Hunderte Schülerinnen in Trier fassen sich ein Herz

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Unter fachmännischer Anleitung von Dr. med. Christoph Schuh vom Brüderkrankenhaus Trier und mithilfe von Übungspuppen erlernen Schülerinnen des Angela-Merici-Gymnasiums Techniken der Reanimation.

Bildquelle: Brüderkrankenhaus Trier

TRIER. Eine besondere Unterrichtseinheit absolvierten rund 350 Schülerinnen des Angela-Merici-Gymnasiums Trier: Im Klassenraum erlernten sie, wie man einen Menschen wiederbeleben kann und worauf man bei der Laienreanimation achten muss.

Damit machte die vom Brüderkrankenhaus Trier gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr der Stadt initiierte Kampagne „Hand aufs Herz – Trier rettet Leben“ ein weiteres Mal Schule.

Helen Wagner ist sich sicher: Hätte sie bislang „eher nur geguckt“, würde sie heute helfen. „Ich weiß ja jetzt, wie es geht“, sagt sie stolz. Die 14-Jährige steht noch ganz unter dem Eindruck der vorangegangenen beiden Schulstunden. „Wiederbeleben“ erlernten sie und ihre Mitschülerinnen an diesem Tag, und lebhaft ging es zu im Klassenraum der 8a des Angela-Merici-Gymnasiums.

Insgesamt 33 Schülerinnen knien auf dem Boden, in drei Gruppen lauschen sie den Ausführungen der Experten: Dr. med. Christoph Schuh, Facharzt für Kardiologie und Anästhesie-Fachpfleger David Hortian, beide Mitarbeiter des Brüderkrankenhauses, sind gekommen; außerdem Christian Jakobs, Rettungsassistent der Berufsfeuerwehr. Die Drei sind Teil eines Teams, das sich der praxisnahen Vermittlung von Kenntnissen und Techniken der Laienreanimation verschrieben hat. „Hand aufs Herz – Trier rettet Leben“ heißt die Kampagne, die 2016 von den Abteilungen für Innere Medizin III / Kardiologie sowie Anästhesie und Intensivmedizin des Brüderkrankenhauses initiiert wurde. Erklärtes Ziel: Mehr Menschen als bisher sollen helfen, sollten sie Zeugen eines plötzlichen Herztods werden. Auch um weitverbreitete Hemmungen und Unsicherheiten abzubauen, wurde die Kampagne entwickelt.

Annika Merker hat viel gelernt in den beiden Stunden, doch eine Information blieb ihr besonders haften: „Ich hätte nie gedacht, dass das Gehirn so schnell abstirbt.“ Erfahren hat sie das aus einem spannenden Vortrag von Tobias Hauptmann, Arzt in der Anästhesie und federführender Koordinator der Aktion: „Schon nach drei bis fünf Minuten ohne Wiederbelebungsmaßnahme, also ohne Sauerstoff, fängt das Gehirn an, abzusterben“, erklärt er und fügt hinzu: „In dieser kurzen Zeit ist kein Rettungsdienst vor Ort, deshalb sind es vor allem Ersthelfer, beispielsweise die Schülerinnen, die Leben retten können.“ Derweil hat Annika Merker noch eine weitere Information überrascht: „Dass man die eigene Zunge verschlucken kann.“ Stimmt, bestätigt Dr. Schuh und erklärt der 14-Jährigen die anatomischen Gründe, wie und weshalb es hierzu kommen kann.

Der Kardiologe hat schon häufig in Sachen Wiederbelebung unterrichtet, doch war es für ihn das erste Mal, dass er mit in eine Schule ging. Sein Fazit: „Ich bin erstaunt, wie motiviert die Schülerinnen waren und wie schnell sie das Erlernte praktisch umsetzen konnten.“ Was Dr. Schuh ebenfalls beobachtete: „Gerade das Drücken kostet die Schülerinnen viel Kraft, aber das ist auch kein Wunder in diesem jungen Alter.“ Tatsächlich verlangt die Herzdruckmassage auch Erwachsenen einiges ab – woran wenig ändert, wenn im Hintergrund „Stayin‘ alive“ ertönt. Der Rhythmus des Bee-Gees-Songs hilft, leichter im Takt zu bleiben, doch einfacher wird das Drücken hierdurch nicht. Deshalb der Tipp von Rettungsassistent Christoph Jakobs: „Holt euch Unterstützung und wechselt nach spätestens zwei Minuten.“

Überhaupt, die Herzdruckmassage: Sie ist mehr noch als die Mund-zu-Mund-Beatmung wichtig, um einen Menschen wiederzubeleben. Doch allzu zimperlich darf man hierbei nicht vorgehen, mussten Helen Wagner und ihre Mitschülerinnen lernen: „Dass ich dabei auch Rippen brechen könnte, hat mir doch ein wenig Angst gemacht“, sagt die Achtklässlerin und ergänzt: „Aber besser eine gebrochene Rippe haben, als zu sterben.“ Die praktischen Übungen kamen gut an bei den Schülerinnen; kostete es manche anfangs etwas Überwindung, so fassten sich schließlich alle ein Herz und versuchten mit Verve das Wiederbeleben. Aus Sicht von Tobias Hauptmann war die Aktion im AMG ein voller Erfolg: „Ich bin mächtig stolz! 350 Schülerinnen, das gab es in der gesamten Region noch nie“, freut er sich. Insgesamt acht Mitarbeiter von Brüderkrankenhaus und Berufsfeuerwehr kamen zum Einsatz, außerdem nicht weniger als 46 Trainingspuppen.

Auch Jürgen Bonertz ist begeistert. Der Mittelstufenleiter kann sich vorstellen, dass die Mitglieder des AMG-Kollegiums demnächst ebenfalls einen Kurs im Rahmen von „Hand aufs Herz – Trier rettet Leben“ belegen werden. Dass die Experten mit viel Herzblut bei der Sache waren, ist ihm nicht entgangen; außerdem müssten Lehrerinnen und Lehrer ohnehin alle zwei Jahre einen Auffrischungskurs in Erster Hilfe absolvieren, berichtet Bonertz.

Hintergrund:

Bereits 2014 sprach sich der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz dafür aus, den Bundesländern die Einführung von Unterrichtsmodulen zum Thema „Wiederbelebung“ in einem Zeitumfang von 2 Stunden ab der Klassenstufe 7 zu empfehlen. Auch die Landesregierung in Mainz befürwortet laut ihrer Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) diese Empfehlung der KMK. In Trier konnte dank der Unterstützung durch die Abteilungen für Innere Medizin III / Kardiologie sowie Anästhesie und Intensivmedizin des Brüderkrankenhauses und der Herbert und Veronika Reh-Stiftung zum Schuljahr 2017/2018 das Pilotprojekt „Reanimationskurse für Schülerinnen und Schüler ab der Klassenstufe 7“ ausgeweitet werden. Die Unterrichtung der gesamten Mittelstufe des AMG während zwei Tagen war die bislang größte Aktion im Rahmen der Kampagne „Hand aufs Herz – Trier rettet Leben.“

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