Stadtbibliothek Trier – Seit 60 Jahren ein Hort des Wissens

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TRIER. Zum Festakt des 60-jährigen Bestehens des Gebäudes der Stadtbibliothek an der Weberbach begrüßte Bibliotheksdirektor Professor Michael Embach zahlreiche Gäste, darunter auch viele Stadtratsmitglieder.

Der Festakt, der aufgrund der Terminfülle am Jahresende 2017 im neuen Jahr stattfand, lag damit genau genommen im 61. Jahr seit der Eröffnung der Bibliothek im September 1957. Embach verglich die Einrichtung mit einer „rüstig gebliebenen 60-Jährigen, die sich bester Gesundheit erfreut und voller Tatendrang ist.“

Der Kunsthistoriker Daniel Thull warf in seinem Vortrag einen architektonischen Blick zurück und erläuterte Details zur Planung und zum Standort der Bibliothek, deren Baukosten bei rund 1,7 Millionen Mark lagen. Der Entwurf zum Bau stammte von Alfons Leitl (1909-1975), einem freischaffenden Architekten, der von 1949 bis 1951 auch als Trierer Stadtbaurat und technischer Beigeordneter tätig war.

In Trier hat Leitl unter anderem noch die Kreisverwaltung, das Mercure-Hotel an der Porta Nigra, die neue Synagoge an der Kaiserstraße sowie die Kirche St. Valerius in Feyen/Weismark gebaut. Durch seine journalistischen Aktivitäten und seine Beziehungen zu bedeutenden Architekten gehörte er zu den wichtigsten Vertretern seines Faches in der Nachkriegszeit.

Rat tagte im Lesesaal

Die Stadtbibliothek – in deren Lesesaal bis 1968 der Stadtrat tagte – wurde von Leitl ganz bewusst als schlanker, langgestreckter Bau geplant, der sich organisch gut in die städtebauliche Topographie Triers einfügte. Ein besonderes Augenmerk galt der harmonischen Verbindung zu den nahegelegenen Römerbauten. Sie sollten durch das neue Gebäude nicht dominiert werden. Das die Stadt bei dem Bauwerk Sparsamkeit walten ließ, zeigte sich unter anderem daran, dass alte Regale übernommen wurden und keine Klimaanlage verbaut wurde.

Ein wichtiger Meilenstein für die Stadtbibliothek war die Eröffnung der neuen Schatzkammer im November 2014 samt Sanierung des Gebäudes. Der zuständige Architekt Peter Hardt erläuterte in seinem Vortrag die Herausforderung, einen denkmalgeschützten Bau aus den spätern 1950er-Jahren an die Bedürfnisse der Gegenwart anzupassen. So war es bei den vielen unterschiedlichen Ebenen im Gebäude schwierig, Barrierefreiheit herzustellen. Auch der Brandschutz ist in einer Bibliothek eine Herausforderung: Da Löschwasser auf den historischen Beständen katastrophal wäre, entschieden sich die Architekten für eine Gaslöschanlage, die den Sauerstoff verdrängt und so die Flammen erstickt.

Bürgermeisterin Angelika Birk würdigte in ihrem Grußwort die Arbeit von Bibliotheksdirektor Embach und seinem Team, das – etwa durch die Initiative, das Ada-Evangeliar in das Weltkulturerbe aufzunehmen – bibliographische Schätze ins richtige Licht rücke. Zum 60-jährigen Bestehen sagte sie: „Wir feiern ein Haus des demokratischen Neubeginns und einen historischen Glücksfall.“ Der Vorsitzende des Fördervereins der Stadtbibliothek, Dr. Josef Peter Mertes, betonte: „Stadtbibliothek und Stadtarchiv sind wichtige Bausteine der kulturellen Identität unserer Stadt und der Region.“ Die Rolle der Förderer beschrieb er als Lobbyisten, die gefragt seien, wenn die Zukunft der Bibliothek infrage gestellt werde. Universitätspräsident Professor Michael Jäckel wies in seinem Grußwort auf den Wandel der Bibliotheken hin, die früher häufig nicht öffentlich zugänglich gewesen seien, sich heute aber als Kommunikations- und Begegnungszentrum verstünden.

Die Geschichte der Stadtbibliothek wird übrigens weitergeschrieben: Mittlerweile sind ihre Platzreserven und die für das im gleichen Gebäude untergebrachte Stadtarchiv ausgeschöpft. Der Stadtrat hat im Dezember einen Prüfauftrag zur Erweiterung durch ein Ausweichmagazin erteilt.

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