Weinlese 2018: “Goldener September“ ist Balsam für die Winzer

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Eine Traube wird geschnitten. Foto: Andreas Arnold/Archiv

MAINZ. Die Nächte kühl, die Tage noch mal richtig warm: «Dieser «Goldene September» ist Balsam für des Winzers Herz», sagt Bastian Klohr in der Pfalz. Die herbstliche Abkühlung in der Nacht sei wichtig, um bei Weißweinen einen Rest von Säure in den Trauben zu erhalten, erklärt der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Weinbiet Manufaktur in Neustadt an der Weinstraße. Die Septembersonne fördere zudem die Aromenbildung bei den spät reifenden Rebsorten. «Insbesondere der Riesling profitieren jetzt davon.»

Die Lese, die nach einem außergewöhnlichen Sommer diesmal so früh begann wie nie, kommt in allen deutschen Weinbaugebieten gut voran. In einigen Anbaugebieten wie der Pfalz oder Baden ist schon mehr als die Hälfte der Trauben eingebracht. In anderen Gebieten wie Rheingau, Mittelrhein und Mosel werde das noch etwas dauern, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Aber auch dort würden in diesen Tagen die ersten Riesling-Trauben gelesen.

«Die Weinberge bieten ein traumhaftes Bild», schwärmt Paulin Köpfer im badischen Öko-Weingut Zähringer in Heitersheim. «In 33 Berufsjahren habe ich so schöne Weinberge wie in diesem Jahr kaum in Erinnerung.» Dort sind nach seinen Angaben bereits mindestens 50 Prozent der Trauben gelesen. «Bis Ende der Woche sind wir bei 70 bis 75 Prozent, auch beim Spätburgunder geht es jetzt los.»

«Die Reife ist sehr weit fortgeschritten, so dass wir schon fast Bergfest feiern können», heißt es in der Pfalz. «Wichtig ist nun, dass es trocken bleibt», erklärt Weinbiet-Geschäftsführer Klohr. So bleiben die Trauben weiter vor Fäulnis bewahrt.

«Wir brauchen jetzt keinen Niederschlag mehr», sagt Ulrich Fischer, Leiter des Instituts für Weinbau und Oenologie in Neustadt an der Weinstraße. «Das Wetter ist jetzt optimal.» Entsprechend gut sind auch die Ertragsaussichten. «Beim Müller-Thurgau sind die Mengen überraschend gut», sagt Büscher. Anfängliche Befürchtungen, dass die Trauben wegen der Trockenheit weniger Saft enthielten, hätten sich nicht erfüllt.

Bevor der Wein im Glas ist, hält sich Winzer Martin Kopf vom Abthof im rheinhessischen Hahnheim mit Prognosen zurück. «Wir haben viele Chancen, aber es wird sich zeigen, wie es weitergeht», sagt er. Nach der langen Trockenheit wünscht er sich noch ein wenig Regen, ist aber auch dankbar für den bisherigen September: «Dieser Wechsel warm-kalt ist sehr schön für die Aroma-Ausprägung.» Es sei wunderbar, dass die ohnehin in diesem Jahr sehr geringe Säure in den kühlen Nächten geschont werde.

Bei der Qualität gehen die Winzer weiter von einem guten bis sehr guten Jahrgang aus. «Diese kühlen Nächte und warmen Tage sind perfekt für die Aroma-Ausprägung in den Beeren», sagt Büscher. «Beim Riesling im Rheingau haben wir ein durchschnittliches Mostgewicht bei 84 Grad Oechsle und neun Promille Säure – das ist ein gutes Verhältnis.» Neben dem Mostgewicht, also die Menge des Zuckergehalts im Traubensaft, ist die Säure vor allem für Weißweine von entscheidender Bedeutung, um einen fruchtigen Charakter zu erhalten.

(dpa)

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