Keine Designerdrogen ins Gefängnis – Pilotprojekt in Wittlicher JVA

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Eine Packung und ein Beutel psychoaktiver Substanzen, Legal Highs, liegen auf einem Tisch. Foto: Christoph Schmidt/ dpa-Archiv

WITTLICH. Mit einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt will Rheinland-Pfalz Designerdrogen in Gefängnissen aufspüren und verbannen. In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich ist ein Gerät im Einsatz, das psychoaktive Drogen aufspüren kann.

Bisher rutschten solche Drogen praktisch durchs Radar, wenn sie ins Gefängnis eingeschmuggelt werden. „Das ist ein großes Problem für uns, weil die Substanzen für uns nicht feststellbar waren“, sagte Justizminister Herbert Mertin (FDP). Bisher wird das Gerät zum Beispiel an Flughäfen eingesetzt, um Sprengstoff ausfindig zu machen – aber laut Ministerium noch nicht in einer JVA für diese Art von Drogen.

Seit einem Jahr läuft ein Test in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz. Jörn Patzak, Leiter der JVA Wittlich, ist von der Methode überzeugt. „Es kommen immer neue Stoffe, die dann auch von Schnelltests nicht mehr erfasst werden“, sagte Patzak. Die neuen Stoffe seien bisher kaum erkennbar. Das Gerät des Unternehmens Smiths Detection ermöglicht, nicht nur „klassische Drogen“ wie Amphetamine, Kokain und Heroin aufzudecken, sondern auch neue psychoaktive Stoffe, unter anderem als „Legal Highs“ bezeichnet. Dafür muss die Datenbank gefüttert werden, wenn neue Stoffe auftauchen. „Das wird im Grunde unsere Daueraufgabe sein – die Aktualität unseres Messsystems“, sagte LKA-Präsident Johannes Kunz.

Seit sechs Wochen ist der Drogendetektor in der JVA Wittlich im Einsatz, nachdem eine Datenbank aufgebaut und die Mitarbeiter geschult wurden. Mehrere hundert Proben wurden seitdem getestet. Nach Angaben von Patzak haben sich bisher vier gerichtsverwertbare Treffer ergeben: So wurde in Papierrollen eine Designerdroge entdeckt – ein künstlich hergestelltes Cannabinoid namens FUB-AMB. Cannabinoide sind Stoffe, die in der Hanfpflanze vorkommen. Die Beamten spürten mit technischer Hilfe auch „klassische Drogen“ auf: einen Brief mit Kokain getränkt, Methadon in Augentropfen versteckt und einen Zettel mit Telefonnummern, der Heroin enthielt.

Sonja Metternich von der Kriminaltechnik im LKA in Mainz hat verschiedene Methoden verglichen, um herauszufinden, wie psychoaktive Stoffe am besten aufgespürt werden. „Sie muss schnell sein, sie muss einfach im Handling sein“, sagte die Chemikerin. Der Drogendetektor hat demnach deutlich bessere Ergebnisse beim Nachweis als ein Farbtest oder ein Spektrometer. Ein Streifen mit der Substanz wird ins Gerät eingeführt, durchläuft chemische Prozesse und schließlich gibt der Detektor den Stoff an. Das LKA checkt das Ergebnis noch einmal.

Das Gerät kostet nach Angaben des Justizministeriums rund 45 000 Euro. Der Minister will den Test auf die Gefängnisse in Diez und Frankenthal ausweiten. Ein flächendeckender Einsatz ist aber noch nicht absehbar. „Das kann unter Umständen zu teuer sein“, sagte Mertin. Das Ergebnis könne aber sein, dass es zwei Geräte im Norden und zwei im Süden von Rheinland-Pfalz gebe. Die anderen Bundesländer beobachten den Test laut Ministerium mit Spannung. „Es waren alle interessiert“, sagte der Leiter der Abteilung Strafvollzug, Horst Hund.

Drogen sind in den Gefängnissen ein großes Problem. Etwa ein Drittel der Gefangenen sei drogenabhängig, sagte JVA-Leiter Patzak. Die Designerdrogen bergen besondere Gefahren: „Die Substanzen führen schnell zu psychischen Problemen.“ Wer sie genommen habe, werde zum Beispiel aggressiv. Wie wissen die Mitarbeiter der JVA, ob ein Dokument verdächtig ist? Dafür müssen sie eine gewisse Spürnase haben – manchmal sieht ein Stück Papier zum Beispiel ungewöhnlich aus. „Das ist das Wichtigste: der geschulte Beamte“, sagte Patzak. In einem Fall kam eine Postkarte mit Glückwunsch zum Geburtstag an – doch derjenige hatte gar keinen Geburtstag. Der Drogenfund war aufgespürt.

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