auch um mehr Aktivität im Alltag geht.

Auch ausreichend Bewegung ist ein Muss

Was für Erwachsene die Automaten Spiele sind, das sind für Jugendliche Gaming Apps wie Coin Master, die Playstation, soziale Medien und sonstige Technik. Die Zahl der Kinder, die sich regelmäßig an der frischen Luft bewegt, wird immer kleiner. Heute hat fast jeder Jugendliche ein Smartphone zur freien Verfügung. Auf der einen Seite sind die Eltern gefragt. Es liegt in ihrer Hand, Kinder vor die Tür zu schicken und ihnen Bewegung schmackhaft zu machen. Die guten alten Inlineskates sollen schließlich nicht einstauben, und auch ein Tag im Schwimmbad kann ganz amüsant sein. Andreas Heinz von der Uni Luxemburg erklärt: „24 Prozent der 2018 befragten Gymnasiasten gaben an, nur zwei- bis viermal pro Woche Obst zu essen, dafür aber mindestens eine Limo pro Tag zu trinken. Das sind rückläufige Trends, aber sie bleiben problematisch.“

Fehlende sportliche Betätigung nur ein Problem von vielen

An der Universität Luxemburg kommt man zu dem Ergebnis, dass der Gesundheitszustand gerade mit Hinblick auf die Ernährung nicht zuletzt vom sozialen Stand der Betroffenen abhängig ist. Kinder aus sozialschwachen Familien mit sehr niedrigem Einkommen neigen häufiger dazu, sich von Süßem zu ernähren und auf Obst sowie Gemüse zu verzichten. Doch kostet eine Portion Obst wirklich so viel mehr als die Tafel Schokolade? Durchaus, wobei man bedenken muss, dass Jugendlichen eine Tafel längst nicht genügt. Obst dagegen hat den Vorteil, länger zu sättigen. Dennoch finden es die Kids von heute uncool, sich gesund zu ernähren. In Luxemburg holt man nun die Lehrer mit ins Boot, die den Schülern die gute Kost wieder schmackhaft machen sollen. Um das zu erreichen, werden sie nun selbst auf das sensible Thema vorbereitet und lernen in Workshops alles, was man über ausreichende Bewegung und ein gesundes Maß an gutem Essen wissen muss. Ob die Portion Gemüse dadurch cooler wird, bleibt abzuwarten. Schließlich ist alles eine Frage der richtigen Sichtweise.

Jugendliche fürchten um ihr Image

Was sagen wohl die anderen Teenager, wenn statt des Burgers ein Salat im Schulrucksack steckt? Um genau solche Fragen sorgen sich Schüler zwischen 13 und 17 Jahren offenbar am meisten. Das eigene Image spielt in diesem Alter die größte Rolle. Dabei ist es vollkommen egal, ob das schlechte Essen die Gesundheit schädigt. Die Hauptsache ist doch, man wirkt cool und kann beim Pizzawettessen mit den anderen mithalten. Die gleiche Zielgruppe ist es auch, die heute die wenigste Bewegung bekommt. Der Terminkalender ist viel zu voll, als dass sich Sporteinheiten einplanen ließen. Während Kinder im Grundschulalter noch recht viel Bewegung haben, bevorzugt die Jugend das Smartphone und einen Besuch im Fastfood Restaurant. Höchste Zeit, etwas zu ändern. Man darf gespannt sein, ob die Workshops dem guten alten Apfel tatsächlich zu einem cooleren Image verhelfen.

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