Dunkelheit, Nässe und Laub: Wildunfall-Risiko steigt wieder an!

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Ein totes Reh liegt am Straßenrand.

Bildquelle: Foto: Julian Stratenschulte/Archiv

REGION. Plötzlich steht ein Reh auf der Straße: Wenn Wildtiere auf der Suche nach Futter, Partner oder Schlafplatz eine Straße kreuzen, kann es gefährlich werden. Jedes Jahr gibt es Tausende Wildunfälle in Rheinland-Pfalz. Im Herbst kämen Dunkelheit, Nebel, Nässe oder auch rutschiges Laub auf der Fahrbahn als Risikofaktoren hinzu, sagte Günther Klein, Sprecher des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz in Gensingen.

Allein das Polizeipräsidium Mainz registrierte Mitte bis Ende September in seinem Gebiet bereits 119 Wildunfälle. Im vergangenen Jahr gab es laut Landesjagdverband landesweit rund 25 000 solcher Unfälle. Die meisten davon seien im nördlichen Rheinland-Pfalz passiert, an zweiter Stelle stehe das Gebiet des Polizeipräsidiums Trier. Meist erwische es Rehwild. Der «traurige Spitzenreiter» sei vor allem in den Dämmerungsstunden aktiv, sagte Klein.

Der Jagdverband riet Autofahrern zu vorausschauendem Fahren. Wer beispielsweise mit Tempo 80 statt 100 unterwegs sei, habe einen kürzeren Bremsweg, sagte der Sprecher. Außerdem sollten Fahrer nicht nur nach einem einzigen Wildtier Ausschau halten. «Wenn die Ricke über die Straße rennt, kann es sein, dass die Jungtiere verzögert hinterher laufen.» Auch Wildschweine seien oft mit Artgenossen unterwegs.

Wenn ein Unfall trotzdem unvermeidbar ist, rät Klein: «Nicht versuchen, zu lenken oder auszuweichen, weil das unter Umständen viel fatalere Folgen hat.» Das eigene Fahrzeug könne zum Beispiel in den Gegenverkehr kommen. Besser sei es, das Lenkrad festzuhalten, eine Vollbremsung zu machen und die Spur zu halten.

Um Wildunfälle zu vermeiden, setzen viele Jäger in Rheinland-Pfalz auf spezielle Reflektoren. Sie werden zum Beispiel an Leitpfosten angebracht und werfen das Licht der Fahrzeuge blau in die Umgebung der Fahrbahn zurück. «Blau, weil es von den Wildtieren besonders gut wahrgenommen wird», erklärte Klein. Das sei für sie so auffällig wie für den Menschen eine grelle Warnweste. Wenn ein Tier das blaue Licht bemerke, halte es sich von der Straße fern.

Nach Angaben des Landesjagdverbands waren 2016 in Rheinland-Pfalz knapp 50 000 solcher Wildwarnreflektoren auf 1800 Straßenkilometern angebracht. Neuere Zahlen liegen dem Verband nach eigenen Angaben derzeit nicht vor. Die Kosten von fast 250 000 Euro für die Reflektoren hätten zum Teil Kommunen, Kreisverwaltungen, Jagdverwaltungen, aber auch Sponsoren getragen. «Mehr als die Hälfte ist dennoch aus der privaten Jägerkasse geflossen.» Eine Investition, die sich aus Kleins Sicht gelohnt hat: Durch die Reflektoren sei die Zahl der Wildunfälle im Schnitt um 82 Prozent zurück gegangen.

Die Technik hat nach Ansicht der Jäger aber ihre Grenzen: Sie funktioniere nur nachts und hohe Vegetation am Straßenrand schirme das blaue Licht ab, sagte Klein. Außerdem: «Wo sehr schnell gefahren wird, haben die Tiere auch mit Wildwarnreflektoren keine Chance.» Sie sähen zwar das blaue Licht, aber das Auto sei oft schon zu nah. Ein anderes Problem tritt laut Klein auf, wenn ein alter Leitpfosten mitsamt Wildwarnreflektor ausgetauscht wird statt ihn abzumontieren und an den neuen Pfosten zu schrauben.

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