Wildkatzen am Straßenrand: Naturschützer mahnen zu Vorsicht

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Die zweijährige Wildkatze "Clarence" frisst in einem Freigehege für Wildkatzen ein Eintagsküken. Foto: Swen Pförtner/Archivbild

RLP.Immer wieder tauchen in diesen Wochen in bewaldeten Gebieten kleine Katzen auf, die den Fürsorge-Instinkt von Passanten wecken. In solchen Fällen lautet die dringende Empfehlung von Naturschützern wie Karsten Tide von der Tierhilfe Pfalz: «Einfach weiterfahren und in Ruhe lassen!» Denn aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um junge Wildkatzen, die in der bis September dauernden Aufzuchtzeit neugierig ihre Umwelt erkunden.

Über einen Hinweis in den sozialen Medien erfuhr die Tierhilfe Pfalz von zwei kleinen Wildkatzen, die von Autofahrern im Donnersbergkreis Anfang Juni am Straßenrand gefunden, getrennt und mitgenommen wurden. Sie hielten die Tiere für kleine Hauskatzen. Erst nach einer Suchaktion konnten die streng geschützten Tiere ausfindig gemacht und in die Auffangstation Maßweiler gebracht werden.

Danach habe er kürzlich nachts um halb drei einen Anruf erhalten, dass «mitten im Wald jemand Katzen ausgesetzt» habe, sagt Tide. Wenn von kleinen Katzen ohne Mutter gesprochen werde, liege fast immer der Verdacht auf Wildkatzen nahe. Die Zahl solcher Anrufe habe in diesem Jahr deutlich zugenommen.

«Der Donnersberg ist bekannt für Wildkatzen», sagt die Wildkatzenexpertin Gabriele Neumann von der Naturschutzinitiative. Die Mutter der beiden Jungtiere sei vermutlich auf Jagd gewesen. «Kleine Katzen sind neugierig, sie erkunden die Umgebung.» Gegenüber Menschen seien sie in diesem Alter auch noch nicht so scheu wie später.

An den Augen lässt sich erkennen, wie alt eine Katze ist. «Solange Katzen ausschließlich Muttermilch trinken, haben sie blaue Augen», erklärt Neumann. Sobald sie Beutetiere zu sich nehmen, verändert sich die Augenfarbe in Richtung braun.»

In einer neuen Broschüre informiert Neumann über die Unterschiede zwischen Wildkatze und Hauskatze. «Einzig beim Fund von jungen Wildkatzen bei einer toten Mutter dürfen die Jungtiere mitgenommen werden», heißt es darin. In diesem Fall müsse der Nachwuchs so schnell wie möglich in eine Aufzuchtstation gebracht werden.

Ende September sollen auf einem Symposium in Neuwied-Engers die ersten Ergebnisse eines Forschungsprojekts zum Einfluss menschlicher Aktivitäten in Lebensräumen der Wildkatze vorgestellt werden. An der dreijährigen Untersuchung der Deutschen Wildtier Stiftung wirkte Neumann als Projektkoordinatorin mit. Mehr Daten über die «scheuen Samtpfoten» sammelt auch der BUND, der zusammen mit dem Landesamt für Umwelt (LfU) ein «Totfundmonitoring» betreibt.

Die beiden Katzengeschwister aus dem Donnersbergkreis sind inzwischen in einem Außengehege der Auffangstation Maßweiler (Kreis Südwestpfalz). «Es geht ihnen gut», sagt ein Tierschützer dort. Je nachdem, wie sich die beiden weiter entwickeln, sollen sie noch in diesem Jahr wieder ausgewildert werden.

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