Brommenschenkels großes Reich

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TRIER. Die „Glocke“ war Generationen von Trierern wie ein zweites Zuhause, der legendäre „Glocken-Jupp“ ein Unikum. Heute gehört das Traditionslokal Peter Brommenschenkel, Rund 800.000 Euro zahlte der Geschäftsmann für das denkmalgeschützte Gebäude und erhielt von der Stadt eine vorläufige Gaststätten-Konzession bis zum 31. März 2012. Die ist abgelaufen – die Stadt aber verweigert inzwischen weitere Auskünfte dazu.

Peter Brommenschenkel ist ein umtriebiger Mann. Vom Fenster seines Büros im ersten Stock der „Steipe“ blickt er auf den Hauptmarkt. Einen Pfeiler seines kleinen Imperiums kann er von dort aus sehen. Die „Parfümerie Pierre“ an der Ecke des Platzes gehört zu seinem Reich. Auf dem großen Bürotisch mit der polierten Platte stapeln sich die gelben Coupons. Wer sie besitzt, ist ein VIP, eine Very Important Person – zumindest laut Gutschein. Auf der Rückseite des Zettels locken „30 Prozent VIP-Kunden-Rabatt“ die potenzielle Kundschaft. Rabattaktionen laufen auch bei Umbauten. Bei „Pierre“ wird oft umgebaut. „Wenn wieder drei Regale verschoben werden“, sagen Beobachter.

„Bio Gate“ und „Pfannkuchen-Haus“, „Pasta Pasta“, „Pierre“ und „Ochsle“ – das ist Peter Brommenschenkel. In der Werbebeilage Macher der ortsansässigen Heimatzeitung wird der Geschäftsmann auch schon mal als „Selfmade-Unternehmer“ bezeichnet. Was immer das auch heißen mag, Brommenschenkel ist stolz darauf. Seine erstklassigen Verbindungen zum regionalen Monopolblatt lässt er gerne spielen. Und die funktionieren – immer.

Seit 2011 gehört Brommenschenkel das traditionsreiche Gasthaus „Zur Glocke“. Rund 800.000 Euro legte der Geschäftsmann nach lokalo-Informationen für das Haus auf den Tisch. Brommenschenkels Angebot traf bei der Erbengemeinschaft Berens schon ein, bevor eine Schweicher Bank das Gebäude überhaupt zum Verkauf ausgeschrieben hatte. Jetzt soll er einen Bauantrag für die Renovierung eingereicht haben. Volumen: gut eine Million Euro. Baubeginn soll angeblich im Herbst sein – mit einer zusätzlichen Etage für das Fachwerkhaus. Auskunft erteilt die Verwaltung darüber nicht. Die wurde auf eine lokalo-Anfrage hin abgelehnt. „Nur mit Einwilligung des Unternehmers sei dies möglich“, heißt es aus dem Rathaus.

Die Stadt erteilte Brommenschenkel eine vorläufige Konzession. Laufzeit bis zum 31. März 2012. An diesem Punkt scheiden sich die Geister. Andere Trierer Gastronomen wissen von einem enormen Sanierungsstau in dem denkmalgeschützten Gebäude. Und wundern sich gleichzeitig darüber, dass Brommenschenkel überhaupt die Gaststätten-Konzession erhielt. „Ich glaube nicht, dass ein anderer es so einfach gehabt hätte“, sagt einer von Brommenschenkels Kollegen, der ebenfalls in der Trierer Innenstadt ein Lokal betreibt und von akribischen Kontrollen der Behördenmitarbeiter berichtet. Nachfragen zu diesem Punkt ignorierte Brommenschenkel über Wochen hinweg. Erst als der Geschäftsmann mit einer weiteren wohlwollenden Veröffentlichung rechnen konnte, war er zu einem Gespräch bereit.

