Das Abenteuer beginnt – Mehring ist aufgestiegen

0

POLCH. Die Region hat einen neuen Fußball-Oberligisten – den zweiten neben dem FSV Salmrohr. Der SV Mehring sicherte sich am Samstag vor 1350 Zuschauern in Polch durch einen 1:0 (0:0)-Sieg im Entscheidungsspiel gegen Eisbachtal Meisterschaft und Aufstieg.

Drei Mal ist Bremer Recht, heißt es. Jetzt kann sich auch der SV Mehring jenes Leitmotiv der Norddeutschen auf seine Trikots drucken lassen. Zwei Mal hatte die Mannschaft von Trainer Michael Schmitt in der Rheinlandliga gegen die Sportfreunde aus Eisbachtal nicht gewinnen können. Im dritten Anlauf klappte es – im finalen Spiel um den Aufstieg in die Oberliga Südwest. Schütze des entscheidenden Tores beim 1:0-Erfolg über die Westerwälder war Achmed Boussi (67.)

Natürlich lagen sich nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Benedikt Kempkes alle Mehringer in der Armen. Es wurde geknutscht, gebusselt, geherzt und gejauchzt. Schmitt hielt sich etwas abseits. Ihm standen die Tränen in den Augen. Eine feste Umarmung von der Ehefrau, ein Kuss vom Sohnemann – da brachen beim Mehringer Trainer alle Dämme. Die Anspannung ließ nach, die psychische Erschöpfung ob der zuvor durchlebten Nervenschlacht forderte ihren Tribut. „Es ist wie ein Traum“, sagte er mit schwacher Stimme, bevor auch er zur Meisterehrung schritt. „Und ja, ich bin so stolz darauf, dass ich das mit diesen Jungs geschafft habe.“

Ein paar Meter weiter stand Dirk Hannappel. Eisbachtals Trainer beobachtete den Freudentanz der Mehringer. Er, der seine Mannschaft zuvor 90 Minuten lang getrieben und sich hin und wieder auch mit den Kontrahenten angelegt hatte, erwies sich nach dem Schlusspfiff als echter Sportsmann. „Klar wäre es mir lieber, wir könnten jetzt hier feiern“, sagte er. „Aber Mehring hat aufgrund der besseren ersten Halbzeit letztlich verdient gewonnen.“ Auch Roman Weidenfeller hatte den Westerwäldern kein Glück gebracht. Der Torhüter von Borussia Dortmund erlernte das Fußballspielen einst in Eisbachtal – unter Hannappel. „Es war schön, dass er da war“, betonte Eisbachtals scheidender Trainer. „Leider können wir jetzt nicht zusammen feiern.“

Für Achmet Boussi war der Triumph von Polch „das Geilste, was ich bisher im Fußball erlebt habe“. Der Schütze des Siegtreffers war mit seinen Kräften am Ende, als Kapitän Thomas Werhan den silbernen Pokal in die Höhe reckte. Das Bad in der Menge hernach war der verdiente Lohn für viel Leidenschaft, Herzblut und Siegeswille. Von Beginn an suchte Mehring sein Heil in der Offensive. Die Taktik von Schmitt war klar: Eisbachtal so weit wie möglich vom eigenen Tor weghalten. Das würde die Abwehr entlasten. Denn gerade die hatte sich in den letzten Spielen nicht eben als sattelfest erwiesen.

Die Westerwälder hingegen vertrauten auf ihren starken Abwehrverbund. Schließlich hatte Mehring in beiden Ligaspielen gegen Eisbachtal kein Tor erzielen können. In der Innenverteidigung verfügt Hannappels Mannschaft mit Dirk Freudendahl und Martin Schönke über zwei echte Kanten. Kapitän Timo Schlag vervollständigt im zentralen Mittelfeld das robuste Trio. Offensiv vertrauen die Eisbachtaler den Künsten von Ivanov Kirov. Der Russe ist das Gehirn der Westerwälder und deren schärfste Waffe vor dem gegnerischen Tor. „Aber wir haben einfach zu wenig gemacht“, zürnte Hannappel. „Wir wollten Mehring müde spielen, und genau das haben wir nicht getan.“

Der Respekt vor den Mitteln des Kontrahenten war Mehring allerdings anzumerken. Dennoch versuchte Schmitts Elf, das Spiel über die Ballhoheit zu dominieren. Michael Fleck hatte vor Wochenfrist betont: “Wir sind die bessere Mannschaft.” Und das zeigte der SVM auch. Spielerisch hechelte Eisbachtal in fast jeder Aktion hinterher. Mehring war schnell, Mehring war präsent, Mehring war technisch stark. Und Mehring hatte seine Möglichkeiten, den Aufstieg schon früh klar zu machen.

