Nach Zwei Toten, zwei Verletzten: Viele Fragen offen

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Foto: Julian Stratenschulte / dpa-Archiv

KIRCHHEIM. Nach dem tödlichen Polizeieinsatz im pfälzischen Kirchheim an der Weinstraße sind noch viele Fragen offen. Polizisten hatten am Freitag auf einen 25-jährigen Mann geschossen, der die Beamten nach Aussage der Ermittler zuvor mit einer Schere angegriffen hatte. Er starb. Auch seine Mutter ist tot, wurde aber wohl nicht von Schüssen getroffen. Zur Frage, ob die 56-Jährige von ihrem Sohn getötet wurde, wurde zunächst noch ermittelt.

Anfang der Woche werden neue Ermittlungsergebnisse erwartet. Dann werde die Staatsanwaltschaft Frankenthal die Auswertung der Obduktionen der beiden Leichen vorstellen, teilte die Polizei am Sonntag mit.

Die Frau habe massive Kopfverletzungen und mehrere Wunden, die auf Stichverletzungen hindeuteten, erlitten, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Einschüsse seien nicht erkennbar gewesen. Die Mutter hatte die Polizei alarmiert: Ihr Sohn habe einen psychotischen Schub, stehe unter Drogeneinfluss und habe sie angegriffen. Beide waren Deutsche.

Die zwei Polizisten – eine 31-jährige Frau und ein 56-jähriger Mann – wurden durch Stiche schwer verletzt, die Polizistin musste notoperiert werden.

Wenn Polizisten im Dienst einen Menschen töten, hat das Folgen: Sogenannte Kriseninterventionsteams kommen zur Hilfe. In Rheinland-Pfalz sei das ein „ganz extrem seltener Fall“, sagte der Landessprecher der Gewerkschaft der Polizei, Ernst Scharbach.

Einen Menschen zu töten, auch in Notwehr, sei schrecklich und lasse die Polizisten nie ganz los, ergänzte Scharbach. „Viele Kollegen haben am Ende extreme Probleme.“ Deshalb habe man vor gut 15 Jahren ein Kriseninterventionsteam gebildet. Es setze sich zusammen aus Psychologen, Sozialarbeitern und Seelsorgern, die bei einer Schießerei und Tötung alarmiert werden. Es kümmere sich um die betroffenen Kollegen ebenso wie um die anderen Polizisten in der Schicht. „Wenn man da hinfährt, ein Blutbad vorfindet, das schockt doch sehr“, sagte Scharbach. Auch die Angehörigen würden betreut.

„Früher war es so, man hat angerufen und gefragt: Braucht ihr jemanden? Die Standardantwort war dann: Nein, alles gut. Wir wissen aber: Das stimmt nicht“, erklärte der Gewerkschaftsvertreter. Deshalb fahre das Interventionsteam heute ohne zu fragen an den Ort des Geschehens und biete seine Hilfe an. Wenn verletzte Polizisten ins Krankenhaus müssten, komme das Team auch dorthin. „Es geht im Prinzip ums Reden“, sagte Scharbach.

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