„Alles Quatsch“, sagte Brommenschenkel zur Frage nach den Auflagen der Genehmigungsbehörde. „Wir haben keine Auflagen für die Konzession bekommen“, betonte er ferner. Zu diesem Zeitpunkt stärkte ihm der Artikel an exponierter Stelle des Lokalblattes bereits den Rücken. „Die Glocke, die zu Jahresbeginn noch ein Auslaufmodell zu sein schien, läuft so gut wie selten zuvor“, heißt es darin unter anderem. Keine Anführungszeichen, die auf ein Zitat hinweisen, sondern eine Tatsachenbehauptung. Beste Werbung für Peter Brommenschenkel und seine Unternehmen.

Oswald Steines kann angesichts dieser Darstellung nur den Kopf schütteln. Der studierte Diplom-Pädagoge übernahm die „Glocke“ Anfang 2010 als Geschäftsführer. „Von da an ging es mit den Umsatzzahlen stetig bergauf“, sagt Steines. Er habe seinem Nachfolger einen „florierenden Betrieb“ übergeben. Zusammen mit „Schallmo“ aus Kerstert am Rhein, einem Unternehmen für Gastronomie- und Hotelmarketing, sei die „Glocke“ innerhalb kürzester Zeit wettbewerbstauglich gemacht worden. Steines dachte an die Übernahme der Konzession, die nach dem Tod vom „Glocken-Jupp“ auf dessen Schwester Annemarie Simon lief.

Im Januar 2010 stieg Steines als Geschäftsführer des Lokals ein. Bereits kurz darauf meldete sich die für die Konzessionsvergabe zuständige Behörde bei ihm – obwohl Annemarie Simon weiterhin als Inhaberin der Lizenz geführt wurde. Bei einem Konzessions-Wechsel achten die zuständigen Ämter gewöhnlich genau auf die gesetzlichen Vorgaben. Brandschutzbestimmungen sind einzuhalten, ebenso wie solche zum allgemeinen Arbeitsschutz der Mitarbeiter. Von einwandfreien sanitären Anlagen und einer gesundheitstechnisch mängelfreien Ausstattung von Küche und Schankanlage einschließlich Schankstube ganz zu schweigen.

Stadt ging von Renovierung bis Januar aus

Steines setzte sich mit den zuständigen Ämtern in Verbindung. Mitarbeiter des Ordnungsamtes, des Veterinär- und Gesundheitsamtes sowie der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) nahmen die „Glocke“ unter die Lupe. Das Ergebnis der Fachleute war eindeutig. Um die Konzession auf seinen Namen zu erhalten, hätte Steines einen sehr hohen Betrag investieren müssen. „Unter 500.000 Euro wäre da nichts gelaufen“, betont ein Behördenmitarbeiter. „Wir hätten Anfang 2011 loslegen müssen“, sagt Steines, „aber das Risiko war mir einfach zu hoch.“ Er entschied sich für den Ausstieg, die „Glocke“ wurde verkauft. Steines blieb als Geschäftsführer bis zum März im Lokal. Brommenschenkel hätte ihn gerne behalten. Steines aber ging. Über die Gründe schweigt er sich aus. „Das war nicht mehr meine Sache“, sagt er dann doch. Mehr nicht.

Nach wie vor liefen die Stromkabel im Gebäude über den Putz, waren Mängel in der Grundausstattung des Lokals offensichtlich. „Wir haben den Boden gestrichen, das ist alles“, sagte Brommenschenkel noch im Herbst. Die Konzession erhielt er dennoch. Aus dem Rathaus heißt es damals dazu: „Mit Eingang vom 30. März 2011 hat die Firma Reformhaus Brommenschenkel und Parfümerie Pierre GmbH, Geschäftsführer Peter Brommenschenkel, beim Ordnungsamt einen Antrag auf Erteilung einer Gaststättenerlaubnis gestellt. Da größere Baumaßnahmen angekündigt wurden, konnten sich Herr Brommenschenkel und die beteiligten Fachämter (Bauaufsichtsamt; Ordnungsamt) darauf verständigen, dass eine befristete Gaststättenerlaubnis für ein Jahr (bis zum 31. März 2012) erteilt wird.“ Dies sei durchaus gängige Praxis, teilte die Verwaltung weiter mit, wenn über die Erteilung der endgültigen Erlaubnis noch nicht abschließend entschieden werden könne.

