Trier vor 100 Jahren: Als die Amerikaner nach Trier kamen – Doughboys, Pershing und Old Glory

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Soldaten und Zivilisten an der Straßenbahnhaltestelle an der Porta Nigra vor einem Plakat, das für US-Anleihen wirbt. Foto: US-Naval History and Heritage Command Photo Archives

TRIER. Nach dem Waffenstillstand, der am 11. November 1918 die Kämpfe des Ersten Weltkriegs beendete, besetzte die amerikanische Armee Trier und große Teile des heutigen nördlichen Rheinland-Pfalz. Am 1. Dezember jährte sich der Tag, an dem US-Soldaten erstmals unsere Stadt betraten, zum 100. Mal.

Es war ein ungewohnter Anblick für die Trierer am ersten Adventssonntag des Jahres 1918. Über das Kopfsteinpflaster der Luxemburger Straße marschierten tausende Soldaten stadteinwärts. Eigentlich waren die Trierer nach mehr als 100 Jahren als Garnisonsstadt im preußischen Rheinland ja an den Anblick von Soldaten und Kriegsgerät gewohnt. Militärisches war alltäglich. Und auch in den mehr als vier Jahren des Ersten Weltkriegs gehörten Soldaten in der nahe der Front gelegenen Stadt zum täglichen Leben. Etliche Kasernen, viele Lazarette, ein Flugplatz, ein Gefangenenlager und dutzende andere militärische Einrichtungen prägten 1918 das Stadtbild Triers.

Doch an diesem 1. Dezember war etwas anders als all die Jahre vorher. Die einrückenden Soldaten waren weder in feldgraue Uniformen gekleidet, noch trugen sie Pickelhaube oder den typischen deutschen Stahlhelm und auch das markante Eiserne Kreuz der deutschen Armee war nirgends zu sehen. Statt dessen flatterte „Old Glory“ groß vorneweg, eine bis dato in Trier nicht gesehene Fahne mit rot-weißen Streifen und weißen Sternen auf blauem Feld und dahinter dicht an dicht „Doughboys“ genannte Soldaten in braunen Uniformen und flachen Helmen. Die Amerikaner waren da.

Im Sonntagsstaat standen die Trierer am Straßenrand und betrachteten die Soldaten des 16. Infanterie-Regiments der ersten US-Infanteriedivision, die als Vorhut der Armee in Trier einrückten. In aller Herrgottsfrühe hatten die Amerikaner um 5.30 Uhr die luxemburgisch-deutsche Grenze bei Wasserbillig überquert und waren zu Fuß die knapp 13 Kilometer über Igel, Zewen und Euren nach Trier marschiert. Insgesamt überschritten vor 100 Jahren an Mosel und Sauer rund eine Viertelmillion amerikanische Soldaten die deutsche Grenze, besetzten Städte und Dörfer in der Eifel, im Hunsrück und an der Mosel und rückten Richtung Koblenz vor, das am 8. Dezember erreicht und okkupiert wurde. So hatten es die Kriegsparteien im Waffenstillstandsabkommen rund drei Wochen vorher vereinbart.

Keinerlei Feindseligkeiten

Wie für einen Feldzug ausgerüstet, betraten die Amerikaner Deutschlands älteste Stadt. Immerhin befand man sich mit dem Deutschen Reich formell noch im Krieg. Trotz des Waffenstillstands war sich die militärische Führung der Amerikaner nicht sicher, wie sich die deutsche Bevölkerung verhalten würde. Feindselige Handlungen schloss man keineswegs aus. Solche Befürchtungen sollten sich schnell als gegenstandslos erweisen. „Die Deutschen empfingen uns ruhig, sie stehen einfach an den Straßen und in den Städten und blicken auf unsere passierenden Truppen, aber sagen wenig. Sie zeigten keine Feindseligkeit, wenn man sie nach dem Weg fragte, und schienen sehr gewillt zu sein, alle möglichen Fragen zu beantworten“, konstatiert die offizielle Militärgeschichte.

In Trier angekommen, verteilten sich die Truppen auf die Stadt. An Verkehrsknotenpunkten, Brücken, Fähren und Bahnhöfen wurden Wachen aufgestellt, die US-Einheiten marschierten geschlossen zu den zahlreichen Kasernen im Westen und Norden Triers und bezogen dort Quartier. Auch in ehemaligen Kasinos, Hotels und Gaststätten Triers richteten die Amerikaner Clubs für ihre Offiziere und Soldaten ein. Regierungsgebäude und auch Privatquartiere wurden beschlagnahmt. Ihr Hauptquartier richteten die Amerikaner in der so genannten „Neuen Regierung“ in der Sichelstraße ein, dem späteren Katasteramt. Dort und an anderen Stellen der Stadt wehte das Sternenbanner. Für den Oberbefehlshaber der gesamten US-Streitkräfte, General John Pershing, wurde die Villa Laeis (später Villa Henn) in der Paulinstraße 14 beschlagnahmt.

Die neuen Herren waren sehr um Korrektheit, Recht und Ordnung bemüht. „Alle, die sich gesetzmäßig und friedlich benehmen und den Vorschriften der amerikanischen Behörden Folge leisten, können auf Schutz von Person, Haus, Gut und Glauben rechnen“, ließ der amerikanische Oberbefehlshaber Pershing in einer Bekanntmachung verkünden. Amerikanische Soldaten, die nach Trier kamen, waren gehalten, die Stadt nur in sauberer Kleidung, rasiert und mit geputzten Schuhen zu betreten. Alle Knöpfe an den Uniformen mussten geschlossen sein und es war verboten, mit den Händen in der Hosentasche umherzulaufen, ebenso durften Waffen nicht offen getragen werden, es sei denn, der Dienst erforderte es.

Allgemein wurde auf gutes und diszipliniertes Verhalten geachtet, Verstöße wurden von der allgegenwärtigen US-Militärpolizei streng geahndet. Der amerikanische Standortkommandant Colonel H. J. Hunt, vom Oberbefehlshaber Pershing auch deswegen auf diesen Posten berufen, weil er wie die Mehrzahl der Trierer katholisch war, bemühte sich um gute Beziehungen zu deutschen Behörden und Autoritäten.

Amerikaner machen Eindruck

Den ersten Soldaten folgte ein schier endloser Tross an Versorgungseinheiten. Feldküchen, Werkstätten, Wäschereien, Fliegerstaffeln, Fotografen, Kameramänner und ganze Krankenhäuser hatte die Armee im Gefolge. Besonders die zahlreichen Autos und Motorräder machten Eindruck auf die Trierer. Zu den ersten, die Kontakt mit den fremden Soldaten aufnahmen, gehörten die Kinder. Zwar war es den Amerikanern zunächst offiziell verboten, freundschaftliche Beziehungen zu Deutschen zu haben. Doch das änderte sich bald. Die Trierer Pänz lernten schnell, dass die amerikanischen Soldaten in ihren „Haversacks“ viele Köstlichkeiten hatten, die man im durch den Krieg hungergeplagten Trier lange entbehrt hatte. Eine öffentliche Anordnung, die es Kindern verbot, fahrende amerikanische Autos zu besteigen, gibt Zeugnis vom Ausmaß des Kontakts.

Diese neue Freundschaft sollte nicht lange Gelegenheit haben, zu wachsen. Bereits im Juni 1919 lösten französische Truppen die abziehende US-Armee als Besatzungsmacht in Trier ab. Die Franzosen sollten bis 1930 bleiben.

Text: Ernst Mettlach // Rathaus-Zeitung

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