Suche nach Azubis: Viele Stellen bleiben wohl frei

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Ein Auszubildender überprüft den rechten Winkel seines Werkstücks. Foto: dpa/Archivbild

Bald beginnt mit dem Start des neuen Ausbildungsjahr für Tausende junge Rheinland-Pfälzer ein anderer Lebensabschnitt. Etliche Betriebe schauen dabei in die Röhre: Sie haben Probleme Nachwuchs zu finden. vWenn am 1. August das neue Ausbildungsjahr startet, können viele Betriebe in Rheinland-Pfalz voraussichtlich keinen neuen Kollegen begrüßen. Davon geht die zuständige Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Saarbrücken aus.

Für die Betriebe ist es schwierig, junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen – wie im Falle einer Bäckerei in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dort ist der Frust beim Chef groß: «Da will keiner einen Handwerksberuf mehr machen.» Er sei immer noch auf der Suche nach einem Bäcker-Azubi ab August, sagt er. Vor Jahren hätten die Azubis noch selbstständig ihren Weg in die Bäckerei gefunden, inzwischen sei es sehr schwierig, Nachwuchs zu finden und zu halten.

Warum ist das so? Einige Berufe würden als unattraktiv gelten, erklärt eine Sprecherin der Regionaldirektion. «Natürlich spiegeln sich bei der Berufswahl Faktoren wie Gehalt, Arbeitszeit und Aufstiegsmöglichkeiten wider.» Außerdem hätten Unternehmen mit verkehrstechnisch ungünstiger Lage es teils schwer, Azubis zu finden. «Oft haben die jungen Männer und Frauen noch keine Auto und mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind die Arbeitsorte kaum zu erreichen.»

Hinzu komme noch, dass der demografische Wandel sich am Ausbildungsmarkt bemerkbar mache. Seit Jahren entschieden sich zudem viele junge Menschen eher für ein Studium als für eine Ausbildung. Diesen Eindruck bestätigt die Leiterin eines Dentallabors in Trier. «Ein großes Problem ist einfach, dass keiner mehr ein ordentliches Handwerk lernen will», sagt sie. Seit Jahren sei es für sie schwierig, Azubis zu finden. Die Zahntechniker-Azubistelle in ihrem Labor sei wenige Tage vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres noch frei.

Nicht nur im Handwerk, auch in anderen Bereichen ist die Lage angespannt. «Mitarbeiter mit abgeschlossener Ausbildung sind branchenübergreifend Mangelware», fasst die Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz zusammen. Bei einer Umfrage in diesem Jahr hätten rund 58 Prozent der Unternehmen angegeben, stark oder sehr stark vom Fachkräftemangel betroffen zu sein. An der Umfrage beteiligten sich laut IHK Koblenz insgesamt 530 rheinland-pfälzische Betriebe aus den Bereichen produzierendes Gewerbe, Dienstleistungen, Handel, Hotellerie und Gastronomie sowie aus der Baubranche.

Welche Ausbildungsberufe sind in Rheinland-Pfalz eigentlich beliebt? Im Bezirk der Handwerkskammer (HWK) Rheinhessen beispielsweise waren rund eine Woche vor dem Start des Ausbildungsjahres vor allem Azubi-Verträge für Stellen zum Elektroniker, zum Kraftfahrzeugmechatroniker und zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker unterschrieben. Einige dieser Berufe sind auch in der Region Trier hoch im Kurs. Dort sei seit Jahren die Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker, zum Elektroniker oder zum Tischler beliebt, erklärte der Geschäftsführer der HWK Trier.

In den nicht-handwerklichen Branchen hat zum Beispiel in der Pfalz die Ausbildung zum Industriekaufmann die Nase vorn. Der Beruf gelte als der hochwertigste kaufmännische Beruf, erklärt die IHK Pfalz. Die Verdienstmöglichkeiten würden als sehr gut eingeschätzt und die Arbeitsbedingungen seien angenehm. Ebenfalls oft nachgefragt seien unter anderem Azubi-Stellen zum Kaufmann im Büromanagement, im IT-Bereich, zum Industriemechaniker oder zum Mechatroniker.

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