Wochenchronik: Vorsicht, spitze Feder!

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TRIER. Liegewiese Palastgarten, Petrisbergaufstieg, Rathauszeitung, Bitburger und Eintracht Trier – viel Stoff für die erste Wochenchronik mit spitzer Feder. Und damit ist beileibe noch längst nicht alles von Bedeutung abgehandelt. Von Eric Thielen

An ihr führt kein Weg vorbei. Das bedauern inzwischen viele – sogar viele aus der eigenen Partei, die Simone Kaes-Torchiani (CDU) vor fünf Jahren auf den Dezernentenstuhl gehoben hatten. Trier ist nicht Stolberg, wo Kaes-Torchiani zuvor wirkte. Im beschaulichen Rheinland ticken die Uhren anders. Wann immer es in Trier Ärger gibt, wann immer harsche Kritik laut wird, eines ist so gut wie sicher: Der Name Kaes-Torchiani taucht dabei bestimmt auf.

Gegenüber dem online-Magazin 16vor beantwortete Triers Baudezernentin die Frage nach ihrem Lieblingssportler oder -verein in Trier mal so: „Ich selbst, wenn ich mich wieder einmal überwunden habe, zwei Stunden durch den Wald zu laufen.“ Für Kaes-Torchiani steht an erster Stelle Kaes-Torchiani. Der Rest kann warten. Tankstelle Ost, Parken am Moselstadion, Ablehnung des „Projekt X“ – nur drei der jüngeren Prestigeobjekte aus der lange Liste, die Triers Dezernentin durchboxen wollte, selbst gegen den erklärten Willen vieler Bürgerinnen und Bürger.

Und jetzt naht das nächste Prestigeobjekt der umtriebigen Dezernentin: die zehnwöchige Sperrung der „Bitburger“. Sicher, die marode Napoleonsbrücke muss saniert werden. Aber der Rest? Wieder wird über die Köpfe der Menschen hinweg Politik gemacht. Über die Köpfe der Anwohner hinweg. Über die Köpfe der Mitarbeiter in den Restaurants, die an Triers wichtigster Straße in die Eifel liegen. Von den Schulkindern ganz zu schweigen, von den Studenten der Fachhochschule auch.

Kritiker sagen nicht erst seit heute, der Ausbau der „Bitburger“ sei das falsche Signal in Zeiten des überbordenden Individualverkehrs. Noch mehr Autos in Trier, noch mehr Gestank, noch mehr Lärm, noch mehr Luftverschmutzung. Alternativen, etwa durch ein kostenloses Shuttle-System in die Stadt hinein, wurden erst gar nicht erwogen. Kaes-Torchiani will den Ausbau, Kaes-Torchiani bekommt ihren Ausbau. Punkt.

Probleme? Ach was, verkündet die Dezernentin. Man habe alles im Griff. Verzögerung? Ach was, sagt sie ebenso selbstsicher, das werde man schon leisten. Vielleicht hätte der Stadtrat ihr zur Auflage machen sollen, sich morgens um sieben Uhr nach Sirzenich zu begeben, um dann mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Dienstbeginn pünktlich um acht Uhr. Politiker sollten selbst erleiden, was sie den Regierten zumuten. Aber da ist leider nur der Wunsch Vater des Gedankens.

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Nein, das kann nur ein falsches Bild mit der falschen Bildunterzeile gewesen sein. Ein verzeihlicher Irrtum der Redaktion der Rathauszeitung? Nein, leider nicht. Auf der zweiten Seite des Blattes äußern die Stadtratsfraktionen ihre Meinung. Auch die Grünen. Auch Gudrun Backes. Es sind exakt die Worte von – ja, genau – Simone Kaes-Torchiani, deren sich Backes dort bedient. Was, bitte, solle denn die ganze Aufregung um die Wiese im Palastgarten. Man möge doch bitte andere Trierer Wiesen erobern – am Moselufer, im Alleenbereich (Oha! Die Anwohner werden sich freuen, wenn vor ihren Fenstern die Gaudi abgeht. Dagegen ist die Lärmkulisse der Tankstelle Ost ja wie die Bridgerunde im Seniorenheim.), in Olewig und im Aveler Tal.

Also bitte, liebe Trierer und Triererinnen, alle ab in die Autos (grüne Grundsätze sind da nicht so wichtig, nein, wirklich nicht), Grill einpacken, Bierkästen nicht vergessen – und nun erobert mal schön! Und einen englischen Rasen hätte Frau Backes gerne im Palastgarten. Gut, vielleicht auch noch mit Queen, Prinz Charles und der Ehrengarde mit Bärenfellmütze. Wieso wird man eigentlich den Eindruck nicht los, dass die Grünen in Trier die CDU auf deren konservativer Spur noch überholen könnten? Vielleicht weil es wirklich so ist? Gut möglich.

