Der Herr des Feuers geht: Trierer Feuerwehrchef sagt Auf Wiedesehen

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Herbert Albers-Hain stand fast 30 Jahre an der Spitze der Trierer Berufsfeuerwehr. 1990 kam der aus Klein-Heere in Niedersachsen stammende studierte Lebensmittelchemiker nach Trier, um die Leitung der Feuerwehr zu übernehmen.

TRIER. Ende Mai geht bei der Trierer Berufsfeuerwehr eine Ära zu Ende. Dann wird Stadtfeuerwehrinspekteur Herbert Albers-Hain (60) in den Ruhestand versetzt. Der Leiter des Amtes für Brand-, Zivilschutz und Rettungsdienst steht bereits seit 1. Juli 1990 an der Spitze der Trierer Feuerwehr – damit ist er nicht nur der dienstälteste Amtsleiter der Stadt Trier, sondern auch der am längsten amtierende Feuerwehrchef in ganz Deutschland.

Dass es ihn überhaupt nach Trier verschlagen hat, sei reiner Zufall gewesen, erinnert sich Albers-Hain. Gebürtig stammt er aus Klein-Heere in Niedersachsen, in der Nähe Hannovers. Nach seinem Studium der Lebensmittelchemie in Braunschweig absolvierte Albers-Hain eine zweijährige Ausbildung für eine Laufbahn im höheren feuerwehrtechnischen Dienst. Bei den Berufsfeuerwehren einiger großer Städte machte er während dieser Zeit Station. „Am Ende meiner Ausbildung war in Trier die Stelle des Leiters der Berufsfeuerwehr zu besetzen, ich habe mich beworben und wurde genommen.“ Trier bot ihm das, was er sich immer gewünscht hatte. Eine nicht zu große Stadt mit einem Fluss und Wald in der Umgebung. 30 Jahre später spricht Albers-Hain wie selbstverständlich von „meiner Heimat“, wenn er über Heiligkreuz redet, wo der Vater zweier Kinder wohnt. Seine Sprache erinnert noch an die Herkunft aus Niedersachsen, von wo er vor drei Jahrzehnten nach Trier kam, um die Leitung der Feuerwehr zu übernehmen.

Sein neuer Posten war für Albers- Hain „ein Sprung ins eiskalte Wasser“. Plötzlich war der frischgebackene Absolvent Chef von 90 gestandenen Feuerwehrleuten. „Glücklicherweise wurde ich sehr gut aufgenommen und unterstützt von den Kameraden“, blickt Albers-Hain zurück. Viel Zeit zum Eingewöhnen blieb allerdings nicht. „Ziemlich schnell nach Dienstantritt hatten wir einige sehr schwierige Einsätze, die uns sehr forderten“, erzählt der scheidende Leiter der Berufsfeuerwehr. An ein schwierig unter Kontrolle zu bringendes Feuer im Hofgut Mariahof und eine brennende Pizzafabrik im Industriegebiet Euren bei eisigen Temperaturen erinnert sich Albers-Hain, „das war nicht einfach.“

Überhaupt die Einsätze: Wie oft Herbert Albers-Hain in seinen 30 Dienstjahren ausgerückt ist, vermag er nicht annähernd aufzuzählen. Aber einige Ereignisse sind ihm nachhaltig in Erinnerung geblieben. Großbrände wie den einer Holzhandlung in Trier-Süd. Oder die Explosion 1992 im Trierer Hafen, bei der sich nachher herausstellte, dass Streubomben der US-Luftwaffe versehentlich in einer Schrottpresse gelandet waren. Rund 100 der Sprengkörper wurden durch die Explosion in der Umgebung verstreut, die Lage war zunächst völlig unklar. „Wir wussten nicht, fliegt uns das jetzt alles um die Ohren“, erinnert sich Albers-Hain und schüttelt noch heute den Kopf. „Ich habe damals durchaus mit dem Schlimmsten gerechnet.“

Besonders in Erinnerung sind ihm auch die Jahrhunderthochwasser geblieben. Im Winter 1993 waren die Mosel und ihre Zuflüsse über die Ufer getreten, Häuser und Ortschaften wurden überschwemmt, der Katastrophenalarm wurde ausgelöst und die Feuerwehr war tagelang im Dauereinsatz, um die Trierer und deren Hab und Gut vor den schlammigen Fluten zu retten. Im Gedächtnis geblieben ist dieser Einsatz nicht nur wegen des Rekordpegels. „Die Solidarität und Unterstützung aus der Bevölkerung waren riesengroß, das ist bei aller Dramatik auch eine schöne Erfahrung.“

Besonders ist ihm auch das Engagement französischer und amerikanischer Soldaten in Erinnerung. „Meine Männer sind Ihre Männer“, habe der Kommandeur der französischen Streitkräfte in Trier dem damaligen Oberbürgermeister gesagt, „das war schon eine außergewöhnliche und einmalige Erfahrung“.

Bei der Frage nach weniger schönen Erfahrungen wird der groß gewachsene Feuerwehrchef sehr leise. „Immer wenn Menschen ums Leben kommen, ist das schlimm, damit muss man umzugehen wissen.“ Fürchterlich sei es aber, wenn bei Einsätzen Kinder betroffen sind. „Das steckt auch ein Profi nicht so einfach weg“, gewährt er einen kurzen Einblick in das Seelenleben eines Berufsfeuerwehrmanns.

Es sind auch solche Situationen, die den Beruf des Feuerwehrmanns von anderen unterscheiden: „Wenn sie mit existenziellen Situationen konfrontiert werden, müssen sie sich absolut auf die Leute neben ihnen verlassen können“, versucht er das Besondere seines Berufs zu erklären. „Das ist mehr als Kollegialität, das ist Kameradschaft und ein wichtiges Merkmal unseres Dienstes, die Feuerwehr ist meine zweite Familie.“ Deswegen werde er die Feuerwehr „mit Sicherheit vermissen“ in seinem Ruhestand. Damit der Abschied nicht zu sehr schmerzt, hat er Pläne geschmiedet. Etliche Fernreisen stehen auf der Wunschliste. Und auch einen Törn mit einem Großsegler hat der passionierte Segler geplant.

Seinem Nachfolger hinterlässt Albers-Hain eine gut funktionierende Feuerwehr, zu der er ausdrücklich auch alle Freiwilligen Löschzüge zählt. Die Berufsfeuerwehr ist während Albers-Hains Dienstzeit von 90 auf mittlerweile rund 250 Mann angewachsen, in Ehrang gibt es eine zweite Feuerwache und der Neubau der Hauptfeuerwache in Trier liegt in greifbarer Nähe. Fragt man Albers- Hain nach Pflöcken, die er während seiner Dienstzeit eingeschlagen hat, erwähnt er all das aber nicht. Spricht man ihn auf berufliche Erfolge an, sagt er vielmehr: „In den ganzen Dienstjahren ist trotz vieler harter Einsätze und lebensgefährlicher Situationen keiner meiner Leute ernsthaft zu Schaden gekommen. Es ist am Ende das, was zählt.“

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