Neues Gutachten zum Alter des Täters – Keine Zuschauer im Prozess um Tod von Mia aus Kandel

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Zwei Handflächen und eine Rose liegen in Kandel (Rheinland-Pfalz).

Bildquelle: Foto: Andreas Arnold/Archiv (dpa)

KANDEL. Beim Prozess um den gewaltsamen Tod der 15-jährigen Mia aus Kandel ist die Öffentlichkeit definitiv ausgeschlossen. Ein vom Gericht in Auftrag gegebenes Ergänzungsgutachten habe Zweifel am Alter des mutmaßlichen Täters nicht ausräumen können, sagte ein Sprecher des Landgerichts Landau am Dienstag. Er verwies auf den Grundsatz «In dubio pro reo» (Im Zweifel für den Angeklagten). «So lange diese Zweifel bestehen, kann man nicht annehmen, dass er älter ist.» Der mutmaßliche Täter gilt deshalb als Jugendlicher, auf den Jugendstrafrecht anzuwenden ist. Deshalb bleibt die Öffentlichkeit in dem Prozess außen vor. Über das neue Gutachten hatte zuvor die «Rheinpfalz» berichtet.

Die 15-jährige Mia war Ende Dezember in einem Drogeriemarkt in Kandel erstochen worden. Als mutmaßlicher Täter gilt ihr Ex-Freund, ein Flüchtling aus Afghanistan. Er hatte sein Alter mit 15 Jahren angegeben und war als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling betreut worden. Nach der Tat wurden Zweifel laut, ob er tatsächlich erst so jung ist. Die Staatsanwaltschaft gab deshalb ein Gutachten in Auftrag. Als Ergebnis kam heraus, dass er zur Tatzeit mindestens 17 Jahre und sechs Monate alt war, wahrscheinlich aber schon 20. Auch damit gilt er im strafrechtlichen Sinne nicht als Erwachsener.

Das Landgericht ging in Anwendung des Zweifelsgrundsatzes davon aus, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte. Bei Angeklagten zwischen 14 und 17 Jahren gilt immer Jugendstrafrecht. Um Klarheit zu bekommen, hatte die als Jugendkammer fungierende 2. Strafkammer aber das Zusatzgutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis nun bekannt ist. Der Prozess beginnt am 18. Juni in Landau.

(dpa/lrs. – News)

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