Medien-Analyse zu „Rock“- Wallfahrten

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TRIER. Heilig-Rock-Wallfahrten waren immer auch ein Spiegel der gesellschaftlichen und kirchlichen Verhältnisse ihrer Zeit. Zu diesem Ergebnis kamen Studierende der Theologischen Fakultät Trier, die sich in einem Projektseminar im Fach Kirchengeschichte mit der medialen Rezeption der Heilig-Rock-Wallfahrten 1891 und 1959 auseinandergesetzt haben. Bei einem Vortrag in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier stellten sie gemeinsam mit Seminarleiter Prof. Dr. Bernhard Schneider die Ergebnisse ihrer Studien vor.

Zwischen beißender Kritik an katholischer Reliquienverehrung und einer wohlwollenden, die ökumenischen Aspekte hervorhebenden Betrachtungsweise variierte das Meinungsspektrum in Presse und Öffentlichkeit. Die Wallfahrt von 1891 stand noch unter dem Eindruck des erst wenige Jahre zurückliegenden Kulturkampfes zwischen der protestantisch-preußischen Obrigkeit und den katholischen Bevölkerungsteilen. „Dementsprechend wurde die katholische Reliquienverehrung in der protestantischen Presselandschaft scharf kritisiert“, erklärte Matthias Arnold, einer der Studierenden. Einige Medien hätten vom „Tanz um das Goldene Kalb“ und „Götzendienst“ geschrieben. Dabei habe der damalige Bischof Michael Felix Korum im Vorfeld erklärt hatte, der Glaube an die Echtheit des Heiligen Rockes sei keineswegs dogmatisch verbindlich. Die heftigen Reaktionen auf das katholische Massenereignis seien bis zu Forderungen nach einem Verbot der Wallfahrt gegangen. In der französischen Presse hingegen sei die Trierer Wallfahrt vor dem Hintergrund einer angenommenen „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschland und Frankreich betrachtet und als bewusste Konkurrenz zur im nordfranzösischen Argenteuil aufbewahrten Tunika Christi verstanden worden.

Deutlich vielfältiger sei die Berichterstattung über die Wallfahrt von 1959 ausgefallen: Das breite Meinungsspektrum habe von positiv-werbender über neutrale Berichterstattung bis hin zu beißender Kritik gereicht. Während beispielsweise der Spiegel 1959 von einem „Fetisch-Festival der Kirche“ sprach, habe es auch eine politische Interpretation des Heiligen Rockes als Einheitssymbol für das geteilte Deutschland gegeben. Von evangelischer Seite habe auch 1959 noch Kritik und Skepsis am Heiligen Rock überwogen. Doch am Vorabend des Zweiten Vatikanischen Konzils habe sich durch einzelne protestantische Stimmen bereits eine Öffnung zum ökumenischen Gedanken abgezeichnet. Die Ökumene sei schließlich bei der Heilig Rock-Wallfahrt 2012, die unter dem Leitspruch „Und führe zusammen, was getrennt ist“ stand, zu einem zentralen Motiv geworden.

Bereits zum dritten Mal haben sich Studierende der Theologischen Fakultät einem kirchenhistorischen Thema durch die spezielle Form eines Projektseminars genähert. „Die Studierenden sollen bereits während ihres Studiums Einblick in die Forschung erhalten, aber auch die allgemein verständliche Präsentation der Ergebnisse für die Öffentlichkeit gehört zu den Lernzielen einer solchen Projektarbeit“, erklärte Seminarleiter Bernhard Schneider, Professor für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit. Die Studierenden übergaben eine Dokumentation ihrer Forschungsergebnisse an Patrick Trautmann von der Bibliothek des Priesterseminars. Dort stehen die Dokumente für weitere Forschungen und zur Information zur Verfügung. (red)

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