“Brubacher Hof“ – Stadtrat beschließt neuen Ortsteil für Mariahof

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Das Luftbild zeigt die Abgrenzung der geplanten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme in der Nähe des Stadtteils Mariahof, die auch Pufferflächen zur bestehenden Bebauung, zum Mattheiser Wald und zum Holzbachtal beinhaltet. Die Fläche des tatsächlichen Baugebiets wird im Vergleich dazu, wie im Flächennutzungsplan festgelegt, kleiner ausfallen.

Bildquelle: Stadtplanungsamt

TRIER. Im Juni hat der Stadtrat den neuen Flächennutzungsplan 2030 beschlossen. Hiermit wurde auch die Entscheidung getroffen, dass neue Wohnbauflächen im Stadtteil Mariahof auf dem Plateau östlich des Holzbachtals entstehen sollen.

In seiner Sitzung am gestrigen Dienstag, 6. November, entschied der Stadtrat über den nächsten Schritt zur Entwicklung dieser Wohnbauflächen und das für das Gebiet „Am Brubacher Hof“ die Satzung einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme erlassen wird.

Welche Bedeutung hat eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, kurz SEM?
Eine SEM ist ein Instrument aus dem Baugesetzbuch, das es Kommunen ermöglichen soll, große, komplexe und bedeutende städtebauliche Projekte möglichst zügig umzusetzen. Der Vorteil einer SEM gegenüber einer „normalen“ Baulandentwicklung ist, dass der Stadt besondere Rechte, vor allem beim Grunderwerb und in der Finanzierung, eingeräumt werden. Für die aktuelle Maßnahme bedeutet dies, dass ein Teil des in der Stadt benötigten Wohnraums schneller bereitgestellt werden kann und die Stadt eine größere Kontrolle darüber hat, dass wirklich breite Kreise der Bevölkerung von der Baulandentwicklung profitieren können.

Wie gebräuchlich ist dieses Instrument?
Städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen sind ein übliches Instrument zur Entwicklung großer Baugebiete. Aktuell laufen deutschlandweit rund 30 Verfahren, unter anderem in Koblenz und Landau. In Trier wurden zuletzt die Baugebiete auf der Tarforster Höhe mit Hilfe einer SEM entwickelt.

Wie läuft eine Entwicklungsmaßnahme ab?
Die Stadt erwirbt alle Flächen im Gebiet zu marktüblichen Preisen, stellt dann alle erforderlichen öffentlichen Einrichtungen und Anlagen her und bietet das fertige Bauland den Bauwilligen zum Kauf an. Eine Verzögerung durch Baulandspekulation kann somit umgangen werden. Die Stadt macht dabei keinen Gewinn beim Grundstücksverkauf, darf aber alle entstandenen Kosten aus den Grundstückserlösen finanzieren. Für die Sicherung der Ziele der SEM darf die Stadt dabei als letztes Mittel auch enteignen, wobei die bisherigen Eigentümer zu dem vom Gutachterausschuss ermittelten Marktwert entschädigt werden.

Welche Grundlage gibt es für die jetzt beschlossene SEM in dem Gebiet zwischen dem Holzbachtal und dem Brubacher Hof?
Im neuen Flächennutzungsplan werden entsprechend des ermittelten Bedarfs neue Wohnbauflächen im Umfang von insgesamt 145 Hektar ausgewiesen. Schon 2012 hatte der Stadtrat beschlossen, fünf große potentielle neue Bauflächen im Stadtgebiet im Hinblick auf die Eignung für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme zu untersuchen. Dabei wurden auch alle wichtigen öffentlichen Aufgabenträger, alle Trierer Umweltverbände und die betroffenen Eigentümer beteiligt und um ihre Meinung gebeten. Mit den Landwirten vor Ort wurden Gespräche über die erwarteten Auswirkungen auf ihre Betriebe geführt und Lösungsmöglichkeiten für die unvermeidbaren Flächenkonflikte gesucht. Von den untersuchten Flächen sind inzwischen nur noch die Gebiete „Ruwer-Zentenbüsch“ und „Brubacher Hof“ im Stadtteil Mariahof übrig geblieben.

