Ausbildung in Teilzeit – Ein Gewinn für alle Beteiligten

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Symbolbild

Bildquelle: dpa, Tim Brakemeier

Die Situation auf dem regionalen Ausbildungsmarkt macht es Unternehmen zunehmend schwierig, geeignete KandidatInnen für Ausbildungsplätze zu finden. 2017 blieben laut der Agentur für Arbeit in der Region Trier 569 gemeldete Ausbildungsstellen unbesetzt. Das seien 268 mehr als noch im Jahr davor.

Gleichzeitig ist die Zahl der BewerberInnen jedoch gesunken. Es wird also deutlich, dass Arbeitgeber vermehrt auf innovative Strategien setzen sollten, um künftig Fachkräfte zu finden. Das Beispiel von Frau D. zeigt hierbei einen möglichen Weg, wie eine Ausbildung auch in einer komplizierten Situation möglich ist. Sie wird ihre Ausbildung in Teilzeit absolvieren.

Die 35-jährige Mutter von drei Kindern hat in ihrem Leben schon viel erreicht und zunächst das Abitur bestanden und dann ein Lehramtsstudium an der Universität Trier erfolgreich mit dem 1. Staatsexamen abgeschlossen. „Natürlich war es eine große Herausforderung das Studium und die familiäre Situation zu managen. Aber mit einem gewissen Maß an Organisationstalent und Flexibilität habe ich es geschafft! Leider haben die Probleme anschließend zugenommen.“ Auf Grund ihrer Kinder war sie örtlich gebunden und konnte das Referendariat nur im näheren Umkreis absolvieren. Dadurch dauerte es, bis sie einen Referendariatsplatz fand. Da es dann noch zu einer Veränderung in ihrem Privatleben kam und es nicht möglich war, das Referendariat in Rheinland-Pfalz in Teilzeit zu absolvieren, musste sich Frau D. beruflich neu orientieren.

„Ich habe mir zuerst eine Stelle im Bürobereich gesucht, die ich trotz fehlender Ausbildung übernehmen konnte. Schon hierbei sind mir einige Qualifikationen aus meinem Studium, wie etwa Fremdsprachenkenntnisse, zu Gute gekommen. Aber auf Dauer wollte ich lieber eine bessere Perspektive haben und mehr berufliche und finanzielle Sicherheit.“ Sie suchte bei verschiedenen Stellen Beratungsangebote auf. Bei der Agentur für Arbeit Trier wurden sie schließlich fündig. Dort wurden ihr Möglichkeiten aufgezeigt, an die sie selbst überhaupt noch nicht gedacht hatte. „Es hat sehr gut getan, eine neutrale und professionelle Einschätzung meiner Situation zu erhalten. Auf die Idee, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren, wäre ich ansonsten nicht gekommen! Ich war zwar zuerst skeptisch, dann wurde mir aber klar, dass eine abgeschlossene Ausbildung mit Blick auf mein künftiges Berufsleben zahlreiche Vorteile mit sich bringt.“

Hanna Theresa Kunze, Beauftragte für Chancengleich am Arbeitsmarkt, führt dazu aus: „Mir fiel schnell auf, dass Frau D. für Ihre Stelle eigentlich überqualifiziert war und dass sie eine große Motivation mitbringt, um beruflich mehr aus sich zu machen. Daher habe ich ihr die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung aufgezeigt. Frau D. war dafür schnell Feuer und Flamme und hat sich mit großem Elan ans Werk gemacht.“ Sie habe innerhalb weniger Wochen eine Vielzahl von Bewerbungen geschrieben und sich bei Firmen vorgestellt. „Mir ist dabei erst bewusst geworden, dass ich zahlreiche Qualifikationen und Softskills, wie etwa Belastbarkeit und Organisationsfähigkeit, vorzuweisen habe, die andere BewerberInnen in dieser Form nicht mitbringen. Dennoch hatte ich etwas Angst vor der Reaktion der Arbeitgeber, wenn ich mich auf Ausbildungsstellen in Teilzeit beworben habe.“

Neben einigen Absagen zeigten sich manche Unternehmen jedoch offen und luden die junge Frau zu Vorstellungsgesprächen und Probearbeitsterminen ein. Schließlich fand sie auf diesem Wege einen Arbeitgeber, der ihre Stärken erkannte. „Zum August dieses Jahres werde ich eine Teilzeitausbildung zur Industriekauffrau beginnen. Das Unternehmen war sehr angetan von meinen Vorkenntnissen und meinem Engagement. Damit bietet sich mir jetzt die Möglichkeit, beruflich nochmal richtig durchzustarten.“ Frau Kunze bestätigt sie darin: „Die Möglichkeit ergänzend zu einer Ausbildung in Vollzeit auch eine Teilzeitausbildung anzubieten, eröffnet für Unternehmen ganz neue Chancen um Azubis zu finden. Natürlich ist dies mit etwas Organisationsaufwand verbunden, aber man gewinnt dadurch loyale und motivierte Arbeitskräfte, die meist durch ihre familiären Verpflichtungen super organisiert und zuverlässig sind. Außerdem präsentiert man sich als moderndes und familienfreundliches Unternehmen.“

Mehr Innovation und Offenheit für neue Ansätze wünscht sich auch Frau D. von Unternehmern. „Oftmals denken wir in viel zu engen Grenzen und fragen immer, was alles nicht geht. Wir sollten viel mehr den Fokus darauf legen, was möglich ist.“ Ihrer Ausbildung blickt sie mit großer Vorfreude entgegen. Drei Jahre soll sie dauern, denn sie verkürzt sich durch ihre Vorbildung, verlängert sich aber wiederum durch das Teilzeitmodell.

Frau Kunze appelliert an regionale Arbeitgeber: „Die Situation von Frau D. hat einen gewissen Modellcharakter für Unternehmen. Natürlich gibt es in jeder individuellen Situation und in den verschiedenen Branchen auch spezifische Herausforderungen. Aber gemeinsam lassen sich Lösungen finden! Interessierte Unternehmen können sich gerne bei mir melden“. Sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 0651 205 5301 oder per Mail an Trier.BCA@arbeitsagentur.de.

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