Saarland will eine Muttermilchbank

0
Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin füllt in der neu eingerichteten Mutternmilchbank Milch ein Fläschchen. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv

SAARLAND. Das Universitätsklinikum des Saarlandes plant eine Muttermilchbank. «Profitieren davon würde die Frühchenstation», sagte der Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie, Prof. Michael Zemlin. «Mütter als Spenderinnen zu gewinnen sollte unproblematisch möglich sein.» Zur Finanzierung solle die Gründung einer Förderinitiative an der Klinik beitragen. In Hessen wird jetzt eine Frauenmilchbank eröffnet – damit gibt es sie in zwölf Bundesländern. Ohne sind nur noch Rheinland-Pfalz, Bremen, Schleswig-Holstein – und bis auf weiteres das Saarland.

«Wir versprechen uns weitere Impulse vom Stillsymposium in unserem Klinikum am 16. Oktober 2019 in Homburg», sagte Zemlin. Dieses werde in Kooperation mit dem saarländischen Hebammenverband und einem Experten der Freiburger Universitätsklinik ausgerichtet, die eine Frauenmilchbank nutze.

In Rheinland-Pfalz sind dagegen solche Pläne nicht bekannt. Die Organisation liege bei den Kliniken und Ärzten, heißt es im Gesundheitsministerium in Mainz. «Nach unseren Kenntnissen ist hierzu noch kein Wunsch nach Unterstützung an uns herangetragen worden.» Eine stetige Förderung und Verbesserung der Versorgung von Frühgeborenen sei begrüßenswert, in Rheinland-Pfalz gebe es aber sehr gute Strukturen der Früh- und Neugeborenenversorgung.

Die Idee hat eine lange Tradition: Schon vor hundert Jahren, 1919, wurde in Magdeburg die erste «Frauenmilchsammelstelle» gegründet. Mit Frankfurt gibt es 24 Frauenmilchbanken in Deutschland, 15 liegen in den neuen Bundesländern.

Frauen, die nach einer Geburt zu viel Milch haben, pumpen diese ab und spenden sie. Die Spendermilch wird vor allem für frühgeborene Kinder verwendet. Muttermilch – auch fremde – ist laut Experten für den nicht ausgereiften Magen-Darm-Trakt besser verträglich, kalorienreicher und beugt Krankheiten vor. Zur Versorgung reichen kleinste Mengen aus. Damit soll die Zeit überbrückt werden, bis die Frühchen-Mütter selbst stillen können.

In Frankfurt ist die Frauenmilchbank ein Kooperationsprojekt zwischen DRK-Blutspendedienst und Universitätsklinikum Frankfurt. Diese Art der Zusammenarbeit ist europaweit einmalig. Obwohl Muttermilch rechtlich ein Lebens- und kein Arzneimittel ist, werden die Spenden wie Blutspenden geprüft, haltbar gemacht, etikettiert und aufbewahrt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.