Schlechte Gutmenschen

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    Die Trierer Liberalen haben mit ihrem offenen Brief zum „Projekt X“ ein großes Fass aufgemacht. Die Zukunft der Skatehalle steht möglicherweise auf dem Spiel. Aber kann man den Liberalen deswegen Böswilligkeit unterstellen? Nein!

    Zugegeben: Man könnte der Trierer FDP durchaus mangelndes Fingerspitzengefühl nachsagen, so man die ganze Thematik zur Skatehalle nur aus einem Blickwinkel sieht. Vielleicht hätten die Liberalen zunächst das persönliche Gespräch mit Axel Reichertz suchen sollen. Vielleicht hätte sie immer und immer wieder anfragen sollen. Vielleicht hätten sie die Sache schlicht komplett vergessen sollen.

    Nein, das hätten sie nicht tun sollen. Manchmal ist es nötig, den Eklat zu provozieren, um eine Lösung zu finden. Die verbale Verständnis-Diarrhö unserer Alles-ist-gut-Zeit führt zu einer ungesunden Egalisierung, die dem demokratischen Prozess nur abträglich sein kann. Die Streitkultur mit klaren und wenn nötig auch harten Worten ist so sehr auf der Strecke geblieben, dass heute fast alle schon vor einem lauten Wort zurückschrecken.

    Wen etwas stört, der muss das auch benennen dürfen. Der muss das klar und deutlich benennen dürfen. Dass den Liberalen jetzt von vielen Seiten unterstellt wird, sie benutzten das „Projekt X“ zum Zwecke der eigenen Profilierung, zeugt nur vom zu kurzen Denkansatz der Kritiker. Ob eine Partei nun drei oder 30 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereint, spielt in der Sache keine Rolle. Es gehört zum originären Wesen der Demokratie, dass alle ihre Meinung kundtun dürfen.

    Jene, die auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen, sind dazu sogar verpflichtet. Sie haben die Pflicht, aufmerksam zu machen. Darauf, dass extremistisches Gedankengut – käme es nun von rechts oder links – die Werte des Humanismus, der Freiheit und der Demokratie gefährdet. Nichts anderes hat die Trierer FDP getan. Dass die Liberalen seit den Zeiten des Freiburger Kreises durch schlechte Leitfiguren zu einem Wurmfortsatz des Großkapitals geworden sind, darf der Trierer FDP nicht als Makel anheften.

    Hier geht es um Trier, um das „Projekt X“ und dessen Ausrichtung, respektive Orientierung. Die Trierer Liberalen haben auch kein Pandämonium linksradikaler Kräfte in der Aachener Straße beschworen. Sie haben nachgefragt, und das ist nicht nur ihr gutes Recht, sondern auch ihre Pflicht. Schließlich haben alle demokratischen Parteien des Stadtrates dem Projekt ihre Unterstützung zugesagt. Da ist es selbstverständlich, dass jene Unterstützer auch wissen wollen, wer da noch unterstützt.

    CDU, SPD, Grüne, FWG und auch die Linke (so sie sich in Trier zur demokratischen Basis zählt) sollten sich fragen, warum sie nicht auf die Idee gekommen sind, Fragen zu stellen. Eine gemeinsame Aktion aller Parteien über die Grenzen und die eigenen Empfindlichkeiten hinweg hätte den Eklat sicher verhindern, die Situation entschärfen können. Jetzt ist das Geschrei vielerorts groß – vor allem bei jenen selbst ernannten Gutmenschen, die ohnehin in allen Aktionen der FDP eine Profilneurose erkennen wollen.

