Schmutzige Kampagne

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    Eintracht Trier, das ehemalige Fußball-Flaggschiff der Region, ist im Vergleich zur Vergangenheit nur noch ein Torso. Reihenweise verlassen Spieler den Verein, weil sie mit der Klubführung im Streit um Prämien liegen.

    Über Wochen, ja Monate hinweg wurde spekuliert, gemutmaßt, wurde die Gerüchteküche angeheizt. Immer wieder tauchte die Frage auf: Warum brach die stärkste Mannschaft der Liga in der Rückrunde sang- und klanglos ein? Jene Trierer Mannschaft, die von Experten und Trainern vor der Saison zum ersten Titelaspiranten gekürt worden war. Klar ist jetzt: Der Streit um die Prämien bei Fußball-Regionalligist Eintracht Trier und die damit einhergehende Entfremdung vieler Spieler von Verein und Klubführung haben maßgeblich dazu beigetragen.

    Auf dem Höhepunkt einer gegen sie gesteuerten Kampagne mussten sich die Spieler vom eigenen Publikum verhöhnen, beleidigen und sogar anspucken lassen – als sie nach den Heimspielen durchs Marathontor in die Kabine liefen. Wenn der Stadionsprecher bei der Mannschaftsaufstellung die Vornamen nannte, erklang von den Rängen der Zusatz „Arschloch“. Sie, die auf dem Platz nach wie vor ihr Bestes gaben, ertrugen das mit stoischer Ruhe. Es ist ihnen kaum hoch genug anzurechnen.

    Kein einziges Mal stellte sich die Klubspitze vor die Spieler. Im Gegenteil: Bei Gesprächen im VIP-Zelt wurde die Kampagne gegen die Spieler mit Interna aus der Kabine sogar noch befeuert. Die Schlammschlacht kam dem Vorstand des Vereins um Sprecher Ernst Wilhelmi sogar zupass. Er, der in jedem zweiten Satz das Wort „Eintracht“ im Mund führt, ergriff die Gelegenheit, wie schon 2010 nach dem sportlichen Abstieg des Vereins in die Oberliga, einen Sündenbock auszumachen – um so vom eigenen Missmanagement abzulenken.

    Schuld hatten nur die Spieler, Schuld hatten ausgemachte „Stinkstiefel“ in der Mannschaft, die beispielsweise ihren Trip nach Mallorca – wie kolportiert worden war – für den Mai gebucht hatten. Noch vor dem Endspiel um den Bitburger Rheinlandpokal also, das die Eintracht aus finanziellen Gründen erreichen musste, dann aber durch die Niederlage in Mayen doch nicht erreichte. Dabei war der Kurzurlaub sogar mit Trainer Roland Seitz abgestimmt, der seinen Männern nach dem letzten Saisonspiel gegen Lotte frei geben wollte. Der Oberpfälzer spielt dennoch eine überaus fragwürdige Rolle in der Angelegenheit. Denn auch er positionierte sich nicht klar für seine Spieler, denen die Rückendeckung durch den Trainer schon früh fehlte.

    Dargestellt wurde der Sachverhalt auf dem Höhepunkt der schmutzigen Kampagne gegen die Spieler dergestalt, dass sie kein Interesse am Erfolg des Vereins hätten. Das Gegenteil ist der Fall: Als klar war, dass das Endspiel im Pokal nicht vor Ende Mai sein würde, stornierten die Spieler ihren Kurztrip – und blieben sogar auf den Kosten sitzen. Doch all das drang nicht in die Öffentlichkeit, weil es die Position der Führungsriege geschwächt hätte.

    Dort – und sonst nirgends – sitzen die Schuldigen für die aktuelle Misere des Klubs. Der Traditionsverein aus Trier ist unter der Führung des von Wilhelmi gesteuerten Vorstandes zu einem Abklatsch früherer Tage verkommen. Hinzu kommt das katastrophale Management von Geschäftsstellenleiter Dirk Jacobs, der „Grauen Eminenz“ des Vereins. Die Bilanz des Duos Wilhelmi/Jacobs, das die meisten Entscheidungen im Alleingang trifft, ist verheerend – von der wirtschaftlichen Situation des Klubs bis hin zum aktuellen Prämienstreit.

    Jetzt könnte der Verein die brutale Quittung für diese Politik erhalten. Gibt es keine Einigung im Prämienstreit mit den Spielern, werden diese wohl alle juristischen Möglichkeiten ausschöpfen, um ihr Geld zu erhalten – bis hin zu einer Sammelklage gegen den Klub. Der noch amtierende Vorstand wäre gut beraten, schnell den Vergleich zu suchen. Sonst könnte die Klage schon der Todesstoß für den ohnehin bereits in Agonie zuckenden Verein sein.