Was ist geplant?
Der neue Ortsteil im Stadtteil Mariahof soll in den nächsten 15 Jahren zwischen dem Holzbachtal und der Siedlung Brubacher Hof entstehen. Auf circa 30 Hektar Bruttobauland soll neuer Wohnraum für rund 2400 Menschen geschaffen werden. Weitere zwölf Hektar werden zudem für Infrastrukturanlagen wie Kindergärten, Sport- und Spielplätze sowie für Grün- und Naherholungsräume vorgesehen. Der Wohnraum soll in verschiedenen, standortangepassten Bauformen entstehen, so dass der neue Ortsteil unterschiedlichen Bedürfnissen und Lebensphasen breiter Kreise der Trierer Bevölkerung gerecht wird. Die Stadtratsbeschlüsse zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus und zum sparsamen, nachhaltigen Umgang mit neuen Siedlungsflächen werden ebenfalls berücksichtigt.

Was bedeutet das für den Stadtteil Mariahof?
Nach Abschluss der Entwicklungsmaßnahme wird der Stadtteil Mariahof mit voraussichtlich 5400 Einwohnern etwas größer sein, als die Gartenstadt Mariahof zu ihrer Gründungszeit. Die Stadt geht davon aus, dass sich die Nahversorgungssituation des Stadtteils durch die größere Nachfrage langfristig sichern lässt. Neben einem verbesserten ÖPNV-Angebot bietet sich unter anderem die Möglichkeit, dass sich wieder ein kleiner Verbrauchermarkt ansiedelt. Auch können sich viele Einrichtungen wieder etablieren, die sich in den letzten Jahrzehnten infolge der sinkenden Einwohnerzahlen aus dem Stadtteil zurückgezogen haben. Eine besondere Bedeutung hat zudem die behutsame Vernetzung und Integration des neuen Ortsteils in den bestehenden Stadtteil Mariahof.

Welche Probleme ergeben sich und wie soll ihnen begegnet werden?
Zum Schutz der Anwohner in Heiligkreuz hat der Stadtrat bereits im März 2017 beschlossen, dass mit den Baumaßnahmen am Brubacher Hof erst begonnen werden darf, wenn die zur Entlastung der angrenzenden Stadtteile erforderliche Verkehrsinfrastruktur sich ebenfalls in der Ausführung befindet. Diese Grundsatzentscheidung soll am 6. November im Stadtrat durch den Beschluss eines Zehn-Jahresprogramms für die großen Verkehrsprojekte konkretisiert werden. Lärmschutzmaßnahmen entlang der Zufahrtsstraßen werden ebenfalls rechtzeitig zu errichten sein. Außerdem soll vor Baubeginn sichergestellt sein, dass die Existenz der ortsansässigen landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe nicht gefährdet wird.

Wie sieht es mit dem Natur- und Klimaschutz aus?
Hier geht es zum Beispiel um den Schutz des Wildkatzenbestands im angrenzenden Mattheiser Wald. Gutachten haben bestätigt, dass Beeinträchtigungen durch eine bessere Besucherlenkung vermieden werden können. Für die Wildkatzen ist sogar eine Aufwertung ihres Lebensraums möglich. Im Zuge der weiteren Planung wird untersucht, welche sonstigen Naturschutzmaßnahmen erforderlich sind. Die klimatischen Auswirkungen wurden bereits im Stadtklimagutachten zum Flächennutzungsplan thematisiert. Dabei hat sich gezeigt, dass die Bebauung eine Kaltluftentstehungsfläche verkleinert. Dies wird aber bereits im Olewiger Tal wieder ausgeglichen. Es gibt somit keine negativen Auswirkungen auf die Kaltluftversorgung der Talstadt.

Erster Verfahrensschritt ist die Beauftragung eines Entwicklungsträgers. Welche Aufgaben sind damit verbunden?
Der Entwicklungsträger wird die Umsetzung der Entwicklungsmaßnahme als Treuhänder der Stadt übernehmen und diese nach deren Vorgaben und Wünschen umsetzen. Der Entwicklungsträger wird sich zum Beispiel um den Grunderwerb und die Herstellung der Bauflächen und aller geplanter öffentlichen Anlagen und Einrichtungen im Gebiet kümmern. Die Kontrolle über das Verfahren und das Aussehen des neuen Ortsteils bleibt aber weiterhin vollständig bei der Stadt Trier.

