Erste Frau an der Spitze: Nadja Fitze leitet Trierer Institut für Lebensmittelchemie

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Nadja Fitze hat die Leitung des Institut für Lebensmittelchemie in der Maximineracht in Trier übernommen. Foto: © LUA

TRIER. Sie hat sich daran gewöhnt, häufig zu den Ersten zu gehören. Zu den Ersten in der Familie, die studiert haben. Die Erste, die im Ausland geforscht hat. Und jetzt ist Nadja Fitze die erste Frau an der Spitze des Trierer Instituts für Lebensmittelchemie des Landesuntersuchungsamtes (LUA).

Gemeinsam mit ihrem 39-köpfigen Team ist die Lebensmittelchemikerin nun landesweit zuständig für die amtliche Untersuchung und Beurteilung einer ganzen Palette von Lebensmitteln, darunter Süßwaren, Honig, Speiseeis, Schokolade, Suppen, Nahrungsergänzungsmittel oder Speiseöl. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, ob Vanilleeis tatsächlich echte Vanille enthält. Oder um den Nachweis, dass das angeblich hochwertige und vor allem hochpreisige italienische Olivenöl in Wahrheit ein dreist umetikettiertes minderwertiges Produkt aus einem Drittland ist.

Bei anderen Untersuchungen geht es indes um mehr als um Betrug oder Irreführung der Verbraucher. Schimmelpilzgifte beispielsweise sind sehr gesundheitsschädlich. Werden sie von Nadja Fitzes Team in Getreideprodukten nachgewiesen, muss umgehend ein europaweiter Rückruf gestartet und die Öffentlichkeit informiert werden. Auch der Schokoriegel, der nicht deklarierte Allergie auslösende Stoffe wie Erdnuss oder Soja enthält, oder Reiswaffeln, die aus einer nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Reissorte bestehen, landen auf den Trierer Labortischen. Zudem wacht ein dort ansässiges Team von Weinkontrolleuren vor Ort darüber, dass bei den Winzern an der Mosel alles mit rechten Dingen zugeht.

Aufgewachsen ist die heute 39-Jährige Nadja Fitze im Erzgebirge. Forschung oder Wirtschaft? Noch während des Studiums an der TU Dresden streckte die angehende Lebensmittelchemikerin ihre Fühler nach beiden Seiten aus. Unter anderem forschte sie ein Jahr im holländischen Wageningen an der sogenannten Maillard-Reaktion, die beispielsweise beim Frittieren und Braten von Lebensmitteln zu beobachten ist. Sie kann sowohl zu unerwünschten gesundheitsschädlichen Nebenprodukten wie z.B. Acrylamid in Pommes & Co. als auch zu Fehlaromen führen, die den Geschmack der Speisen negativ beeinflussen.

Diese Arbeit kam ihr beim anschließenden Praktikum im Münchner Forschungs- und Entwicklungszentrum eines internationalen Lebensmittelkonzerns durchaus zugute, denn sie befasste sich hauptsächlich damit, den Röstprozess von Kaffee so zu beeinflussen, dass ein möglichst guter und aromatischer Geschmack herauskommt. Ironie der Geschichte: Bis sie in München praktisch täglich Kaffee verkosten musste, war Nadja Fitze alles andere als ein Fan dieses Getränks. Nach Abschluss des Praktikums sah die Sache allerdings anders: „Ich hab in München Kaffee für mich entdeckt.“

Beruflich ging es aus dem deutschen Süden zunächst wieder zurück in den Osten an die Uniklinik Rostock, danach in die entgegengesetzte Richtung zu einem privaten Handelslabor in Köln. Insgesamt bringt die 39-Jährige 13 Jahre Berufserfahrung als Lebensmittelchemikerin nach Trier mit – eine Stadt, die sie vom ersten Besuch an gemocht hat. Trier hat für Nadja Fitze „ganz genau die richtige Lage und Größe.“ Auch ihrem Mann und den beiden Kindern haben die Moselstadt und das Drumherum sehr gefallen. „Sie leben noch im Rheinland – aber nicht mehr lange!“

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