Applaus, Drohung und ein klares „Nein“

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TRIER. In diesem Sommer wird das „Café Lecca“ wohl ohne Außenterrasse auskommen müssen. Am Mittwochabend ist Savino Pistis, Inhaber des „Café Lecca“, mit seinem Anliegen gescheitert. Eine entsprechende Anfrage der Grünen war Thema im städtischen Bauausschuss, doch die Verwaltung widersprach dem Wunsch des Gastronomen nach einem Freisitz. Die aktuelle Situation am Trierer Bahnhofsvorplatz lasse eine derartige Veränderung nicht zu, hieß es (wir berichteten mehrfach).

Die Vorsitzende des Bauausschusses, Simone Kaes-Torchiani (CDU), betonte, dass Verschönerungen und Verbesserungen des Bahnhofplatzes in Planung seien, um so vor allem einen verbesserten Zugang für Radfahrer und Fußgänger in die Innenstadt zu ermöglichen. Deutliche Resultate dieser Planung sind jedoch bis jetzt nicht zu beobachten. Mehr als kleinere Veränderungen sind bislang nicht geschehen.

Dominik Heinrich, Stadtratsmitglied der Grünen und Ortsvorsteher von Trier-Mitte/ Gartenfeld, betonte, dass man froh sein könne, wenn Privatpersonen Initiative zeigten – wie zur Verschönerung des Bahnhofs beizutragen. Als Freunde des Inhabers und Mitarbeiter des „Café Lecca“ applaudierend dem Kommentar Heinrichs zustimmten, drohte die Baudezernentin damit, die entsprechenden Zuhörer des Raumes zu verweisen. Zuhörer dieser Sitzung seien nicht befugt, sich durch Beifall oder sonstige Äußerungen in den Ausschuss einzubringen: „Sonst müssen Sie draußen Platz nehmen“, drohte Kaes-Torchiani.

Die im März 2007 genehmigte Sondernutzungserlaubnis für eine Außenterrasse wurde den damaligen Pächtern des „Café Lecca“ im Rahmen der geplanten Verschönerungsarbeiten noch im selben Jahr entzogen: An der Stelle der einstigen Außenterrasse stehen nun Fahrradbügel. „Das ist zum allgemeinen Nutzen geschehen, und das Interesse der Öffentlichkeit steht auf jeden Fall im Vordergrund“, betonte die Dezernentin. Dies sei im Hinblick auf einen Freisitz nicht der Fall. Fahrräder seien bislang nicht ordnungsgemäß neben der damaligen Terrasse geparkt worden.

Gastronom will weiter streiten

Laut Pistis war dies jedoch nicht der Fall: Gäste des „Café Lecca“ hätten ihre Fahrräder stets ordentlich neben der Außenterrasse geparkt und den Gehweg somit nicht behindert. Für die Dezernentin stellt sich die Situation anders dar, und somit bestünde ein entsprechender Bedarf an Fahrradbügeln. Dies begründete Kaes-Torchiani unter anderem damit, dass auch Fahrradkuriere diesen Platz für ihre Fahrräder nutzen würden. Dass der Chef des genannten Kurierdienstes der ehemalige Betreiber des „Café Lecca“ ist und somit ebenfalls an einem Freisitz interessiert ist, blieb allerdings unerwähnt.

Stadtratsmitglied Heinrich von den Grünen sprach sich im Namen seiner Partei für das Anliegen des Café-Betreibers aus: „Eine gepflegte Außenterrasse trägt doch wohl eher zu einem ansehnlichen Bild des Bahnhofs bei, als unansehnliche und nicht notwendige Fahrradbügel, die zudem noch nicht einmal mit dem Ortsbeirat abgesprochen wurden. Mir scheint es eher so zu sein, dass man einen äußeren Grund geschaffen hat, um die Außenterrasse zu verhindern“. Kaes-Torchiani gab sich reserviert: „Wir können nichts anderes anbieten.“

Lecca-Inhaber Pistis sieht im Zuge dieser Entwicklungen die Existenz seines Cafés erheblich gefährdet: „Für mich ist es auch eine wirtschaftliche Frage“, betont er. Es fielen zu viele Sitzplätze im Außenbereich weg, und besonders im Hinblick auf die Fußball-Europameisterschaft seien nun auch Personaleinsparungen zu befürchten. Doch aufgeben will Pistis noch lange nicht. Der Inhaber zieht den Rechtsweg über einen Anwalt durchaus in Betracht. „Weil ich mich von der Verwaltung hintergangen fühle.“ Ferner planen er und seine Mitarbeiter Unterschriftenaktionen sowie entsprechende Aktionen über das Social Network „Facebook“- denn Pistis ist sich sicher: Vor allem seine Gäste möchten die Sommerterrasse des „Café Lecca“ zurückhaben. (ah)

Zum Thema:

Kein Erfolg für PistisTerrasse im AusschussGastronom klagtKommentar von Eric Thielen

1 KOMMENTAR

  1. Zur „Verschönerung und Verbesserung“ der Situation am Bahnhofplatz sollte zuerst gehören, dass man dort nicht 24 Stunden am Tag Angst haben muss, pöbelnden Jugendlichen und/oder betrunkenen Obdachlosen in die Hände zu fallen. Das ist zwar auch ein leider gängiges Zeichen dafür, dass uns Trier dann doch etwas großstädtisches Flair hat, aber die Terrasse des „Lecca“ war stets der einzige Ruhepol am Platz und hat dieses Gefühl auf sehr viel angenehmere Weise wecken können. Unsere Stadtverantwortlichen beweisen ein mal mehr, dass sie für das Wichtige offenbar keinen Sinn haben und es auch nicht lernen werden.

  2. Das ist ein Skandal sondergleichen wie Herr Pistis hier behandelt wird. Und in meinen Augen ist das nichts andere wie reine Schikane. Was ist denn mit den Freisitzen vom Bistro gegenüber oder beim Dönerladen? Darüber redet kein Mensch. Herr Pistis wird schikaniert, weil er sich zur Wehr gesetzt hat und die Damen und Herren von der Stadtverwaltung jetzt ihre macht demonstrieren wollen. Habe fertig!

  3. Wie bereits angesprochen wurde, würde zur „Verschönerung“ des Bahnhofsplatzes zunächst eine gründliche Beseitigung von Leergut und anderem Müll gehören, welchen minder- und volljährige Asoziale vor den Augen der Polizei rund um die Uhr dort produzieren.

  4. Es ist schon Interessant zu sehen oder lesen das unsere hoch geschätzte Baudezernentin sich nur zugern im Stern bewegen lässt…sie sollte mal Abends und bevorzugt an WE vor Ort sein…oder mal selbst mit dem Rad in die City oder Bahnhof Vorplatz fahren….danach wäre sie froh im LECCA Platz nehmen zu dürfen. Wenn dann einer frei ist…

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