    Das ist schlechter Stil und in der Sache nicht hilfreich. Hinzu kommt die pubertierende Haltung des Betreibers der Skatehalle. Er mag sich ärgern, dass ihm die FDP für Dinge auf die Finger klopft, die er nicht zu verantworten hat. Das aber rechtfertigt nicht die Maßnahme, das „Projekt X“ von heute auf morgen auf Eis zu legen. Ihr habt mich gepiesackt, also spiele ich nicht mehr mit, ist keine Lösung. Auch wenn er von vielen Gutmenschen dafür jetzt Beifall erhält. Axel Reichertz sollte aber bedenken, dass es auch schlechte Gutmenschen gibt. Die stellen sich nämlich nur freundlich vor, sind es aber in Wahrheit nicht. Da sollte einem die klare Haltung der Liberalen lieber sein – auch wenn sie unangenehm sein mag.

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    1 KOMMENTAR

    1. Ein sehr deutlicher Kommentar, dem ich aber so nicht zustimmen möchte – aus zwei Gründen:
       
      1. Die FDP hat nicht nur nachgefragt, sondern gefordert, womit die Angelegenheit eine andere Dimension erhält.
      2. Die FDP hat sich meines Wissens nach nicht mit den anderen Fraktionen abgestimmt, sondern einen Alleingang gestartet.
       
      Ansonsten freue ich mich, dass jemand so klar Stellung bezieht, auch wenn ich mich der Meinung nicht anschließen kann.

    2. An dieser Stelle möchte ich nur auf den Leserbrief von Corinna Rüffer zu dem Thema bei 16vor verweisen.

      „zum Beitrag von Maik Schuster, aus einer Pressemitteilung zum Unwort des Jahres 2011:

      ‚Gutmensch‘

      Begründung: Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren
      das ethische Ideal des „guten Menschen“ in hämischer Weise aufgegriffen, um
      Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren
      und als naiv abzuqualifizieren. Ähnlich wie der meist ebenfalls in diffamierender
      Absicht gebrauchte Ausdruck Wutbürger widerspricht der abwertend
      verwendete Ausdruck Gutmensch Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die
      notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das
      Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in
      rationaler Diskussion gehören. Der Ausdruck wird zwar schon seit 20 Jahren in
      der hier gerügten Weise benutzt. Im Jahr 2011 ist er aber in unterschiedlichen
      gesellschaftspolitischen Kontexten einflussreich geworden und hat somit sein
      Diffamierungspotential als Kampfbegriff gegen Andersdenkende verstärkt
      entfaltet.”

    3. Na na Herr Kretzer, Sie werden es doch plötzlich nicht mit dem TV halten. Polemischer und populistischer als da ist doch kaum noch möglich.
      Mich stört die Formulierung hier ebenfalls etwas, aber in der Richtung kann ich nur zustimmen.

    4. Wohltuend objektiv!!!! Gott sei dank gibt’s auch Menschen, die ganz klar das für und wider abwägen, ohne auf den, linkspopulistischen Sonderzug, des sich immer wieder durch schlechte Recherche auszeichnenden, degradierten ,ehemaligen lokalchef des tv“Pistorius “ aufzuspringen !

    5. Kommunalpolitiker können noch so hochtrabende Worte für ideologische Auseinandersetzungen wählen und auch die Opfer Stalins für die Kritik an einer mutmaßlich linksextremen Skatehalle benutzen: Es bleiben Kommunalpolitiker. Leider fällt auch Thielen darauf rein und überschätzt das Kritikpotenzial der FDP maßlos.

    6. Na Herr Krämer, ich war auch erstaunt über den Artikel im TV und auch über den Namen des Redakteurs, aber so ist das im Leben Unterstützung kommt oft unerwartet 😉 Womit wir wieder beim Thema wären…

      Aber dieses „Gedisse“ der „Gutmenschen“ geht mir schon gehörig auf den Zeiger. Nur weil man sich eine bessere Welt wünscht (und dafür kämpft), wird man pauschal abgewertet.

      Und nun mal „Butter bei die Fisch“, über was reden wir hier eigentlich: Über Horden von Linksextremisten die auf gekaperten Skateboards die Stadt unsicher machen, oder über drei (! meines Wissens gibt es nicht mehr) SDAJler die an EINEM Infoabend teilgenommen haben.

