Schatzkammer Trier: Audioguide jetzt auf Trierisch

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Mundart-Sänger Helmut Leiendecker hat den Audioguide in der Schatzkammer auf Trierisch eingesprochen. Besucherinnen und Besucher bekommen die Exponate nun also auch im Trierer Dialekt erläutert. Foto: Presseamt Trier

TRIER. In der Schatzkammer der Trierer Stadtbibliothek in der Weberbach werden weltweit einzigartige Schätze aufbewahrt: kunstvolle Handschriften wie der Codex des Trierer Erzbischofs Egbert, der wegen seiner Einzigartigkeit zum von der Unesco geschützten Welterbe gehört, Seltenheiten wie eine komplett und sehr gut erhaltene Gutenberg-Bibel, Kostbarkeiten wie das reich mit Gold und Edelsteinen geschmückte Evangeliar der Ada, das in der Werkstatt Karls des Großen entstanden ist, aber auch das älteste Buch Triers, das um 719 entstanden ist.

Bisher konnten historisch Interessierte, Kunst- und Bücherfreunde und Touristen sich die Stücke in der Ausstellung der Schatzkammer anschauen und sich mit einem Audio-Guide die Exponate erklären lassen – auf Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch.

Ab sofort ist dieser Audio-Guide auch auf Trierisch verfügbar, gesprochen von Helmut Leiendecker, bekannt als Sänger der „Leiendecker Bloas“, einer Gruppe, die ihre Lieder in dem in Trier gesprochenen Dialekt singt. In einer Führung präsentierte Leiendecker jetzt seine Führung durch die Schatzkammer auf Trierer Platt gemeinsam mit dem Leiter der Stadtbibliothek, Prof. Michael Embach, der Öffentlichkeit. „Eich waor komplett von den Socken wie eich dat hei gesiehn hann“, begründete Leiendecker sein Engagement für die Schatzkammer. Bis vor kurzem habe er gar nicht gewusst, dass es die Schatzkammer mit ihren einzigartigen Büchern gebe. Eine Führung mit Professor Embach habe ihn staunen lassen. „Bei dieser Führung habe man beschlossen, den Audioguide um Trierisch ergänzen.

Was wie ein Marketing-Gag klingt, hat durchaus einen ernsthaften Hintergrund. „Das ist Teil unserer Bestrebens, unsere Exponate aus der rein akademischen Ecke herauszuholen“, erklärt Embach den Sinn der Trierisch-Führung. Was in der Schatzkammer zu sehen ist, sei nicht nur interessant für Kunsthistoriker oder Büchersammler, sagte Embach, der sich vor allem mehr Besuche von Trierer Schulklassen wünscht.

Berührungsängste mit dem Trierer Dialekt-Sänger hat Professor Embach nicht: „Das sind hochgeschätzte Kulturträger und wer dem Dialekt eine Lobby verschafft, tritt ebenso für ein altes Erbe ein, wie wir, die wir Geschriebenes bewahren. Was liegt da näher, als sich hin- und wieder zusammentut? Das ernsthafte Anliegen bestätigt auch Leiendecker: „Wir wollen hier die Brücke schlagen zwischen den Trierern und den Schätzen hier, die genauso Teil unseres trierischen Erbes sind, wie unsere eigene Sprache.“ Er hoffe, dass diese Aktion dazu beitrage, die Schatzkammer in Trier bekannter zu machen.

In der Schatzkammer werden besonders kostbare Werke aus dem Bestand der Stadtbibliothek präsentiert, darunter das Ada-Evangeliar, für das derzeit bei der Unesco der Welterbe-Status beantragt ist, der Codex Egberti der bereits zum Welterbe gehört, die so genannte Trierer Apokalypse aber auch Originalhandschriften von Goethe oder Karl Marx

Die Schatzkammer in der Weberbach 25 ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Montags ist sie geschlossen. Der Eintritt kostet für Erwachsene fünf Euro, Kinder unter zehn Jahren haben freien Eintritt. Weitere Informationen online: www.stadtbibliothek-weberbach.de/Schatzkammer.

3 KOMMENTARE

  1. naja , nichts gegen Trierer Platt aber was jetzt “ salonfähig “ ist wird trotzdem in den meisten Geschäften , Ämtern etc als asozial eingestuft und nicht als seriös genommen ( für den Ur Trierer (geholt ) .
    Also Helm..bleiv bei daner Bloas , datt langt.

  2. Jetzt kommt der Ansturm! Endlich können unübersehbar große Bevölkerungsgruppen, denen jeder Museumsbesuch bisher aufgrund harter Sprachbarrieren unmöglich war, kulturelle Teilhabe auskosten.
    Hätte man ehrlicherweise auf „Marketing-Gag“ plädiert, könnte man dem Ganzen noch etwas abgewinnen, so aber ist es nur albern.

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