Drohnen sollen Winzern an der Mosel in wenigen Jahren helfen

Es ist keine Zukunftsmusik mehr. In ein paar Jahren schon könnten Drohnen zum Spritzen in steilen Weinbergen eingesetzt werden. Es wird aber wohl zunächst ein Nischenmarkt bleiben.

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Eine Drohne für den Einsatz im Weinbau fliegt zu Demonstrationszwecken. Foto: Daniel Maurer/Archiv

Bildquelle: Daniel Maurer /dpa-Archiv

BERNKASTEL-KUES (dpa/lrs). In wenigen Jahren bereits könnten Drohnen Winzern in Steillagen beim Spritzen helfen: Experten an der Mosel testen derzeit ein Fluggerät des chinesischen Herstellers DJI, das für den Einsatz in der Landwirtschaft entwickelt worden ist.

«Wir haben schon einen guten Eindruck davon», sagte der technische Leiter des Projekts beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel, Freimut Stephan, der Deutschen Presse-Agentur. Für eine Zulassung seien allerdings noch eine Reihe von Tests und Versuchen notwendig.

Stephan wird an diesem Mittwoch (10. Januar) beim Mosel Weinbautag in Bernkastel-Kues über seine Erfahrungen mit der Drohne berichten. 2017 Jahr hat er bereits neun Hektar damit abgeflogen. Eine Drohne könne tiefer fliegen als Hubschrauber mit einem Piloten an Bord und «genauer, effizienter und leiser spritzen». Am DLR laufen bereits seit 2012 Tests zum Einsatz von Drohnen im Weinbau. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Landwirtschaftsministeriums ist das DLR Mosel mit seiner Expertise auf dem Gebiet bundesweit federführend.

Der Abteilungsleiter für Weinbau und Önologie (Kellerwirtschaft) beim DRL Mosel, Matthias Porten, sieht die Zulassung der Drohne nicht mehr weit entfernt. «Es wird noch drei, vier Jahren dauern», sagte er in Bernkastel-Kues (Kreis Bernkastel-Wittlich). Zuvor müsse das DLR noch bei Tests Zahlen zusammentragen. Zum Beispiel zur «Abdrift», also wie weit das Pflanzenschutzmittel bei Wind möglicherweise vom Ziel abweichen könnte. Und zur biologischen Wirksamkeit.

Anfang des Jahres soll das DLR das weiterentwickelte zweite Modell des Chinesen erhalten. «Darauf werden wir uns mit unserer Prüfung konzentrieren», sagte Stephan. Das neue Modell könne bis auf den Zentimeter genau arbeiten und autonom fliegen. «Aber immer auf Sicht», betonte Porten. Die getestete Drohne hat einen Durchmesser von 1,90 Metern und fasst zehn Liter Pflanzenschutzmittel. In der Regel wird ein Weinberg im Jahr acht Mal gespritzt.

Hubschrauberpilot Stephan hatte zuvor bereits einen eigenen Drohnen-Protoyp für das DLR entwickelt. «Der war aber vom Tisch, als die Chinesen 2015 mit dem hoch entwickelten Modell für 15 000 Euro auf den Markt kamen.» Zuvor seien die Kosten einer solchen Drohne auf 80 000 bis 100 000 Euro geschätzt worden, meinte Porten.

Für die Zulassung einer Drohne müssen laut Stephan noch die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. «Bisher sind die Spritzmittel nur für Hubschrauber zugelassen.» Auch baurechtliche Vorschriften müssten an die Drohne als Luftfahrzeug angepasst werden. Auch er hält drei bis vier Jahre bis zum Start für realistisch.

Die Drohne werde aber danach nur in einem Nischenmarkt zum Einsatz kommen, meint der Experte. «Dass das ein Boom wird, das sehe ich nicht.» Die Drohne könne keine Riesen-Fläche abarbeiten und werde immer nur da eingesetzt, wo Raupen und Traktoren nicht mehr fahren könnten – also an steilen Hängen, die nur begehbar seien. «Wenn wir 7000 oder 8000 Hektar an der Mosel haben, werden die Drohnen später vielleicht 200 Hektar fliegen.»

Ein größerer Markt könne entstehen, wenn man auch in flachen Lagen mit Drohnen sprühen dürfte, sagte Stephan. Dort ist aber das Sprühen aus Luftfahrzeugen laut EU-Recht bislang nicht erlaubt. Das Weinbaugebiet Mosel gilt als größtes zusammenhängendes Steillagengebiet der Welt. Fast die Hälfte der knapp 9000 Weinberge zählt zu Steillagen mit einer Steigung von mehr als 30 Prozent.

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