Vielleicht hätte Frau Backes aber auch ihren Wählerauftrag erfüllen können. Nachfrage etwa dergestalt: Warum wird das Thema nicht in jenem Gremium ausführlich behandelt, das von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt wurde? Vielleicht hätte sie auch nachfragen können, warum das Bistum keine Platzmiete für die all die schönen Pavillons in der Trierer Innenstadt bezahlen musste – wie etwa die Markthändler oder alle anderen das tun, die dort ihre Stände aufschlagen? Warum die Stadtverwaltung dem Bistum ihre umfangreichen Leistungen und Arbeiten im Vorfeld der Wallfahrt kostenlos zur Verfügung stellte, während die Bürgerinnen und Bürger inzwischen jeden Handstrich, den ein öffentlicher Mitarbeiter der mit über 700 Millionen Euro verschuldeten Stadt tut, extra bezahlen müssen?

Vielleicht hätte Frau Backes nachhaken können. Aber auch da ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens. Leider.

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Wie immer ist der Kollege Marcus Stölb vom Online-Magazin 16vor bestens informiert. Das Projekt Petrisbergaufstieg sei Geschichte, berichtete das Magazin am Donnerstag. Nun mag man geteilter Meinung darüber sein, ob es Sinn macht, die Höhenstadtteile derart an die City anzubinden. Das ist keine Frage. Befürworter und Gegner stehen sich gegenüber.

Der Umgang mit dem Thema aber ist der eigentliche Skandal. Nicht genug, dass eine Anfrage des Kollegen unbeantwortet blieb. Nein, in der Stadtratssitzung am Donnerstag herrschte mehr Schweigen denn Aufklärung. Wundern wird man sich kaum. Simone Kaes-Torchiani ist auch hier federführend. Öffentlichkeit? Nicht nötig. Bürgerinnen und Bürger haben zu schlucken, was die große Dezernentin vorgibt. Selbst die Anfrage der FWG-Fraktion konnte Kaes-Torchiani nicht aus ihrer Haltung locken.

Das Schweigegelübde hatte die Dezernentin wohl zuvor auch schon den Mitgliedern ihres Ausschusses verordnet. 16vor schreibt dazu: „Denn in einer Sitzung des Bauausschusses hatte Dezernentin Simone Kaes-Torchiani dem Vernehmen nach eindringlich an die Ratsmitglieder appelliert, vorerst Stillschweigen über den neuen Stand in Sachen Petrisbergaufstieg zu bewahren.“ Das ist gelebte Demokratie à la Kaes-Torchiani. Am kommenden Mittwoch will die Dezernentin selbst vor die Presse treten. Nur Kaes-Torchiani bestimmt, wann Kaes-Torchiani etwas sagt.

Gewünscht hätte man sich vom Oberbürgermeister, der weiland mit Anspruch, mehr Transparenz zu wagen, angetreten war, dass er seine Dezernentin endlich einmal zur Räson ruft. Doch Klaus Jensen schwieg und sprang der Unionschristin sogar noch bei. Die Anfrage der FWG sei sehr konkret beantwortet, sagte der OB. Und wieder einmal war der Wunsch Vater des Gedankens. Leider.

* * *

Bleibt Triers beliebtester Fußballverein. Nein, versprochen, es wird keine lange Abhandlung über die offenkundige Misere bei Eintracht Trier. Die Politik des großen Vorstandssprechers Ernst Wilhelmi und seiner Entourage aus Geschäftsstellenleiter Dirk Jacobs und Andreas Arens, dem Sportschreiber des Reklame-Blattes Wochenspiegel, spricht für sich selbst. Und geschrieben wurde von uns in den letzten Tagen dazu genug.

Geschrieben wurde auch von unseren Leserinnen und Lesern: Lob, aber auch Kritik. Das ist gut so, das gehört dazu, wenn man klar Stellung bezieht. Journalisten sind keine geschützte Art. Wenn sie mit Kritik ein Problem haben, sollten sie sich einen anderen Beruf suchen.

Klar ist allerdings auch, dass uns nichts davon abhält, unserer Aufgabe nachzukommen. Eintracht Trier ist ein eingetragener Verein, der auch Förderungen der öffentlichen Hand (aus Steuergeldern also) erhält. Nicht nur die Mitglieder, sondern auch die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, was dort vor sich geht. In Trier existieren viel zu viele Seilschaften zwischen Journalisten (echten sowie selbst ernannten) und Vereinen, Verbänden, Organisationen und Institutionen. Das ist nicht gut für Trier, nicht gut für die Bürgerinnen und Bürger.

Man mag sich wünschen, es sei anders. Aber hier ist eben der Gedanke Vater des Wunsches. Leider.

Ein schönes Wochenende!

1 KOMMENTAR

  1. Endlich mal klare, wahre und trotzdem faktisch nie so deutlich ausgesprochene Statements.
    Es ist ein Vergnügen Artikel von couragierten Journalisten zu lesen. Lokalo.de O – hee
    Weiter so…..

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