Unmittelbar vor dem Tor von Johann Heinz spielten dann aber die Nerven die wohl größte Rolle. Florian Lorenz köpfte nach Flanke von Achmed Boussi zu ungenau (15.). Stephan Schwarz war bei seiner Schusschance zu überhastet (23.). Er war es auch, der das Spielgerät drei Minuten später aus halbrechter Position knapp am kurzen Pfosten vorbeizog. „Ich habe schon befürchtet, dass wir irgendwann dafür bestraft werden, dass wir so viele Chancen ausgelassen haben“, sagte Schmitt.

Beim Freistoß von Sebastian Ting aus knapp 40 Metern (29.) war Heinz aufmerksam. Mit den Fingerspitzen lenkte der Westerwälder Schlussmann den Ball über die Querlatte. Die größte Möglichkeit aber vergab Schwarz unmittelbar vor dem Pausenpfiff. Wieder war der Mehringer auf halbrechts vor Heinz aufgetaucht – diesmal sogar mit freier Schussbahn. Doch statt den Ball mit dem Vollspann im Tor zu versenken, wollte er die Kugel mit den Innenrist behandeln. Das ging schief.

Eisbachtal hatte nur eine Halbchance bei der Direktabnahme durch Kirov. Keine Gefahr für Thomas Hank im Mehringer Tor. Die Westerwälder konnten beim Kabinengang zufrieden sein. Trotz der klaren Überlegenheit des Gegners war ihr Konzept aufgegangen. Die Null stand. Das war ein Teilerfolg, auf dem sich aufbauen ließ.

Mit der zweiten Halbzeit ging Hannappel ein deutlich höheres Risiko. Eisbachtals Trainer nahm Schlag und Freudendahl vom Platz, brachte dafür Marco Reifenscheidt und Christian Kaes. Mehr Kreativität wollte der Trainer der Sportfreunde, mehr Zug zum Tor, mehr spielerische Elemente im Mittelfeld. Unter Umständen würde ein Tor ja reichen, um den Sprung in die Oberliga zu schaffen. „In der Phase nach der Pause waren wir dran“, sagte Hannappel denn auch.

Mehring hatte mit der taktischen Umstellung seine Probleme. Eisbachtal kam deutlich besser ins Spiel. Reifenscheidt war es schließlich, der den Treffer für die Westerwälder auf dem Fuß hatte. Beim Volleyschuss des Eisbachtalers zeigte Hank seine Klasse auf der Linie. Mit einem Reflex verhinderte er die gegnerische Führung. Wie es geht, demonstrierte Boussi den Sportfreunden auf der Gegenseite. Er nutzte das Missverständnis zwischen Schönke und Torwart Heinz eiskalt aus. Blitzschnell schnappte sich Boussi die Kugel, umkurvte Heinz und schob zum viel umjubelten Führungstreffer ein. Das 1:0 war wie eine Erlösung für den Favoriten von der Mosel: Jetzt waren sie auf dem richtigen Weg nach oben.

Und auf Hank war an diesem Tag Verlass. In der 77. Minute zeigte Mehrings Schlussmann erneut einen sensationellen Reflex – diesmal gegen den eingewechselten David Roehrig, der Hank zwei Meter vor dem Tor nicht überwinden konnte. Auch Hannappel war beeindruckt. „Unglaublich, dass er den gehalten hat.“ Als Schönke dann in der Nachspielzeit sogar noch die Latte traf (91.), war klar: Eisbachtal würde den Ball heute nicht im Netz unterbringen. Es war der Tag des SV Mehring, auch wenn Patrick Noske unmittelbar vor dem Schlusspfiff am Tor vorbei schoss.

Aber das alles spielte schließlich keine Rolle mehr: Der Jubel der Mehringer Fans in Polch war grenzenlos. „Wir sind alle Mehringer Jungs“, donnerte es von den Rängen, als die Spieler ihren Siegestanz zelebrierten. Das Abenteuer „Oberliga“ hat für den SV Mehring begonnen. Von jetzt an läuft eine neue Zeitrechnung im schönen Moselort. (et)

1 KOMMENTAR

  1. Klasse Team vom SV Mehring
    in der neuen Saison werde ich mein Eintrittsgeld dort hin bringen. Jungs aus der Region die einen guten Ball spielen brauchen die Unterstützung der Region Also auf nach Mehring in der neuen Oberligaspielzeit
    Gruß

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Klarname ist nicht erforderlich. Eine E-Mail-Adresse muss angegeben werden, wird aber nicht veröffentlicht.