Allerdings ging die Behörde davon aus, dass die notwendigen Sanierungsmaßnahmen bis zum Januar 2012 abgeschlossen sein werden. „Soweit aus der Akte zu ersehen ist, hat Herr Brommenschenkel den Abschluss der Baumaßnahmen für Januar 2012 angekündigt“, heißt es aus dem Rathaus. Davon jedoch wollte der Geschäftsmann schon im September 2011 nichts wissen: „Wir werden erst Anfang des kommenden Jahres die Pläne einreichen“, sagte Brommenschenkel damals. Auf den Januar wollte er sich nicht festlegen. Von Bau- oder Sanierungsmaßnahmen könne zu diesem Zeitpunkt noch keine Rede sein. Und von einem Abschluss der Arbeiten erst recht nicht. Zweifel daran, dass die Konzession auch über den 31. März 2012 gültig sein wird, hatte er nicht. „Aber ich habe nichts daran gedreht“, betonte er und sprach gleichzeitig davon, dass er noch nie Probleme mit der Stadt gehabt habe. „Wir machen eben einen guten Job“, so Brommenschenkel.

Auch von Mängeln im Gebäude wollte der Geschäftsmann nichts wissen. Ebenso wenig wie von den Urteilen der Fachleute, die Steines eingeholt hatte. Geschweige denn von den Kosten für die Sanierungsmaßnahmen, die notwendig sind, um überhaupt eine Konzession zu erhalten. „Bei uns ist alles in Ordnung“, sagt Brommenschenkel nur. Investieren will er. „Aber das hat mit der Konzession nichts zu tun.“ Pläne für sein Vorhaben mit Hotelbetrieb, das laut Lokalzeitung „millionenschwer“ werden soll, hatte er bis Anfang des Jahres im Rathaus noch nicht eingereicht.

„Entsprechende Unterlagen wurden bisher noch nicht vorgelegt“, hieß es bei der Stadt. Übereinkunft zwischen den beiden Ämtern für Ordnung und Bau bestünde indes darin, „dass bei einer notwendigen Sanierung entsprechend den geplanten Nutzungskonzepten gleichfalls auch eine Anpassung an heutige Bestimmungen des materiellen Bauordnungsrechtes und des Brandschutzes unter Einbeziehung des Denkmalschutzes erfolgen soll“.

Bis zum 31. März 2012 hatte Brommenschenkel so auf jeden Fall Ruhe. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) stand der Konzessions-Erteilung an den Trierer Geschäftsmann von Beginn an kritisch gegenüber. Sie ist für den Arbeitsschutz zuständig. Bis Ende letzten Jahres wollte die SGD alle Mängel beseitigt wissen. Jetzt wurde die Konzession für den Geschäftsmann trotz der Bedenken von der Stadt erneut verlängert. Bis wann, sagt die Verwaltung ebenfalls nicht. „Keine Auskunft“, hieß es auch zu diesem Punkt.

Katrin Klein, die bis vor kurzem Geschäftsführerin des Traditionslokals war, kann das inzwischen gleichgültig sein. Von ihr trennte sich Brommenschenkel erst jüngst – trotz des hohen Lobes, das der Geschäftsmann bei der Übernahme des Lokals seiner neuen Frontfrau zollte. „In beiderseitigem Einverständnis“ sei die Trennung geschehen, wie gesagt wurde. Eine arbeitsrechtliche Auseinandersetzung sei dennoch nicht ausgeschlossen, wie Kenner der „Glocken“-Szene vermuten. (et)

1 KOMMENTAR

  1. Es weiß doch jeder, dass mit guten Beziehungen bzw guten Euros in Trier vieles machbar ist, was sonst Probleme macht. Das ist doch schon seit den Römern so.

  2. Unglaublich aber wahr! Hier stellt sich doch die Frage wesen Geldquellen hier versiegen bzw. wesen Mäzen hier vom erstrebten Konzept nicht überzeugt ist. Mann bedenke das auch ein Herr Brommenschenkel in gewissen Kreisen austauschbar ist! Alles ist vergänlich.

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