Ideologie statt Kindeswohl

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    Die Sturheit der Landesregierung könnte dazu führen, dass aus der Musterschule Friedrich-Spee-Gymnasium ein Auslaufmodell wird. Dagegen sollten sich alle zur Wehr setzen, denen die hervorragende Schullandschaft in Trier etwas bedeutet.

    Eigentlich könnte Hermann Bous sehr entspannt sein. Der Schulleiter des FSG geht demnächst in den Ruhestand. Was dann kommt, muss ihn nicht mehr beschäftigen. Er hat über lange Jahre hinweg sein Scherflein zur Trierer Schullandschaft beigetragen. Er hat das Friedrich-Spee-Gymnasium zu einer Lehranstalt höchster Güte und Qualität gemacht. Der schmucklose Bau in Ehrang verrät nur wenig darüber, was in seinem Inneren vorgeht.

    Hier wirken Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Tätigkeit nicht als Beruf, sondern als Berufung verstehen. Nur ganz selten gibt es eine negative Stimme. Allenthalben ist in Gesprächen der große Respekt aller Eltern vor dem Konzept des FSG zu spüren – das durch großes Engagement der Lehrkräfte gestützt wird. Exkursionen sogar in den Ferien sind da keine Seltenheit. Die Schülerinnen und Schüler werden gezielt gefördert – im, aber auch über den Unterricht hinaus. Im Lernen, in ihrer sozialen Kompetenz, in der Vorbereitung auf das Leben nach der Schule, sogar im wissenschaftlichen Ansatz.

    Dieses Konzept wird vom Mainzer Ministerium mit Doris Ahnen (SPD) an der Spitze konterkariert. Sie, die einst selbst Schülerin des FSG war, scheint so gefangen in der rot-grünen Bildungsideologie, dass sie die Nöte und Sorgen der Eltern nicht hören will. Ernst nimmt sie sie ohnehin nicht. Anders ist es nicht zu erklären, dass Schreiben nicht beantwortet wurden, dass es Monate dauerte, ehe man sich im Ministerium bereit erklärte, ein Gespräch mit den Elternvertretern zu führen. Schon das gleicht einem kleinen Skandal.

    Dass Ahnen und ihre Mitstreiter von der ideologischen Front allerdings zudem die Existenz des einzigen GTS8-Gymansiums in der Region riskieren, ist der eigentliche, der ausgewachsene Skandal. Die Eltern wollen die gemeinsame Orientierungsstufe mit der neuen Realschule Plus nicht. Das ist die Realität, und der ist nicht zu widersprechen.

    Es ist nichts als grober Unfug, von der Gleichheit aller Kinder auszugehen, sie zu zwingen, gemeinsam zu lernen, gemeinsam zu arbeiten. Die rot-grünen Egalisierungspläne auf dem Bildungssektor führen in den kommenden Jahren nicht nur in die Sackgasse, sondern ins Desaster. Die Begabungen und Fähigkeiten eines jeden Kindes sind so unterschiedlich wie die Kinder selbst. Hier wird aus ideologischen Gründen zwanghaft zusammengeführt, was nicht zusammenpasst.

    Im Ergebnis bleibt nichts anderes übrig als tiefgreifender Frust auf allen Seiten. Bei jenen schwächeren Kindern, denen täglich die Überlegenheit der anderen vorgeführt wird. Bei den besseren Schülerinnen und Schülern, die nicht so dürfen, wie sie wollen, weil auf alle anderen Rücksicht genommen werden muss. Das Ergebnis sind Schulfrust und Widerwillen gegen die Schule. Das aber ist nicht der Sinn von Schule.

    Der besteht nämlich einfach darin, jedes Kind nach seinen Fähigkeiten zu fördern. Vielerorts ist die Frustration jener Schüler, die beispielsweise trotz Realschulempfehlung dennoch ein Gymnasium besuchen, immer öfter zu spüren. Weil angeblich nur das Abitur den Einstieg in die gehobene Berufswelt ermöglicht. Dabei haben Wissenschaftler der Universität Hannover in Zusammenarbeit mit ihren Kollegen vom University College London jüngst erst herausgefunden, dass die Wahl der Schulart im Alter von zehn Jahren für die Kinder keine langfristigen Effekte auf deren spätere Schulabschlüsse und Gehälter habe. „Weil das deutsche Schulsystem flexibel genug ist, frühe Fehlentscheidungen zu späteren Zeitpunkten zu korrigieren“, betonen die Forscher.

    Das FSG ist eine Schule, in der das Abitur in acht und nicht in neun Jahren abgelegt wird. Das aber heißt, dass von der fünften Klasse an ein ganz anderer Wind wehen muss, um die Schülerinnen und Schüler auf die Reifeprüfung vorzubereiten. Die Konzentration auf die Lernziele ist deutlich höher als an anderen Gymnasien. Der Druck aber auch. In einer solchen Schule alle Kinder – unabhängig von der Empfehlung der Grundschule – über zwei Jahre hinweg arbeiten zu lassen, hat nichts mit dem Wohl der Kinder, sondern nur mit Parteiprogrammen und Grundsatzpapieren zu tun, die Theoretiker im stillen Kämmerlein ersonnen haben.

    Ideologie statt Kindeswohl – auf diese einfache Formel lässt sich das Vorhaben des Mainzer Ministeriums sehr wohl reduzieren. Wer das mitträgt, macht sich auch mitschuldig – gegenüber allen Schülerinnen und Schülern. Nicht nur in Ehrang, sondern in ganz Trier.

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    1 KOMMENTAR

    1. Endlich mal jemand, der anspricht, was man sonst nur hinter vorgehaltener Hand sagen darf, weil man sonst nicht ‚politisch korrekt‘ ist.

    2. Das entspricht genau dem Stand der Dinge und es ist gut, dass endlich jemand den Mut findet dies öffentlich aus zusprechen.

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