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    1 KOMMENTAR

    1. Wer startet hier denn gerade eine schmutzige Kampagne??? Der Einbruch nach der Winterpause passt ja wohl nicht in den Zeitplan der eventuell nicht gezahlten Prämien! Und hätten alle Spieler Eier in der Hose gehabt wären wir dieses Jahr aufgestiegen und Pokalsieger geworden (nie war das einfacher als dieses Jahr) und dann wären wohl noch ganz andere Prämien gezahlt worden! Also so ganz passt das nicht!

    2. @Andreas
      Ach hör doch auf mit dem Unsinn. Es weiss doch jeder wie die Spieler bei uns schon immer behandelt wurden. Frag doch mal unsern alten Spieler Lars Schäfer wie lange der mit Verein prozessiert hat oder frag mal den alten Jupp Cinar, was sie mit dem machen wollten.

    3. wie soll ein erfolgloser getränkehändler von der mittelmosel einen professionellen fussballverein managen ?diese unfähigkeit hätte man aber auch vorher wissen können ,hätte man sein vita angeschaut!!!

    4. Sehr geehrter Herr Thielen,
      endlich hat mal jemand gründlich recherchiert und Fakten an die Öffentlichkeit gebracht, von denen in der Vergangenheit immer nur gemunkelt wurde. Viele Freund haben sie sich damit in der Vorstandschaft unserer Eintracht nicht gemacht, deswegen zolle ich Ihnen hiermit meinen allergrößten Respekt.

    5. Lieber Norbert Vogt,

      bei diesem Lob schließe ich mich an, selbst wenn wir verschiedene Ansichten über den Verein haben.

    6. Sehr geehrter Herr Thielen,

      wenn das alles immer so 100% der Wahrheit entspricht fage ich mich warum der Verein immer noch am leben ist???
      Ich bezweifele nicht, dass es immer einen Funken Wahrheit in allem gibt, aber es ist doch schon seltsam das Sie schon seit Monaten nichts mit Ihren privaten Hetzkampagnen erreichen, oder?
      Zumindest sieht es für mich so aus, als ob Sie ein privates Problem mit einigen Herren haben, denn Ihre Berichterstattung ist in weiten Teilen doch sehr weit hergeholt finde ich…
      Ein guter Journalist sollte doch bei den Fakten bleiben, bei Ihnen schwingt immer der persönliche Groll mit!!!

    7. @Angela
      Ich glaube eher, dass du ein Problem mit Herrn Thielen hast wie viele die nur durch die Brille vom Vorstand schauen. Bist du verwandt oder verschwägert mit einem aus der Vorstandschaft?
      Wenn etwas an den Berichten nicht stimmt, gehen die Herren bestimmt dagegen vor oder meinst du nicht?
      Lieber Herr Thielen, lassen Sie sich bitte davon nicht beeinflussen, damit sich hoffentlich bald etwas ändert. Ich hoffe das war nicht der letzte Artikel zum Thema.

    8. Nein ich bin nicht verwandt mit einem aus dem Vorstand! Ich bezahle meine Jahreskarte schon seit Jahren schön brav und stehe zu meinem Verein!
      Und ich habe sicher kein persönliches Problem mit Herrn Thielen da ich ihn Gott sei Dank nicht weiter persönlich kenne! Allerdings ist es doch seltsam das nur er immer so extra quer gegen den Verein schießt. Aber er hat ja auch Talent sich immer in den Stänkerrunden dazu zu gesellen!

      Es kann meiner Meinung nach nur nicht sein das hier nur die Führung immer so an den Peanger gestellt wird. Ich glaube wir konnten damals froh sein das Leute wie Ernst Wilhelmi oder auch ein Roman Gottschalk den Verein unterstützt haben. Aber egal…

      Eins ist wohl diese Saison jedem der „treuen“ Fans klar geworden, nämlich das wir leider mal wieder einige Charakterschweine in der Mannschaft hatten!!! Wenn ich meine Arbeit so erledigen würde, säße ich schneller auf der Strasse als ich gucken könnte!

    9. Vielen Dank für diesen Artikel, dem hoffentlich noch viele weitere folgen werden.
      Ihre Hintergrundinformationen lassen die Handlungsweise der Verantwortlichen „unseres“ Vereins durchschaubarer werden!

    10. Liebe Angela,
      wenn du deine „Arbeit so erledigen würdest, wie es die Spieler in den letzten beiden Jahren gemacht haben, säßest du nicht auf der Straße, sondern würdest wahrscheinlich befördert werden. Diese Mannschaft war ein Haufen, der durch Intrigen mit Wissen des Vorstands und des Trainers gesprengt wurde, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken.

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