Wirklich minderjährig? Zweifel bei Flüchtlingen

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Bildquelle: Felix Kästle / dpa-Archiv

THOLEY. Bei mehr als zwei Dritteln der jungen Flüchtlinge im Saarland haben Experten vor Ort Zweifel an den Altersangaben: In den vergangenen 25 Monaten seien in 763 Fällen 557 Flüchtlinge nach einer «qualifizierten Inaugenscheinnahme» und pädagogischer Befragung «als nicht zweifelsfrei minderjährig» eingeschätzt worden, teilte das Sozialministerium des Saarlandes in Saarbrücken mit.

Bei ihnen sei eine radiologische Untersuchung des Handgelenks erfolgt: Danach wurden 263 Personen (rund 35 Prozent) als volljährig eingeschätzt.

Seit 1. Februar 2016 hat das Saarland das sogenannte Verfahren des Vorclearings (Vorklärung) für alle unbegleiteten minderjährigen Ausländer zentralisiert: Am Schaumberger Hof bei Tholey. Dort arbeitet ein Team aus Ärzten, Sozialarbeitern, Psychologen und Dolmetschern zusammen. Von dort aus werden sie weitervermittelt, meist in Jugendhilfeeinrichtungen. Mit seinem Modell gilt das Saarland bundesweit als Vorreiter.

«Wir prüfen nicht hart, wir prüfen nach dem Gesetz», betont Herbert Heyd, Leiter der Abteilung Jugend, Senioren, Familien und Frauen im saarländischen Sozialministerium. «Unser Credo ist: Kinder- und Jugendhilfe dient dem Wohl des Jugendlichen und nicht dem Erwachsenen.» An der Saar leben laut Heyd momentan rund 580 unbegleitete minderjährige Ausländer, bundesweit sind es rund 52 000.

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