Fünf Tote bei Feuer in der Pfalz vermutlich alle aus Polen

Nach dem tödlichen Feuer im Pfälzerwald geht die Suche nach der Ursache weiter. Dabei muss auch geklärt werden, ob ein Rauchmelder in der Wohnung hing. Vielen sei die Bedeutung dieser Geräte nicht klar, kritisiert ein Experte.

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Das ausgebrannte Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses (Luftaufnahme mit einer Drohne). Foto: Thomas Frey / dpa-Archiv

LAMPRECHT. Die fünf Toten des Brandunglücks im pfälzischen Lambrecht stammen vermutlich aus Polen. «Wir gehen nach derzeitigem Ermittlungsstand davon aus, dass es sich bei allen Toten um polnische Staatsbürger handelt», sagte ein Polizeisprecher am Wochenende in Ludwigshafen.

Letzte Sicherheit werde es erst nach einem Gentest bei der Obduktion in den kommenden Tagen geben. In einem vierstöckigen Wohnhaus in der pfälzischen Kleinstadt war in der Nacht zum Freitag ein Feuer in der Dachgeschosswohnung ausgebrochen. Die Toten wurden laut Feuerwehr im Schlafzimmer gefunden. In der Küche nebenan brach das Feuer vermutlich aus.

Bereits wenige Stunden später hatten Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigt, dass es sich bei zwei der Toten um Männer aus Polen im Alter von 43 und 54 Jahren handelte. Die Identität der übrigen drei Opfer – zwei Frauen und ein Mann – blieb zunächst ungeklärt.

Ungeklärt ist weiterhin auch die Brandursache. «Wir warten jetzt ab, bis die angeforderten Brandsachverständigen kommen», sagte der Polizeisprecher am Samstag. Das werde voraussichtlich Anfang der Woche sein. Vermutet wird als Ursache ein technischer Defekt oder Fahrlässigkeit. Hinweise auf eine Einwirkung von außen gab es zunächst nicht. Laut Feuerwehr gab es in der Dachgeschosswohnung nach bisherigen Erkenntnissen keine Rauchmelder.

Den übrigen Bewohnern des Mehrfamilienhauses gelang in der Nacht zum Freitag rechtzeitig die Flucht ins Freie. In dem Gebäude sind insgesamt 23 Menschen polizeilich gemeldet, darunter viele Kinder.

Lambrecht richtete für die Überlebenden ein Spendenkonto ein. Die Hilfsbereitschaft sei schon jetzt überwältigend, sagte Bürgermeister Karl-Günter Müller am Samstag. Die Stadt und auch die insgesamt drei Familien, die das brennende Haus in der Nacht zum Freitag fluchtartig verlassen mussten, bedankten sich bei allen Spendern. Kleidungsstücke – darunter auch viele für Kinder – seien schon reichlich eingegangen und würden nicht mehr benötigt. Die Stadt warb auf ihrer Internetseite um die Spende von Haushaltsartikeln, Elektrogeräten und Bargeld.

Die drei Familien seien am Wochenende noch bei Freunden und Bekannten untergebracht, sagte der Bürgermeister. Zwei Familien könnten voraussichtlich ab Montag in Wohnungen der Stadt im Kreis Bad Dürkheim untergebracht werden, die dritte werde zunächst eine Wohnung in der Nachbargemeinde Lindenberg beziehen.

Nach Ansicht eines Feuerwehrexperten mangelt es in Deutschland an Kontrollen der inzwischen weitgehend flächendeckend geltenden Rauchmelder-Pflicht. «Im Moment gibt es keine Kontrollen und damit auch keine Ahndung», sagte Frank Hachemer, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, der Deutschen Presse-Agentur in Koblenz. «Es gibt keinen, der an der Tür klingelt und sagt: Guten Tag, ich überprüfe das jetzt.»

Viele Menschen seien sich der Gefahr von Bränden und der Bedeutung von Rauchmeldern nicht bewusst, erläuterte Hachemer. «Die Leute sind immer völlig überrascht, wenn sie hören, was es bedeutet, wenn es brennt.» Bei Feuer denke man erstmal an Flammen. «Das viel Gefährlichere ist aber der Rauch. Schon zwei Atemzüge können dazu führen, dass ich bewusstlos werde.»

Rauchmelder seien wichtig, um im Notfall schnell zu wecken, sagte Hachemer. Denn: «Wenn wir schlafen, ist unser Geruchssinn abgeschaltet.» Ein kleine Flamme etwa von einer Kerze könne ein normal ausgestattetes Zimmer schon in etwa drei bis vier Minuten in Vollbrand setzen. Nach Hachemers Einschätzung sind zwar mittlerweile in Deutschland die meisten Wohnungen mit Rauchmeldern ausgestattet. «Viele nehmen die Rauchmelder-Pflicht aber nicht ernst genug oder haben mal Rauchmelder gehabt und waren genervt davon.» Möglicherweise hätten sie preisgünstigere Geräte gehabt, damit könne es eher zu Fehlalarmen kommen. «Dann sind die Leute entnervt, nehmen sie ab oder die Batterie raus.»

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