Brüderkrankenhaus: Gemeinsame Sprache für den Schockraum

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Täuschend und sehr realitätsnah gestaltete sich das Training im Schockraum. Foto: Brüderkrankenhaus Trier

TRIER. Keine Situation ist wie die andere, doch gerade deshalb müssen die Abläufe bei der Einlieferung eines Schwerverletzten in den Schockraum nach einem klaren und nach Prioritäten geordneten Schema ablaufen. Die Behandlung von Traumapatienten optimieren will das weltweit anerkannte Ausbildungskonzept „Advanced Trauma Life Support“. Im Brüderkrankenhaus Trier absolvierten nun Ärzte verschiedener Kliniken das ebenso praxisnahe wie anspruchsvolle Training.

Wer in der notfallmedizinischen Erstversorgung arbeitet, braucht starke Nerven und muss vor allem wissen, wann welche Maßnahme angezeigt ist. Die von Chefarzt Dr. med. Andreas Junge geleitete Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Trier ist eines von fünf zertifizierten überregionalen Traumazentren in Rheinland-Pfalz. Das Brüderkrankenhaus sichert somit die Erstversorgung der Mehrzahl der Schwerverletzten aus der gesamten Region.

Um zu jeder Tages- und Nachtzeit und an jedem Ort nach einem einheitlichen Schema vorzugehen, entwickelte das American College of Surgeons ein weltweit anerkanntes und standardisiertes Ausbildungskonzept namens „Advanced Trauma Life Support“, kurz ATLS®.

„Wir sprechen eine gemeinsame Sprache“, erklärt Markus Baacke, Oberarzt der Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie und stellvertretender Leiter des Zentrums für Notaufnahme (ZfN) im Brüderkrankenhaus, die wesentliche Intention des Programms. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Erlernen und Trainieren standardisierter Vorgehensweisen. Nach der sehr positiven Resonanz auf den vor drei Jahren schon einmal im Brüderkrankenhaus durchgeführten Kurs, konnte das begehrte Kursformat nun erneut angeboten werden.

Insgesamt 16 Ärztinnen und Ärzte aus den Abteilungen Unfallchirurgie, Allgemeinchirurgie, Anästhesie sowie Orthopädie aus dem Brüderkrankenhaus und anderen Kliniken der Region nahmen teil und durchliefen täuschend echte und sehr realitätsnahe Übungen. So stellten geschminkte Schauspieler von den ATLS®-Tutoren festgelegte schwere Verletzungsmuster nach. Aufgabe der Teilnehmer war es nun, nach einem vorgegebenem Schema die akutklinische Diagnostik und Versorgung der schwertraumatisierten Patienten zu üben, von der Einlieferung und Erstdiagnostik bis zur stationären Versorgung. Lebensrettende Maßnahmen wurden mit den Teilnehmern ebenso trainiert wie invasive Eingriffe wie etwa das Anlegen eines Luftröhrenschnitts (Tracheotomie). Wie wichtig es ist, keine Zeit zu verlieren und nicht den zweiten vor dem ersten Schritt zu machen, zeigt sich beispielhaft an der Atmung. Ist die Sauerstoffzufuhr nicht mehr gewährleistet, droht der Patient binnen weniger Minuten zu versterben. Deshalb steht A im Schema für die Untersuchung des „Airway“, sprich Luftwegs. Der behandelnde Notfallmediziner muss diesen zuerst sichern, bevor er zum Punkt B („Breathing“), also der Atmung des Patienten kommt und diesen gegebenenfalls beatmen muss. Dieses an Prioritäten orientierte Vorgehen nach dem ABCDE-Schema ist elementarer Bestandteil des ATLS®-Konzepts.

Die nachgestellten Situationen seien derart realistisch gespielt worden, dass die Teilnehmer sich tatsächlich wie in einer Akutsituation gefühlt und entsprechend gehandelt hätten, attestiert Markus Baacke den Tutoren und Schauspielern: „Da ist wirklich Adrenalin im Spiel.“ Was ein weiterer wichtiger Nutzen des sehr anspruchsvollen Kurses ist: „Es wächst unter den Kolleginnen und Kollegen der beteiligten Fachdisziplinen sehr schnell eine gemeinsame Verständnisbasis und ein belastbares Vertrauensverhältnis. Dies ist unschätzbar wertvoll für unsere Arbeit und damit auch extrem wichtig für eine rasche und bestmögliche Behandlung unserer Patienten.“

Somit habe der Kurs auch dem Erhalt und der Weiterentwicklung der hohen Qualifikation der Mitarbeiter, die im Schockraum zum Einsatz kommen, gedient – womit man einmal mehr der besonderen Verantwortung für die Unfallverletzten der Region gerecht werde, so Baackes Fazit.

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