Politiker fassungslos über Missbrauchsvorwürfe an Uniklinik

Wer hat wann was gewusst? Diese Frage beschäftigte saarländische Landespolitiker, als es in einer Sondersitzung um die Missbrauchsvorwürfe an der Uni-Klinik ging. Nun soll ein unabhängiger Ermittler alle Verdachtsfälle untersuchen.

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Foto: Fabian Sommer/dpa-Archiv

SAARBRÜCKEN/HOMBURG. Entsetzt haben Politiker im Sozialausschuss am Dienstag auf Informationen zu den Missbrauchsvorwürfen am Uniklinikum des Saarlandes (UKS) reagiert. Das UKS habe zwar ausführlich berichtet und sei damit seinem Versprechen nachgekommen, für Transparenz zu sorgen, sagte CDU-Fraktionschef Alexander Funk am Rande der Sondersitzung. «Die Antworten hingegen lassen uns fassungslos zurück.»

Ende Juni war bekannt geworden, dass ein inzwischen gestorbener Assistenzarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKS in Homburg von 2010 bis 2014 mehrere Kinder sexuell missbraucht hat. Er soll «nicht medizinisch notwendige Untersuchungen» im intimen Bereich vorgenommen haben. Die Eltern der meist fünf bis acht Jahre alten Kinder wurden bis vor kurzem nicht informiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen der Behandlung von 34 Patienten. Nach dem Tod des Arztes 2016 wurden die Ermittlungen eingestellt.

«Es gab frühe Hinweise auf pädophiles Verhalten, denen nicht nachgegangen wurde», kritisierte Funk am Rande der nicht-öffentlichen Sitzung auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Es gab keine Kontrollmechanismen, und die gesetzliche Verpflichtung, die Behörden, die Ministerien und auch den Aufsichtsrat zu informieren, wurde nicht befolgt.» Die CDU begrüße die Ankündigung des Chefs der Staatskanzlei, dass nun ein unabhängiger Ermittler eingesetzt werde, der alle Verdachtsfälle untersuchen werde.

Mehr als zweieinhalb Stunden dauerte am Dienstag die Befragung von Vertretern des UKS. Am Nachmittag wurde zudem eine Opferanwältin gehört.

Zunächst war auch ein Bericht von Vertretern des Westpfalz-Klinikums Kaiserslautern geplant gewesen, wo der Beschuldigte von April 2014 bis 2016 gearbeitet hatte. Nach Rücksprache mit den Gesellschaftervertretern habe sich das Klinikum jedoch dagegen entschieden, sagte ein Sprecher. Zum einen könne es «wegen des eindeutigen Ergebnisses der Taskforce keinerlei inhaltliche Beiträge oder neue Erkenntnisse liefern», teilte ein Sprecher mit. Zum anderen sei die gewünschte «Abgabe eines Berichts» an das Gesundheitsministerium in Mainz bereits erfolgt.

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