ABRISS! Umstrittene Trierer Wohnsiedlung muss Energie – und Technikpark weichen

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Verfall. Das seit Jahren unbewohnte Gebäude Riverisstraße 52/54 (rechts) steht kurz vor dem Abriss und wird zur Zeit leergeräumt.

Bildquelle: Foto: Presseamt

TRIER. Der Abbruch der städtischen Wohnsiedlung in der Riverisstraße stand schon mehrfach auf der kommunalpolitischen Agenda und war dabei immer heftig umstritten. Wenn jetzt zwei seit Jahren unbewohnte, halb verfallene Gebäude abgerissen werden, legt die Stadt deshalb sehr viel Wert auf einen vertrauensvollen Dialog mit den Bewohnern der anderen Häuser, die zum größten Teil der Sinti-Volksgruppe angehören.

Der Abbruch der städtischen Häuser Riverisstraße 52/54 und 68-72, den der Stadtrat im Juni beschlossen hatte, steht im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Energie- und Technikpark (ETP) der Stadtwerke und der Stadt Trier, der auf einem benachbarten Gewerbegrundstück entsteht. Der beim Abbruch anfallende Schutt kann für die Verfüllung von Gruben auf der Baustelle nebenan verwendet werden. Die beauftragte Firma Haubrich hat in dieser Woche mit der Entkernung der Gebäude begonnen, der Abriss der Außenmauern steht im Januar auf dem Programm. Im Februar sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

„In Absprache mit den Anwohnern haben wir die Arbeiten so getaktet, dass die Lärm- und Staubbelästigung möglichst gering ist“, betont Eric Krischel, ETP-Projektleiter im Rathaus. Bei mehreren Ortsterminen, Besichtigungen und Versammlungen sei es seit 2014 gelungen, Verständnis und Interesse für das Großprojekt ETP herzustellen. Auch dem Wunsch nach geschotterten Abstellflächen für Wohnwagen auf den freigeräumten Grundstücken werde die Stadt nachkommen.

Doch wie geht es mit der restlichen Siedlung weiter? Bürgermeisterin Angelika Birk versichert, dass niemand seine Wohnung verlassen muss, der dies nicht möchte: „Kein einziger Mietvertrag wird gekündigt.“ Bei einem Ortstermin hat sich Birk davon überzeugt, dass die Sinti-Familien ihre Wohnungen sehr gut in Schuss halten – für den äußeren Zustand können sie nichts.

Dass die Jungen mit den Alten unter einem Dach wohnen und sie pflegen, wenn sie gebrechlich werden, sei für Sinti selbstverständlich. „Dennoch denkt die jüngere Generation jetzt darüber nach, wie diese Lebensform vielleicht auch in einer anderen Siedlung realisiert werden kann“, erklärt Birk.

„Die Initiative für die Suche nach einem neuen Quartier ging von den Bewohnern aus“, bestätigt der Kürenzer Ortsvorsteher Bernd Michels, der sich regelmäßig mit den Familien austauscht. Jetzt wurde vereinbart, dass die Bewohner der Riverissiedlung zunächst ihren Wohnraumbedarf definieren und die Vertreter der Stadt Optionen für einen Ersatzstandort recherchieren.

„Früher hat man nicht miteinander geredet, jetzt ist ein vorbildlicher Dialog entstanden“, resümiert Michels. Das liegt auch daran, dass im Sozialdezernat inzwischen personelle Ressourcen für die quartiersbezogene Sozialarbeit geschaffen wurden.

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