Großeinsatz am Sonntag in Trier-Euren: 350 Menschen im Einsatz

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Foto: Ordnungsamt Trier

TRIER. Seit drei Tagen stehen jeweils zwei Mitarbeiter des Kommunalen Vollzugsdienstes (KomVD) der Stadt Trier Wache auf der Bezirkssportanlage Trier-West. Der Grund, warum die Komm-VD-Mitarbeiter sich Tag und Nacht, wahrscheinlich 120 Stunden lang, die Beine in den Bauch stehen: Sie bewachen eine Fliegerbombe, die am Dienstag, 17. September, um 12.35 Uhr entdeckt wurde. Christian Fuchs, Leiter des Trierer Ordnungsamtes, zu dem der Kommunale Vollzugsdienst gehört: „Wir stellen rund um die Uhr sicher, dass sich niemand der Bombe nähert, damit sorgen wir für die Sicherheit der Menschen hier in Euren und Trier-West, bis die Bombe entschärft wird.“

Ein Kraftakt ist der Fund des fast 80 Jahre alten Sprengkörpers nicht nur für den KomVD. Auch die freiwilligen Feuerwehren der Stadt Trier waren schon am Mittwochabend mit rund 150 Leuten im Einsatz. Damit die rund 2000 betroffenen Einwohner, die am Sonntag im Umkreis von 500 Metern um den Fundort ihre Wohnungen und Häuser räumen müssen, rechtzeitig informiert werden, opferten Ehrenamtliche der Löschzüge Euren, Herresthal, Zewen, Olewig, Kürenz, Biewer und Pfalzel ihren Feierabend und verteilten insgesamt 1700 zweisprachige Flugblätter im Evakuierungsgebiet. Auch während der Entschärfung am Sonntag werden sehr viele freiwillige Feuerwehrleute im Einsatz sein. Neben den Löschzügen aus Euren, Herresthal, Zewen, Kürenz, Biewer und Pfalzel sorgen dann auch Feuerwehrleute aus Ehrang, Irsch und Ruwer mit für die Sicherheit der Menschen in den westlichen Stadtteilen.

Und das ist noch längst nicht alles: Im Rahmen der so genannten Schnellen Einsatz Gruppe (SEG) Trier kümmern sich Deutsches Rotes Kreuz (DRK) Trier, der Arbeiter-Samariter Bund (ASB) Trier, der Malteser Hilfsdienst (MHD) Irsch und das Technische Hilfswerk (THW) Ortsverband Trier vor allem um die Betreuung und Unterbringung der betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner aber auch um die Einsatzkräfte. „Wir sind in solchen Fällen auf die Unterstützung durch die vielen ehrenamtlichen Einsatzkräfte angewiesen“, unterstreicht Triers Ordnungsdezernent Thomas Schmitt die Bedeutung dieser Organisationen. Die Trierer Polizei sorgt mit Unterstützung durch Bereitschaftspolizei und eines Hubschraubers mit insgesamt rund 75 Beamtinnen und Beamten für die Sicherheit. Aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtwerke Trier und der Stadtverwaltung (Ordnungsamt, Presseamt, Tiefbauamt/Straßenverkehrsbehörde, Servicecenter 115) werden im Einsatz sein. Alle zusammengerechnet werden rund 350 Ehren- und Hauptamtliche im Einsatz sein. Die Wichtigsten: Die zur Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) gehörenden Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz rund um Marco Ofenstein.

Gefunden wurde die mit einem so genannten Aufschlagzünder No. 30 im Heck versehene, knapp 250 Kilogramm schwere britische Sprengbombe des Typs MC („Medium Capacity“) 500 lb. (lb steht für englische Pfund) bei routinemäßigen Sondierungen im Zuge von Bauarbeiten auf der Bezirkssportanlage Trier-West. Möglicherweise stammt der Blindgänger, der mehr als 100 Kilogramm Sprengstoff enthält, von einem Angriff von sechs „Mosquito“-Bombern der 105. Squadron der Royal Air Force (RAF) am Nachmittag des 1. April 1943 auf das nur knapp 400 Meter vom Fundort entfernte Bahnausbesserungswerk. Damals kamen 25 Menschen im getroffenen Ausbesserungswerk und in Euren und Trier-West um, wie der Eurener Heimatforscher Adolf Welter recherchiert hat und in seinem Buch über die Luftangriffe auf Trier detailliert beschreibt. Jede der sechs im englischen Marham stationierten und aus Richtung Igel im Tiefflug angreifenden Bomber warf vier Bomben exakt jenen Typs ab, der jetzt gefunden wurde. Trier-West und Euren waren während des Zweiten Weltkriegs vor allem 1944 wegen der ausgedehnten Bahn-, Industrie- und Militäranlagen wiederholt Ziel von Luftangriffen.

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