Wie geht es weiter?
Gemeinsam mit dem Entwicklungsträger wird eine Rahmenplanung für das Gesamtgebiet entwickelt. Darin werden die städtebaulichen Ziele, also das Gesicht des neuen Ortsteils, festgelegt. Aus dem fertigen Rahmenplan werden dann abschnittsweise die einzelnen Bebauungspläne entwickelt, die das Baurecht im Gebiet herstellen. Erst danach wird auf dem Plateau des Brubacher Hofs mit der Neuordnung der Flächen und den ersten Baumaßnahmen begonnen. Während der Entwicklung des neuen Ortsteils sollen der Ortsbeirat, die Bewohner Mariahofs sowie die Öffentlichkeit kontinuierlich informiert und in den Planungsprozess einbezogen werden.

8 KOMMENTARE

  1. Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!
    Wer stimmt ihnen zu? Die C D U
    Wer gibt sein OK? Die F D P

    Stoppt die Bebauung vom Brubacher Hof, das ist eine Sünde wider unsere Stadt und unsere Natur

  2. Herzlichen Glückwunsch liebe Nutznießer dieser Baumaßnahme, so langsam wird es eng für den Matheiser Wald, so werden Naherholungsgebiete Stück für Stück besiedelt.
    Aber wie bitte sieht es denn mit der Verkehrserschließung aus ? Sollte man nicht vorher mindestens schon ein tragfähiges und umsetzbares Konzept zur Erschließung haben ? Die aktuelle Situation mit nur einer einzigen Zufahrt Mariahof und der Aulbrücke ist ungenügend und wie lange schon spricht man von einer neuen Brücke und Erweiterung Richtung Weismark, das müssen doch mindestens 30 Jahre sein und wenig bis nichts ist bisher auch nur ansatzweise realisiert worden.

  3. Dies ist eine unverschämte Frechheit bei der sich der Stadtrat und die zustimmenden Fraktionen in Grund und Boden schämen sollten! Es ist wie immer in der Politik,das grundsätzlich gegen die Belange der Bürger entschieden wird.
    Hoffentlich werden die Parteien das bei den nächsten Wahlen spüren. Armes Trier!

  4. Warum steht hier nichts von der Stadt angekündigten Zwangsenteignungen, die bei einer evtl. Weigerung der Grundstücksbesitzer ihr Land zu verkaufen, vollzogen werden!

    So wurde es jedenfalls gestern im Radio berichtet!

  5. Baut bitte aber nur nicht bei mir, typisch Deutsch. Ich finde einen Trierer äußeren Ring ( eine Art Stadtautobahn) sollte nun mal in der Nord/ Ost/Südtangente überdacht werden. Es gilt in Zukunft den Abfluß des Nord/ Ostverkehrs über diesen besser zu verteilen mit Berücksichtung von Konz und Luxemburg, in Richtung Moselaufstieg im Süden. Hier ist Infrastruktur gefragt. Es ist durchweg zu begrüßen, dass neuer Wohnraum in der Fläche geschaffen wird, trotzdem sollte man auch an eine Innenstadtverdichtung denken. Man könnte den Verlust an Baumbestand in verwahrlosten, nicht genutzten Weinbergen ausgleichen. Mariahof 3031Einw. + 1000 Wohneinheiten Faktor ca. 1,5 sind dann ca 4500 Einw.

  6. Ich hätte ja noch evtl. Verständnis für die Abstimmung, wenn die Stadt vorher eine vernünftige Verkehrsplanung durchgeführt hätte. So mit Gewalt durchgepaukt sieht es für mich danach aus, dass die „Richtigen“ genügend daran verdienen werden. Wahrscheinlich ist der Kuchen längst verteilt. Man kann bei der nicht vorhandenen Verkehrsplanung zurzeit kein Eigentum in Trier erwerben ophne Gefahr zu laufen, dass man in ein paar Jahren im Stau steht oder an einer „Autobahn“ wohnt. Die armen Heiligkreuzer! Oder man baut eine Zufahrt über Kernscheid, dann könnte man noch mehr Fläche vermarkten.

  7. Ich lese mit Interesse die bis jetzt erschienen 7 Kommentare.

    Rettet Brubach hat es mit all den Sachargumenten versucht die Stadträte/innen ihre Abstimmung zu überdenken. Leider ist es nicht gelungen die sogenannten Volksparteien zu überzeugen oder andere umweltverträglichere Lösungen zu bedenken.
    Für mehr Information oder auch um Mitglied siehe: https://rettetbrubachtrier.jimdo.com/wer-wir-sind/
    Der Kampf muss leider in eine Zweite Runde. Support können wir gut gebrauchen.
    Knut

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