      Da ich zu glauben weiß, dass Axel Reichertz für das Projekt steht, für Sport steht, dafür Jugendlichen zu zeigen wie sie sich an ihren eigenen Leistungen messen können um darüber hinauszuwachsen um sich zu entwickeln, ist für mich persönlich auch klar, dass dort keine politische Indoktrination stattfindet, sonder einfach nur Skateboardfahren (oder BMX-Rad).

      Die eigentliche Frage die sich mir durch diese ganze Diskussion stellt ist: Was könnte passieren, wenn an solchen Stellen keine verantwortlichen Menschen sitzen. Unsere Jugendlichen weiter gezeigt bekommen, dass für Bankenrettung, Mövenpick und Felsabschleifungen auf der Bitburger Geld da ist, aber sie vor die Tür gesetzt werden.
      Das ist die Frage, die die Politik (@7. Carsten: auch die Lokalpolitik) zu beantworten hat.

    7. guter kommentar herr thielen! das beste aber an dieser seite ist, daß sich verlierertypen wie“ fipps waidmann“ ein von hass auf alle erfolgreichen, zerfressener hobbyphilosoph, hier nicht rumtummeln!sobald der was von FDP oder FWG liest, bekommt der schaum vor den mund!

    8. @thorsten kretzer: wo waren sie eigentlich als man ca 200 Kindern die möglichkeit nahm ,sich sinnvoll in der Eissporthalle zu beschäftigen!!!! So viel ich weiß stand die FDP dort alleine auf weiter Flur als es gegen eine Schließung ging(Felix Brand ).

    9. @Eisheiliger: es ist ja schön, dass Sie mir zutrauen, dass ich die Eishalle hätte retten können. Leider hatte und habe ich keine Möglichkeit dies zu stemmen und der Stadt Trier fehlen dafür auch die Mittel. Das ist mehr als bedauerlich, wenn aber Land und Bund nicht endlich die Kommunen mit genügend Geld ausstatten, wird die Eishalle nicht das letzte sein, dem wir nachweinen werden.

    10. @ thorsten kretzer: nein es fehlen keine mittel ! es gibt immer genug geld wenn es politisch gewollt ist. sie und die anderen parteien des stadtrats haben es nicht gewollt ,aus basta !sie sind dafür verantwortlich ,das mehr als 200 eissporttreibende kinder auf der strasse stehn ,also heucheln sie hier nicht wegen 30 kids die skateboard fahren rum !ach ja noch was : eine stadt die geld hat ,ein von niemandem aus der trierer gastronomie bzw dem trierer handel gewollten und auch nicht partizipierenden, veranstaltung wie „brot und spiele“ mit riesigen geldern zu unterstützen, die muss auch geld für ihre kinder haben.und herr kretzer keines dieser kinder gibt so ein dillettantisches bild bei ihrenm sport ab ,wie die vorführungen bei o.gen veranstaltungen. sie sollten mal darüber nachdenken.

    11. @ Thorsten Kretzer Da gebe ich Ihnen völlig Recht und bin ganz bei Ihnen. Ich glaube aber, ohne es genau zu wissen, dass die Sache nur deshalb so hochgekocht ist, da zwischen allen Beteiligten ein Kommunikationsproblem herrscht. Meiner Meinung nach ist es einfach nur billig, auf die FDP zu schimpfen anstatt sich mit dem Problem selbst auseinander zu setzen. Herr Reichertz, hat sich sicher auf den Schlips getreten gefühlt, sicher auch zu Recht. Meiner Meinung nach darf man auch nicht mit zweierlei Maß messen. Die paar rechten Krawallmacher, welchen manchmal -zu oft- durch Trier ziehen, sind eigentlich auch nicht die ganze Aufregung wert, die um sie gemacht ist. Es kommt nicht auf die Größe der Gruppe an. Wehret den Anfängen sollte doch die Devise lauten.

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