Gericht: Eltern haften nicht immer für ihre Kinder

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KOBLENZ. «Eltern haften für ihre Kinder»: Diesen Ausspruch kennt fast jeder. Doch er trifft nicht immer zu, wie ein am Montag veröffentlichte Beschluss in einem Zivilprozess am Landgericht Koblenz zeigt.

Zwei Jungen (6 und 7) fuhren demnach in einem Dorf im Kreis Altenkirchen im Westerwald auf Anweisung ihrer Eltern auf einer wenig befahrenen Straße zum nahen Spielplatz. Bei einem Wettrennen berührten sie mehrere geparkte Autos und verursachten einen Schaden von insgesamt fast 8000 Euro. (Az 13 S 2/18).

Eine Versicherung, die diese Kosten übernahm, verklagte die Tante, die die Kinder beaufsichtigt hatte, auf Zahlung der Hälfte der Schadenssumme. Die Frau habe die Jungen unbeaufsichtigt auf der Straße statt auf dem Gehsteig fahren lassen, außerdem seien die Fahrradlenker nicht richtig mit Gummistopfen geschützt gewesen. Das Amtsgericht wies die Klage ab.

Dagegen legte die Versicherung Berufung ein – und kassierte erneut eine Niederlage. Dem Landgericht zufolge neigen Kinder dazu, «Vorschriften und Anordnungen zu missachten». Anderseits gebe es das Ziel, sie zu selbstständigem Handeln zu erziehen. Daher könne der beklagten Tante keine Verletzung der Aufsichtspflicht vorgeworfen werden. Die beiden Schulkinder hätten eine ihnen bekannte, wenig befahrene Straße befahren und bereits eine Verkehrserziehung gehabt. Die Beobachtung durch die Tante war laut Gericht gewährleistet.

Mit der Vorschrift, dass Kinder bis zum achten Lebensjahr auf dem Gehsteig radeln müssten, sollten sie vor Autofahrern geschützt und nicht Dritte vor Schäden bewahrt werden. Eine Verpflichtung, nur mit intakten Gummistopfen an den Lenkern Fahrrad zu fahren, gebe es ebenfalls nicht. Die Versicherung nahm daraufhin die Berufung zurück.

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