Trier: 44 Prozent mehr Rentner auf Stütze vom Amt angewiesen

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Foto: dpa-Archiv

TRIER. Wenn die Rente nicht reicht: Immer mehr Menschen in Trier sind neben ihren Altersbezügen auf staatliche Stütze angewiesen. Die Zahl der Empfänger von „Alters-Hartz-IV“ stieg innerhalb von zehn Jahren um 44 Prozent. Gab es in Trier 2008 noch 1.325 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, so waren es im vergangenen Jahr bereits 1.912. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Die NGG beruft sich hierbei auf Angaben des Statistischen Landesamtes. Danach erhielten in ganz Rheinland-Pfalz zuletzt rund 46.000 Rentnerinnen und Rentner Grundsicherung – 35 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Klaus Schu, Geschäftsführer der NGG-Region Trier, sieht den Trend mit Sorge – und fordert eine „rentenpolitische Kurskorrektur“. Insbesondere die von der Bundesregierung angekündigte Grundrente müsse rasch angepackt werden, um ein Ausufern der Altersarmut in der Stadt zu verhindern.

„Die amtlichen Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Denn sehr viele Menschen, die wegen Mini-Renten eigentlich einen Anspruch auf die Grundsicherung haben, schrecken aus Scham vor einem Antrag zurück“, sagt Schu. So sind nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bundesweit aktuell bereits 16,8 Prozent der Rentner von Armut bedroht. Ohne die Einführung einer Grundrente könnte das Armutsrisiko laut DIW bis zum Jahr 2039 auf 21,6 Prozent steigen – selbst bei einer weiterhin positiven Konjunkturentwicklung.

„Eine entscheidende Ursache für dürftige Renten sind niedrige Einkommen. Auch wer Jahrzehnte in einer Bäckerei oder einem Restaurant gearbeitet hat, landet im Alter oft unter der Armutsschwelle. Das liegt auch an der Praxis vieler Unternehmen, aus Tarifverträgen auszusteigen und so die Löhne zu drücken. Hinzu kommt der Trend zu Teilzeit und Minijobs“, erklärt Gewerkschafter Schu.

Hier setze die von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil geplante Grundrente an: Danach sollen die Bezüge von Menschen, die mindestens 35 Jahre lang gearbeitet haben und bei der gesetzlichen Rente trotzdem unter die Grenze von 896 Euro kommen, um bis zu mehrere Hundert Euro im Monat aufgebessert werden. „Das Modell wäre ein wichtiger Beitrag für mehr Gerechtigkeit im Rentensystem. Es würdigt die Leistung von denen, die ein Leben lang in die Rentenkasse eingezahlt haben“, betont Schu.

Ausschlaggebend sei aber, dass es dabei keine Bedürftigkeitsprüfung gebe. „Wer eine solche Prüfung fordert, trifft die Falschen, weil es in den allermeisten Fällen um Haushalte mit kleinen Einkommen geht. Eine Bedürftigkeitsprüfung steht auch dem Rentenprinzip entgegen, nach dem Beitragszahler einen individuellen Leistungsanspruch erwerben“, so Schu.

Die NGG fordert die Große Koalition auf, bei dem Thema jetzt „ernst zu machen“. Wer Jahrzehnte gearbeitet habe, habe mehr verdient als die bloße Grundsicherung. Am Ende stehe ein Stück des gesellschaftlichen Zusammenhalts auf dem Spiel. „Für Tausende Beschäftigte allein in Trier stellt sich die Frage, ob ein würdiger Lebensabend in Zukunft noch möglich ist“, warnt Schu. Diese Sorge dürfe die Politik nicht ignorieren. Sie müsse jetzt die nötigen Mittel aufbringen, um Altersarmut im großen Stil zu stoppen.

Das Bundesarbeitsministerium geht bei der Grundrente von jährlichen Kosten von etwa fünf Milliarden Euro aus. Klaus Schu: „Allein die Bankenrettung im Jahr 2008 hat den Steuerzahler rund 60 Milliarden Euro gekostet.“

4 KOMMENTARE

  1. In einem Staat, der über Steuern und Abgaben jedem ca. 50-60% des Einkommens wegnimmt, ist ein auskömmliches Leben schwer zu realisieren.

  2. Die Zahl der Rentner mit Stütze wird noch erheblich steigen, wenn dann unsere Neubürger und deren Familiennachzug ins Rentenalter kommen und von der Allgemeinheit alimentiert werden müssen.

  3. dabei wirds nicht bleiben….unser achso sozialer Staat will noch mehr , nämlich alles . Wartet nur ab wenn es kein Bargeld mehr gibt.

  4. Regt euch nicht auf. Für uns wird bestimmt gesorgt. Es wird dann eben keine Rente mehr geben aber wir dürfen dann kostenfrei in den alten Kasernen die zu „Rentnerauffanglager“ umgebaut werden, wohnen. Natürlich in 4-Bettzimmern weil Einzelunterkünfte zu teuer sind. Muss ja im finanziellen Rahmen bleiben. Unsere Verpflegung wird gesichert indem täglich eine Gulaschkanone auf dem Hauptmarkt steht die uns einmal am Tag eine warme Mahlzeit beschert. Wer da nicht aus eigener Kraft hinkommt muss sich eben was von seinen Mitbewohnern mitbringen lassen. Der Staat wird uns schon nicht im Stich lassen 🙂

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