Gastronom klagt: „Hat schon was von Willkür“

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TRIER. Darf er, oder darf er nicht? Das ist für die Stadtverwaltung keine Frage mehr. „Nein“, sagt sie. „Gut“, sagt hingegen Savino Pistis (49). „Das hätte ich aber gerne endlich auch mal schriftlich, damit ich den Rechtsweg einschlagen kann.“ Seit mehr als einem Jahr kämpft der Gastronom mit den Ämtern und für den Freisitz bei seinem „Café Lecca“ am Bahnhof.

Savino Pistis schwillt der Kamm, wenn er den elend hohen Stoß an Papieren sieht. „Was hier abläuft, hat schon was von Willkür.“ Als er das „Café Lecca“ am Bahnhof im März letzten Jahres übernahm, hatte er noch eine Terrasse. Stilvoll aus Holz gefertigt, klein, schmal, aber ein Freisitz eben, auf dem man seinen Kaffee in der Sonne genießen konnte.

Dann ging es los. Die Terrasse müsse weg, sagte die Behörde, weil die Genehmigung fehle. Feste Aufbauten seien aus straßenrechtlichen Gründen unzulässig. Darüber berichtete im Juni 2011 das Online-Magazin 16vor.de. Pistis schrieb E-Mails. Umsonst. Er stellte Anträge. Vergeblich. Er telefonierte. Zwecklos. Das Amt schaltete auf stur. Der Taxistand vor dem Café mache eine Genehmigung unmöglich. Die Breite des Gehweges lasse keinen Freisitz zu. Dass die Terrasse zuvor vier Jahre stand, interessierte die Verwaltung nicht.

Also machte Pistis sich an die Arbeit. Tiefbauamt, Straßenverkehrsbehörde, Taxi-Vereinigung Trier – es war eine Odyssee von Amt zu Amt, von Mitarbeiter zu Mitarbeiter. Erfolgreich war er. Im September 2011 gab es einen Ortstermin. Pistis atmete durch: Der Taxistand komme weg, hieß es. Der Gastronom war sich sicher: Jetzt bekommt er auch die Genehmigung für seinen Freisitz. Also riss er seine Holzterrasse ab.

Das war zuvor von der Verwaltung gefordert worden. Er hoffte auf ein positives Signal vom Amt. „Man hat mir signalisiert, dass eine Genehmigung dann möglich sei“, sagt Pistis. Doch der Gastronom hatte seine Rechnung ohne die Trierer Behörde gemacht. Die dachte nämlich überhaupt nicht daran, ihm den Freisitz zu genehmigen.

Als Pistis eines Morgens im Februar in sein Café kam, traute er seinen Augen nicht. Dort, wo früher seine Terrasse stand, waren jetzt Arbeiter zugange. Große, silberne Bögen wurden im Asphalt verankert – ein Fahrradparkplatz. „Ich dachte, ich seh‘ nicht richtig, wirklich.“ Pistis war schockiert, erbost, zornig.

Er griff zum Hörer und versuchte, den Sachbearbeiter Alfred Krugmann erreichen. Der aber war längst nicht mehr zuständig. Ein Herr Roos bearbeite die Sache jetzt, hieß es. „Der Herr hat mir dann gesagt, dass ich noch einen schriftlichen Bescheid bekommen würde. Auf den aber warte ich bis heute.“

Kurz zuvor hatte Pistis noch ein Schreiben vom Leiter des Tiefbauamtes erhalten. Wolfgang von Bellen teilte ihm mit, dass sein Antrag auf Freisitz wegen des Taxistandes nicht genehmigt werden könne. Von einem Fahrradparkplatz ist in dem Brief keine Rede. Auch bei der Straßenverkehrsbehörde wurde Pistis vorstellig. „Da musste ich mir anhören, das sei nicht meine Sache und gehe mich nichts an. Die Ämter würden die Angelegenheit unter sich regeln.“

Im Beamtendeutsch liest sich das heute so: „Vor der Installation der Fahrradabstellplätze auf der ehemals als Taxistand genutzten öffentlichen Verkehrsfläche wurde der dringend benötigte Gehwegraum häufig von den Fahrrädern zugestellt.“ Pistis kann nur mit dem Kopf schütteln: „Das stimmt einfach nicht.“

Pistis habe auch nie Widerspruch eingelegt. „Auch das stimmt nicht“, sagt der Gastronom. Zumindest weiß er jetzt, dass er wohl keinen schriftlichen Bescheid mehr erhalten wird. Der Antrag vom 17. Januar sei am 13. Februar abgelehnt worden, sagt das Rathaus. Ein weiterer Antrag vom 9. Februar, der aber erst am 22. Februar eingegangen sei, „wurde nicht mehr gesondert schriftlich beschieden“. Schon die Verzögerung ärgert den Gastronom: „Angeblich ist meine E-Mail nicht angekommen, was ein Witz ist.“

Pistis hat „die Nase gestrichen voll.“ Er will jetzt den politischen Weg einschlagen – notfalls bis zu Oberbürgermeister Klaus Jensen, „weil ein Freisitz für meine wirtschaftliche Existenz überlebenswichtig ist“. Mehr als 2000 Euro Umsatzverlust hat er nach eigenen Angaben pro Monat, weil er seine Gäste nicht mehr im Freien bewirten darf. „Aber auf die Rückerstattung der Gebühr für den Freisitz, die ich im letzten Jahr bezahlt habe, musste ich hingegen lange warten.“

Ein Bußgeld hat er auch schon bekommen. „Weil ich einmal einen Tisch und zwei Bänke rausgestellt habe.“ 170 Euro. Bezahlt hat er nicht. „Das haben die Herren dann irgendwann mit der Gebühr verrechnet – nach langem Hin und Her.“ Kleinbeigeben will er auch nicht. „Nein, ich war viel zu gutgläubig, jetzt reicht es. Das lasse ich mir so nicht gefallen.“

ZUR MEINUNG von Eric Thielen

1 KOMMENTAR

  1. Sehr gute Berichte gleich zum Start, Kompliment.

    Zur Terrasse beim Lecca fällt mir nur ein, dass das ja nur ein Scherz sein kann, dass feste Aufbauten in Trier verboten sein sollen.

    Spontan fallen mir gleich 2 Gegenbeispiele ein: 1. Die Terrasse beim Krokodil. 2. Die am Eck bei der Sieh-um-dich. Wieso geht da was am Bahnhof nicht gehen darf? Das ist doch absurd oder wie Herr Pistis richtig sagt Willkür.

  2. Die Terrasse am „Lecca“ war der einzige Lichtblick auf diesem öden Bahnhofplatz. Sollte da nicht mal eine Umgestaltung stattfinden? Alles nur leere Worte, aber dann Privatinitiativen den Knüppel zwischen die Beine werden und auf unsinnigen Paragrafen rumreiten.

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